Hammelburg
Werdegang

Wie aus dem Kleinstadt-Mädchen eine selbstbewusste Karrierefrau wurde

Über "Glanz und Elend einer Jugend in Hammelburg - Lehren aus der Provinz für eine große Stadt" berichtete Dr. Manuela Rottmann. In ihrem packenden Vortrag in der Aula zeigte die ehemalige Schülerin des Frobenius-Gymnasiums anhand ihrer eigenen Erlebnisse den Unterschied zwischen der gemütlichen Saalestadt und der Metropole Frankfurt/ Main, so wie sie ihn erlebt hat.
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Dr. Manuela Rottmann.  Foto: Gerd Schaar
Dr. Manuela Rottmann. Foto: Gerd Schaar
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Rottmann war der Einladung vom Verein der Freunde des Frobenius-Gymnasiums gefolgt. Sie sei 1972 geboren, habe 1991 ihr Abitur gemacht und danach Rechtswissenschaften, Politik und Soziologie in Würzburg, Frankfurt und Aix-en-Provence studiert, sagte Vorsitzender Prof. Dr. Manfred Gerlach bei der Begrüßung. Nach wissenschaftlichen Tätigkeiten in Frankfurt und Berlin sei Rottmann als Dezernentin für Umwelt und Gesundheit in Frankfurt tätig gewesen. Seit 2012 sei sie juristisch für die Netz-AG der Deutschen Bahn zuständig. Schon seit ihren frühen Jahren sei Rottmann politisch (Bündnis 90/ Die Grünen) aktiv gewesen: als Jugend-Bundessprecherin und als Mitglied im Bundesparteirat der Grünen.

Vielseitig interessiert

"Ich bin das sprichwörtliche katholische Mädchen vom Dorf gewesen", erzählte Rottmann von ihrer Jugendzeit aus den 70er-Jahren. Alte Frauen seien damals noch in Tracht zum Sonntagsgottesdienst gegangen. "Die Menschen waren von der Arbeit gebeugt und hatten teilweise vorsintflutliche Ansichten", berichtete Rottmann. Kultur und Bildung hätten keine Rolle gespielt. "Dass es bei mir einmal anders laufen würde, habe ich damals nicht gedacht", sagte sie. Allerdings habe sie sich immer schon für viele Dinge interessiert und viel gelesen. "Ich wollte aufs Gymnasium und bin gerne zur Schule gegangen", erzählte Rottmann.
Sie könne nachempfinden, dass auch heutzutage die Angst vor dem Scheitern manchen Schülern und auch den Eltern im Nacken sitze, sagte Rottmann. "Ich habe auch das Lernen um des Lernens willen kennen gelernt", erinnerte sie sich zum Beispiel an das Fach Latein. "Aber ich mochte es, mich durchzubeißen - auch da, wo zunächst kein tieferer Sinn zu erkennen ist", dachte sie über den literarischen Wert von Cäsars Bericht über den gallischen Krieg "de bello gallico" nach. Erst mit zeitlichem Abstand zum abitur-relevanten Lernen habe sie dann doch noch den Sinn entdeckt.

Viel Zeit, wenig Ablenkung

Dass in Hammelburg die Uhren vor rund 30 Jahren anders liefen als in den Großstädten, konnte Rottmann nur bestätigen: "Ich hatte viel Zeit, wenig Ablenkung und kam aus dieser Kleinstadt nicht raus." "Aber es gab ein Kino, zwei Diskotheken und eine gut besuchte Kneipe in Hammelburg", erinnerte sie sich. Internet, Facebook und Handy waren allerdings noch Fremdwörter. Dafür gab es die Jugendzeitung "Bravo". Die großen Abenteuer passierten offenbar weit draußen vor den Hammelburger Toren. "Allerdings habe ich in Hammelburg kluge Leute kennen gelernt, denen man es von fern nicht ansieht."
Rottmann spielte in der Theatergruppe Spectaculum mit. Sie brachte sich in die Schülerzeitung ein und übte humorvolle Kritik. Den daraus entstandenen Konflikten ging sie nicht aus dem Weg. "Als Minderheit gegen die Autoritäten anzutreten, hat mich in die Politik gebracht", sagte Rottmann. "Das bessere Argument ist für mich bis heute der Sieger über jede kleinliche Rechthaberei."
Als Qualitätsmerkmal von Hammelburg bezeichnete Rottmann den Willen zur gestalterischen Kreativität. Als Beispiel nannte sie das erste Open Air. "Kultur ist mehr als eine Blaskapelle." Ein Problem in der Kleinstadt, in der jeder jeden kennt, seien jedoch Vorurteile und Pauschalisierungen.
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