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Diebach
Geschichte

Wald bei Diebach birgt alte Begräbnisstätte

Am Hang zwischen Diebach und Morlesau findet sich eine bemerkenswerte Anzahl von Hügelgräbern. Die ältesten stammen aus der Bronzezeit. Sie bekommen nun neue Beachtung.
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Roland Heinlein und Waldemar Hauk wollen Wanderer auf die Bodendenkmäler aufmerksam machen. Fotos: Arkadius Guzy
Roland Heinlein und Waldemar Hauk wollen Wanderer auf die Bodendenkmäler aufmerksam machen. Fotos: Arkadius Guzy
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Früher führten die Lehrer ihre Schüler in den Wald zwischen Diebach und Morlesau, um ihnen die Hügelgräber zu zeigen. Waldemar Hauk erinnert sich selbst noch daran. "So sind mir die Hügelgräber seit der Kindheit gut bekannt", sagt er. Eine Schule hat der Stadtteil schon seit einigen Jahren nicht mehr. Die Gräber sollen aber trotzdem nicht in Vergessenheit geraten.

Die Diebacher Holzrechtler, zu denen Hauk gehört, haben daher angeregt, eine Tafel aufstellen zu lassen. Sie wandten sich dazu an Kreisheimatpfleger Roland Heinlein. Auch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege ist eingeschaltet. Die Behörde übernimmt zur Hälfte die Kosten für die Tafel, die andere Hälfte zahlen die Holzrechtler. Sie decken ihren Anteil mit Geld, das sie aus einem Rechtsstreit mit der Stadt erlangt haben. "Wir wollten das Geld nicht unter uns verteilen. Die Rechtlervertreter hatten deshalb die Idee für die Tafel", erklärt Hauk.

Gräber direkt am Wanderweg

So ist ein zumindest für den Landkreis Bad Kissingen einmaliges Vorhaben entstanden. Heinlein lobt das Engagement. Für ihn ist es eine Gelegenheit, sich verstärkt mit den Hügelgräber zu beschäftigen. Zwei Areale, in den Waldabteilungen Eschig und Mühlschlag, sind in die Liste des Landesamt für Denkmalpflege eingezeichnet. Sie umfassen 15 bis 20 Grabhügel.

Es sind vielleicht sogar noch mehr, wie Heinlein meint. Er hat das Waldgebiet erkundet - im Sommer bei 30 bis 35 Grad, wie Hauk hinzufügt. Die Schweißflecken auf der Karte bezeugen das. Wer sich für Heimatgeschichte interessiert, muss aber nicht mühsam durchs Unterholz stapfen: Ein Wanderweg streift das Areal. Einige der Gräber, darunter sogar ein besonders großes, liegen direkt daran.

Der Wanderer muss nur genau hinschauen. Die Tafel soll dabei helfen. Denn dass die Buckel im Wald keine natürlichen Erhebungen, sondern künstliche Erdaufschüttungen sind, lässt sich am besten an Geländemodellen zeigen: Die Gräber haben eine perfekte kreisrunde Form.

Sie stammen aus der Zeit zwischen 1600 und 400 vor Christus. Die Spanne reichen also von der Bronzezeit bis in die Eisenzeit. "1200 Jahre - das ist eine große Kontinuität", sagt Heinlein. Im Altlandkreis Hammelburg seien Hügelgräber auffälligerweise nördlich der Saale zu finden. So zum Beispiel auch zwischen Wartmannsroth und Waizenbach sowie Hetzlos und Obererthal. Die Begräbnisstätten sind an Osthängen angelegt. Heinlein erläutert: "Das hängt mit der Jenseitsvorstellung zusammen. Die Morgensonne erreicht die Gräber."

Die Erdhügel wurden manchmal durch Steinkreise eingefasst und mit Stelen markiert. Herrschende und gesellschaftlich Hochgestellte wurden in ihnen bestattet. "Zwischen den Hügelgräbern gab es normale Gräber", sagt Heinlein.

Frühe Grabungen

Er macht sich keine Sorgen, dass die Tafel nur Sondengänger und Raubgräber in den Wald anlockt. Denn wer im Bereich eines kartierten Bodendenkmals buddelt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Viel entscheidender ist aber, dass es in den Gräbern schon lange nichts mehr zu holen gibt. Sie sind längst aufgegraben - und das teilweise seit mehr als 100 Jahren. Trichterförmige Einbrüche in den Hügeln beweisen das. Die wohl erste Grabung ist für das Jahr 1898 dokumentiert.

Die Funde kamen ins Mainfränkische Museum nach Würzburg. Das meiste ging später im Zweiten Weltkrieg verloren. Hauk weiß aber von einem Armreif und einer Bronzenadel aus Diebach zu berichten, die er als Schüler im Mainfränkische Museum sah.

Heinlein will nachforschen, was an Artefakten aus den Hügelgräbern in der Museumssammlung erhalten geblieben ist. Für den Winter, wenn keine Blätter die Sicht versperren, plant er mit seinen ehrenamtlichen Helfern eine zweite Begehung, um die genaue Zahl der Gräber zu ermitteln und neue Standorte einzumessen. Das Interesse an der Begräbnisstätte ist neu geweckt.

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