Hammelburg
Kabarett

Wie man eigene Schwächen umarmt

Sabine Domogala "therapiert" mit halben Igeln und Reichtums-Kerzen beim KulturBunt und gibt unkonventionelle Tipps zur Begradigung emotionaler und psychischer Schieflagen.
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Der KulturBunt hatte die Kabarettistin Sabine Domogala in die Hammelburger Markthalle eingeladen. Foto: Jacqueline Vera Mihm
Der KulturBunt hatte die Kabarettistin Sabine Domogala in die Hammelburger Markthalle eingeladen. Foto: Jacqueline Vera Mihm
In der Hammelburger Markthalle sitzen erwartungsvoll: Kabarettliebhaber und tapfere Bürger, die von der Bonner Kabarettistin Sabine Domogala an einem heißen Sommerabend erfahren wollen, wie man die eigenen "Schwächen umarmen" kann.

Applaus ertönt während Sabine Domogala elegant die Bühne erklimmt. Als er verhallt ist, meint sie kokett: "Sie sind schon auf einem guten Weg, ich freue mich für Sie und hätte noch Stunden zuhören können". Furios startet die Therapiedoppelstunde.

Sie fällt etwas ungefährlicher aus als eine vorausgegangene, der eine Bewährungsstrafe folgte. So vertraut sie es den Zuschauern an. Beim Thema "Spannungen aushalten" kam es beim "In-die-Steckdose-fassen" zu einem tragischen Zwischenfall.

Domogalas Therapieansätze unterscheiden sich, so viel ist von Anfang an klar: Therapeutisches Fachvokabular, überhöht und überspitzt, Darstellungen, voller Inbrunst vorgetragen: Sabine Domogala begeistert.

Gnadenlose Direktheit

Ein Handy im Zuschauerraum klingelt. "Gehen Sie dran, oder soll ich es entgegennehmen", fragt sie. Gnadenlose Direktheit liegt Sabine Domogala, bestrebt, so den direkten Weg ins Glück zu ermöglichen.

Getragen wird sie von einer scheinbar guten Intention, die allerdings nicht immer die gewünschte Therapiewirkung erzielt: Da ist zum Beispiel der depressive Werner, dessen Namen sie aus Verschwiegenheitspflicht nicht erwähnen darf. Werner leidet unter zu oberflächlichen und ständig wechselnden Bekanntschaften. Dem Zugbegleiter gibt Domogala den ultimativen Karrieretipp, er solle Friedhofsgärtner werden, da seien längere Beziehungen möglich. Sie plaudert weiter aus ihrem therapeutischen Nähkästchen, und das amüsierte Publikum erfährt, dass für Werner Glück eine Kröte ist. Eine Kröte, die immer vor ihm davonhüpft, die er nicht greifen kann. Bedenke man die Krötenwanderungen, gehe es anderen auch so, erklärt sie ihm lebensnah.

Eine Frage der Perspektive

Es ist eben alles eine Frage der Perspektive und Interpretation. Getreu Domogalas Wahlspruch: "Wenn alle die Welt durch meine Augen sehen, ist auch mir geholfen". Werner bricht die Therapie ab und bei ihr ein, um sein Tagebuch zurückzubekommen, das sie ihm weggenommen hatte. Therapiemethoden à la Domogala.

Menschen erstaunen sie: Es ist ihr nicht verständlich, wieso die Teilnehmer des von ihr angebotenen Kurses "Engel heilen" ihr Geld zurück wollten. Bei dieser Veranstaltung sei kein Engel erschienen, was Domogala versucht, als positives Zeichen zu vermitteln: "Alle Engel sind halt gesund."

Domogala scheint von der Möglichkeit der Machtausübung fasziniert. Nach außen hin hat sie nur gute Absichten, gibt zu verstehen, dass sie Menschen auf die Schnellstraße des Lebensglücks und des Erfolgs bringen will. Dies mit allen Mitteln: Sie hat Reichtumskerzen und -elixier im Angebot, die "die Reichtumsenergie entfachen sollen". Ob das funktioniert, ist fraglich. Sicher ist, dass sie selbst beim Verkauf profitiert.

Drei Tore der Reflektion

Die Kabarettistin führt das Publikum durch die drei Tore der Reflektion und in Schneeketten-Makramee ein, erklärt die Möglichkeit des Rebirthing mit stundenlangen Walgesängen und den Vorteil des gehäkelten Sorgensacks. Die Häkelanleitung findet sich auf ihrer Website. Die Verwendung des Sorgensacks erläutert sie dem interessierten Publikum ausführlich.

Wichtig ist ihr, den Auswirkungen von "ELL" entgegenzuwirken. Dem "Elementaren Lob Loch" begegnet man am besten mit dem "halben Igel": sich selbst umarmen, zusammenrollen und Ruhe! Das Publikum übt begeistert mit. Die ELL-Gefahr scheint bei den Anwesenden künftig gebannt. Vielleicht kann sich der ein oder andere sich für Sabine Domogalas Leidenschaft begeistern. Ihre Hobby ist so exotisch wie ihre therapeutische Tätigkeit: Gesichter in Radieschen beißen. Hier gibt sie, wie in ihrer Arbeit, alles: porträtiert Gäste von Familienfeiern, im Abstellraum der Gastgeber untergebracht. Ein neues Hobby - vielleicht wird's ja DER Schlüssel zum Glück?
Viel Applaus und eine weitere Zugabe: Das KulturBunt-Publikum im Glück, Sabine Domogalas Therapie war anscheinend erfolgreich. Oder etwa nicht?













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