Hammelburg
Musterkampf

Welcher Post ist real, welcher fake? Erst hinterfragen, dann teilen!

Das Internet scheint ein rechtsfreier Raum. Gymnasiasten ließen sich jetzt von einem Rechtsanwalt informieren, der gegen Facebook klagt .
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Rechtsanwalt Chan-jo Jun (links) informierte Schulleiter Helmut Schreiner und rund 200 Schüler über die Gefahren des Internets. Foto: Gerd Schaar
Rechtsanwalt Chan-jo Jun (links) informierte Schulleiter Helmut Schreiner und rund 200 Schüler über die Gefahren des Internets. Foto: Gerd Schaar
Mit Rechtsanwalt Chan-jo Jun, Fachanwalt für IT-Recht, kam am Donnerstag ein aktuelles Stück Zeitgeschichte in die voll besetzte Aula des Hammelburger Frobenius-Gymnasiums. Jun klagt zurzeit am Landgericht Würzburg für seinen Mandanten gegen Facebook, um die endgültige Löschung eines kompromittierenden Eintrags im Internet zu bewirken.
Das Interesse der Schüler ab der 10. Klasse war groß, die rund 200 Stühle waren fast bis auf den letzten Platz besetzt. Für diese Generation ist ein Account bei den sozialen Medien wie Facebook, Youtube, Twitter und andere ganz normal, wie Juns kurze Nachfrage bewies. Man kann sich weltweit untereinander austauschen und vieles über andere Leute kennen lernen. Soweit das Positive. Doch kann man gegen missliebige Einträge erfolgreich angehen? Offenbar gibt es hierbei enorme Schwierigkeiten.
Absurde Mitteilungen und markige Sprüche nur um des Spaßes willen, angefangen vom harmlosen Fake-Scherz bis hin zu Morddrohungen mit Anweisung konnte Jun in scheinbar endloser Anzahl aus Facebook zitieren. "Jeder weiß, dass es Unsinn ist, dass es sich nach unserer Wertevorstellung nicht gehört und dass es nach deutschem Recht strafbar ist", erklärte Jun.


Deutschland hat Vorreiterrolle

Das Lebensrecht werde durch Ausrottungsbemühungen mit Füßen getreten. Die meisten Hetzparolen kämen von den politischen Außenflügeln ganz links und ganz rechts gleichermaßen. Nummer eins auf der Opferliste seien die Tierquäler. Gezielt werde auch auf Politiker, Juden und Flüchtlinge. "Es ist eine neue Art für falsche Helden, Aufmerksamkeit zu erregen", sagte Jun.
Was nach deutschem Recht strafbar ist, habe Facebook bislang nicht interessiert, so Jun weiter. Er kämpfe jetzt einen juristischen Musterkampf gegen Facebook, zunächst für Deutschland, und im Hintergrund für die ganze Welt. Denn bislang galten nur die eigenen Facebook-Regeln im rechtsfreien Internet-Raum. Selbst das U.S.-amerikanische Staatsrecht sei ausgehebelt.
Jun: "Strafanzeigen beeindrucken Facebook nicht". Nur weil sich mittlerweile ein starker öffentlicher Druck aufbauen konnte, sei ein Gerichtsverfahren jetzt möglich geworden. "Deutschland spielt jetzt eine Vorreiterrolle für alle anderen Staaten", hofft Jun auf einen Sieg vor Gericht. Wenn Deutschland verliere, würden sich viele andere Staaten nicht mehr trauen, gegen Facebook zu klagen.


Seriöse Recherche ist wichtig

"Ist Facebook grundsätzlich böse?", wollte ein Schüler wissen. "Nein, aber ich wünsche mir ein Facebook ohne Hass", antwortete Jun. Ob denn Schüler je eine Chance hätten, etwas bei Facebook zu ändern, war die nächste Frage. Man sollte vor allem nicht auf die Falschmeldungen (Fakes) hereinfallen und sie durch weitere Recherchen überprüfen, bevor man sie durch Teilen weiterreicht. "Es ist eine neue Zeit, und wir müssen damit leben lernen", sagte Jun. Dem unreflektierten Medium Facebook setzte er seriöse Zeitungs-Medien als wirkungsvolle Alternative entgegen.
Zustande kam die Verbindung mit Jun durch Oberstudienrätin Renate Büttner, die den Anwalt beim Besuch einer Würzburger Ausstellung kennen lernte. Schulleiter OStD Helmut Schreiner und dessen Vertreter StD Marco Korn waren erfreut: "Wir hatten nicht damit gerechnet, dass es so bald mit dem Besuchstermin klappt".

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