Hammelburg
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Der Hammelburger Freundeskreis veranstaltete ein Sommerfest für die Asylbewerber und die ehrenamtlichen Helfer.
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Fleißige Mitglieder des Freundeskreises, darunter auch Pfarrvikar Murphy (links), helfen beim Sommerfest.  Fotos: Gerd Schaar
Fleißige Mitglieder des Freundeskreises, darunter auch Pfarrvikar Murphy (links), helfen beim Sommerfest. Fotos: Gerd Schaar
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Seit Jahren setzen sich ehrenamtliche Helfer des Freundeskreises für Flüchtlinge in Hammelburg zur Betreuung der Hilfsbedürftigen ein. Am Samstag gab es das schon traditionelle Sommerfest im Musikerheim. Es war das dritte.

"Ohne freiwillige Helfer wäre es nicht zu leisten", dankt Vorsitzende Beate Ritter-Schilling den rund 30 Aktiven aus dem Kernteam, die sich für die Versorgung der Flüchtlinge in Hammelburg einsetzen. Von den rund 120 Asylbewerbern wohnen etwa 80 im Ofenthaler Weg und etwa 40 im ehemaligen Hotel zum Hirschen. Im Oktober werden im ehemaligen Gauaschacher Gasthof Schwarzer Adler weitere 45 bis 50 untergebracht.

Seit zwei Jahren ist George aus Georgien in Hammelburg. "Ich bin froh, dass ich mittlerweile hier arbeiten darf", sagt er und ist mit seinem Job beim Städtischen Bauhof sehr zufrieden. Entschieden ist sein Asylverfahren und das für seine Familie auch nach den beiden Jahren noch nicht. Die Bürokratie braucht ihre Zeit. "Gerade an der Verkürzung der Verfahren muss jetzt gearbeitet werden", meint Ritter-Schilling. Zwar würden die entsprechenden Anträge schnell im Landratsamt Bad Kissingen bearbeitet, doch dann müssten die Papiere nach München gesandt werden, wo sich die Anträge stapeln. "Wenn sich da nicht bald etwas ändert, ersticken wir am Papierkrieg", befürchtet Ritter-Schilling.

Der Grill ist im Freien vor dem Musikerheim seit dem frühen Nachmittag in Betrieb. Fleißige Mitglieder des Freundeskreises, darunter auch Pfarrer Sony, helfen. Nach und nach treffen die Schüsseln mit den hausgemachten Salaten ein. Plötzlicher Regen zwingt die Teilnehmer dann aber zum Umzug ins Musikerheim. Der Saal füllt sich immer mehr mit Flüchtlingsfamilien.


Kinder dolmetschen

Der Tisch mit den gespendeten Spielsachen und Stofftieren lässt die Kinderherzen höher schlagen. Das Recht auf eines der Sachen muss erst bei einem lustigen Angelspiel erworben werden. "Ja, uns geht es gut im Hammelburger Hirschen", lassen die dort untergebrachten Flüchtlinge aus Afghanistan wissen. Deren Kinder können schon besser Deutsch als die Erwachsenen und fungieren jetzt als Dolmetscher. Verstehen können die Erwachsenen schon Vieles, aber mit dem Sprechen dauert es noch. Dankbarkeit strahlt in den Gesichtern. Zumal das Kernteam des Freundeskreises mit Deutschlehrern hilft.

Brigitte Bauer: "Noch ist alles überschaubar für uns im Kernteam". Vermutlich werden wir bald mehr ehrenamtliche Helfer brauchen. "Entscheidend ist der Status der Flüchtlinge", sagt Ritter-Schilling. Wenn die länger bleiben, brauche man weit mehr als die vorhandenen 30 Helfer, um den Bedarf abzudecken. Auch Krankenhausbesuche, Besorgungen oder Behördengänge gehören zu den alltäglichen Aufgaben der Helfer. Grundsätzlich werde Hilfe zur Selbsthilfe gegeben, so Bauer und betont: "Keine Überversorgung".+

"Alles ist individuell", weist Ritter-Schilling zudem auf unterschiedliche Strukturanforderungen allein schon zwischen Bad Kissingen und Hammelburg hin. Auf plötzliche Ereignisse wie zum Beispiel 80 oder 100 neue Flüchtlinge in einer Turnhalle könne man kurzfristig mit einer Erstversorgung reagieren, so Ritter-Schilling weiter. Eine begrenzte Kapazität von Nahrung und Kleidung sowie eine zusätzliche Helferzahl könne dann mobilisiert werden. "Doch auch das wird irgendwann an die Grenzen der Leistbarkeit gelangen", sagt sie und weist darauf hin: "Kurzfristige Hilfe ist möglich - aber nicht langfristig." Der Kreis der Leute, die helfen wollen, sei größer als das 30-köpfige Kernteam. Bei einer neuen Unterkunft wie zum Beispiel beim Hirschen bilde sich auch ein neuer Helferkreis.


Zuviel Bürokratie beklagt

Ein Problem scheint die Wohnungssuche für die Anerkannten zu sein. Bei einem schmalen Hartz-IV-Etat, der für die Anerkannten dann meist zur Verfügung stehe, sei die Auswahl bezahlbarer Wohnungen sehr klein, sagt Ritter-Schilling und weist auf die Problematik sozialer Brennpunkte wie die Weinbergstraße als Negativbeispiel hin.
"Seit zweieinhalb Jahren fühlen sich die Flüchtlinge im Ofenthaler Weg gut aufgehoben", bestätigt Elisabeth Albert. Dort fühle man sich schon recht eigenständig. Albert: "Wenn ein neuer Landsmann kommt, kümmert man sich dort um ihn und nimmt ihn unter die Fittiche." Das habe den Freundeskreis gehörig entlastet. Da funktioniere die Hilfe zur Selbsthilfe schon.

Sofern Arbeitserlaubnis vorliege, würden freie Arbeitsstellen gerne angenommen. "Die Arbeitgeber würden mehr Leute einstellen, wenn der Schreibkram einfacher wäre", stellt Albert fest. Anrufe und Nachfragen beim Bayerischen Flüchtlingsrat seien nicht immer erfolgreich. "Da muss sich noch einiges ändern", sind sich die Freunde der Flüchtlinge einig.


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