Hammelburg
Überraschung

Wenn's in Hammelburgs Stadtpfarrkirche nach dem Dunkeln hell wird

"Licht aus - Gehirn an": Das Benefiz-Konzert "Lebensnotwendig" der Hammelburger Gesangs- und Instrumentalgruppe wird in der Stadtpfarrkirche zu einem Erlebnis der besonderen Art.
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Friedbert Heckmann am Saxophon wird umrahmt vom Chor der Hammelburger Gesangs- und Instrumentalgruppe. Foto: Gerd Schaar
Friedbert Heckmann am Saxophon wird umrahmt vom Chor der Hammelburger Gesangs- und Instrumentalgruppe. Foto: Gerd Schaar
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Das Benefiz-Konzert "Lebensnotwendig" der Hammelburger Gesangs- und Instrumentalgruppe am Samstagabend hob sich eindrucksvoll von Vorgängerkonzerten dieser Gruppe ab. Schuld war die dramaturgische Gestaltung des Konzertablaufs, welche auf die knapp 200 Zuhörer in der Stadtpfarrkirche ihre Wirkung nicht verfehlte. Nach dem dritten Gesangstitel ging das Licht stufenweise aus, erst hinten im Kirchenschiff, dann immer mehr nach vorn, wo der Chor auf den Altarstufen schließlich ebenfalls wie das Publikum völlig im Dunkeln war.
Gleichzeitig verstummten die bis dahin eskalierenden Gesangs- und Gesprächsfetzen, die sich zu einem Klangwirrwarr während der musikalischen Lebensreise auftürmten.


Richtig unheimlich

Nach Krisen und Konflikten herrschten plötzlich Stille und Dunkelheit. Die Chance für einen Neubeginn mit geordneten Gedanken war geboten. "Es war richtig unheimlich", sagte Zuhörerin Verena Müller. War es eine Minute lang, zwei oder mehr? Die schweigende Dunkelheit kam den Anwesenden jedenfalls recht lang vor. "Wie eine halbe Ewigkeit", sagt Matthias Berger.

Freilich ging das Licht auch wieder an, und es wurde aufbauend gesungen und musiziert. Mit dem Hintergrund der schweigsamen Dunkelheit jedoch wurde das restliche Konzert nicht einfach konsumiert sondern ganz bewusst genossen. "In mir hat es einen Ruck getan", sagt Zuhörerin Karin Ebert. Sie sei aus ihren alltäglichen Hörgewohnheiten jetzt zum bewussten Hören hingeleitet worden. "Das war eine neue Erfahrung für mich", bestätigt sie. "Jede Stimme hat in diesem Konzert perfekt geklungen", ist Lieselotte Hirt zu Konzertende begeistert. Hintergrund für das Konzert "Lebens-not-wendig" war die Frage, was die Not wenden kann.


Seelen-Spiegel hinhalten

Maria Heckmann hatte sich hierzu die Dramaturgie einfallen lassen, und Chorleiter Stefan Ammersbach setzte mit dem etwa 30-köpfigen Chor und den Instrumentalisten die Thematik musikalisch um. "Ich bin dankbar, dass es nach monatelanger Vorarbeit auf einem harten Weg bis zu diesem Konzert so gut geklappt hat", ist Maria Heckmann nach dem Premierenkonzert erleichtert.

"Der Gesellschaft den (Seelen)-Spiegel hinhalten und diesen Spannungsbogen aufzubauen, das war die unverkennbare Absicht unseres Chorleiters", erklärt Susanne Mieg. Begeistert ist Pfarrer Thomas Eschenbacher nach dem Konzert: "Es hat mich berührt und mir sind viele Gedanken gekommen."

"Was braucht der Mensch zum Leben?", führte Heckmann zu Konzertbeginn in das Thema "Lebensnotwendig" ein. Auf jeden Fall Nahrung und ein Dach über dem Kopf. "Das Elend in Afrika ist groß, und wir müssen helfen", sagte Reinhard Beichel der Saale-Zeitung. Die Spenden des Konzerts sollen der Afrikahilfe und dem bolivianischen Therapiezentrum Yanapasayku zufließen.


Weitere Konzerte

Demnächst will Beichel einen Vortrag über seine Reise in ein afrikanisches Flüchtlingscamp halten.
Das andere Spendenprojekt Yanapasayku arbeitet mit dem deutschen Verein "Jugend-Bildungshilfe in Bolivien" zusammen. Weitere Benefiz-Konzerte gibt es am 14. November. um 19.30 Uhr, in Seifriedsburg St. Jacobus und am 27. Februar 2016, um 19.30 Uhr, in Reichenbach St. Michael.







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