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Hammelburg
Biografie

Winfried Breun lebt für die Blasmusik

Winfried Breun war dabei, als sich die Stadtkapelle aus dem Musikzug der Feuerwehr bildete. Er prägte die Entwicklung der Gruppierung.
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Winfried Breun spielt zwischen seinen Erzählungen für das Publikum.Foto: Arkadius Guzy
Winfried Breun spielt zwischen seinen Erzählungen für das Publikum.Foto: Arkadius Guzy
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Winfried Breun weiß die Aufmerksamkeit der Zuhörer sogleich auf sich zu lenken. Auf dem Signalhorn der Feuerwehr bläst er den Sammelruf. Mit dem wurden die Feuerwehrleute einst zu Übungen herbeitrompetet worden. "Wenn die Übung rum war, ging es in die Wirtschaft oder die Kirche", sagt Breun. Diesmal aber sind dem Ruf rund 90 Zuhörer zur Geschichtsreihe "Erlebt und Erzählt" der Stadtbibliothek gefolgt.

Moderator Ernst Stross muss Breun, den Gast des Abends, dem Publikum nicht vorstellen. "Es ist so ein bekanntes Gesicht." Und auch Breun meint: "Ich sehe kein Gesicht, das ich nicht kenne." Schließlich hat Breun mit seiner Blasmusik die Stadtgeschichte über Jahrzehnte geprägt, wie Stross erklärt.

Bis heute ist Breuns Trompetenklang nicht verstummt, auch wenn die Auftritt nicht mehr so zahlreich sind und nicht mehr bis in die frühen Morgenstunden dauern wie früher. Mit 75 zog er sich zwar vor wenigen Jahren aus der Stadtkapelle zurück, doch macht der heute 78-Jährige noch beim unterfränkischen Seniorenblasorchester mit und engagiert sich kirchenmusikalisch. "Ich spiele noch bei Prozessionen, damit ich nicht vom Glauben abfalle", sagt Breun.

Schon als Kind lief er neben der Musikgruppe mit, erzählt er. "Die Märsche konnte ich dann irgendwann schon pfeifen." Später habe er die Notenmappe des Dirigenten tragen dürfen. Mit 14 begann der eigentliche musikalische Weg Breuns: Seine Schwester schenkte ihm eine Konzerttrompete. "Ich übte jede freie Minute."

Breun machte eine Lehre als Schreiner und zog als junger Mann für einige Zeit von Hammelburg nach Nürnberg. Dort erlebte er im Jahr 1955 das Konzert von Louis Armstrong. "Ich habe Louis Armstrong die Hand geschüttelt. Davon zehrte ich lange", berichtet Breun.

Wieder zurück in Hammelburg spielte er im Musikzug der Feuerwehr. Die Gruppierung war viel unterwegs. Breun erinnert an ein Treffen in St. Valentin auf Einladung des österreichischen Musikbundes.

Um die musikalische Ausbildung ausweiten zu können, entstand später die Idee, sich von der Feuerwehr zu lösen und einen eigenen Verein zu gründen: Die Hammelburger Stadtkapelle war geboren. Die Gründung bereitete auch umliegenden Ortschaften den Weg zu ihren eigenen Musikkapellen. Denn einige der in der Hammelburg Stadtkapelle ausgebildeten Musiker formierten in ihren Stadtteilen oder Nachbargemeinden Ensembles, wie Breun erklärt.

Er selbst machte sich unter anderem in der Jugendausbildung und als Dirigent um die Blasmusik verdient. Das würdigte die Stadt vor einigen Jahren mit der Bürgermedaille. Die Stadtkapelle und die Feuerwehr zählen Breun außerdem zu ihren Ehrenmitgliedern. Für den "Schreiner, der auf Blech spielt," (Stross) bleibt Musik eine Lebensaufgabe, auch wenn man mehr blasen müsse, je älter man werde.