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Aura an der Saale
Hobby

Vorgarten in Aura signalisiert Bahnliebe

Der Werbeanlagenbauer Berthold Appel setzt ganz deutlich Zeichen rund ums Thema Eisenbahn - und zwar im Garten seiner Mutter.
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Berthold Appel ist Eisenbahnfan. Fotos: Wolfgang Dünnebier
Berthold Appel ist Eisenbahnfan. Fotos: Wolfgang Dünnebier
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Plakatives produziert Berthold Appel. Sowohl beruflich, als auch in seiner Freizeit. Der Werbeanlagenbauer hat sich in der repräsentativen Außenanlage der europäischen Zentralbank verewigt. Und im Vorgarten seiner Mutter in Aura.

Vor dem Bankenhochhaus in der Mainmetropole errichtete der 55-Jährige im Auftrag seiner Firma mit vier Kollegen Anfang des Jahrzehnts das überdimensionale Euro-Symbol. Das Monument aus Plexiglas und Stahl ist 16 Meter hoch und wiegt 65 Tonnen.

Vergleichsweise von bescheidenen Ausmaßen sind die Exponate am Trimberger Weg in Aura. Auf dem Rasen und in den Rabatten dreht sich alles um das Thema Eisenbahn. Um seiner Leidenschaft Ausdruck zu verleihen, tingelte Appel einst über Sammlerbörsen. Inzwischen lässt er seinen Sohn in Internetportalen recherchieren.

Historische Technik

Besonders stolz ist er nach gründlicher Restaurierung auf einen Original-Weichensteller samt Laterne und mehrere blecherne Zugrücklichter. Sie stammen aus zurückliegender Eisenbahner-Zeit. Solche Technik wurde bis in die 1960er-Jahre mit Flaschengas oder Petroleum beleuchtet. Immer wieder mussten Wartungstrupps Brennstoff nachfüllen. Anders bei Appel: Elektrizität setzt das Ambiente nachts in Szene. Licht spenden ein Signal und ein Andreaskreuz.

Mangelns Originalen hat sie ihr Schöpfer detailgetreu in halber Größe nachgebaut. Mit Stahl, Blech, Plexiglas und Strom kann der Werbeanlagenbauer umgehen. Die Nachbauten stehen stilgerecht in einem Schotterbett. Die Umrisse des Andreaskreuzes zeichnen sich nachts durch bunt strahlende Neonröhren ab. Hier hat Appel seine ganzes Fachwissen spielen lassen.

Eisenbahner am Gartenzaun

Abgerundet wird die Freiluft-Ausstellung durch etliche Blechschilder. Teils handelt es sich um restaurierte Originale, teils um in halber Größe nachgebaute Objekte. Neben Geschwindigkeitsbegrenzungen sind Wartezeichen für Rangierfahrten, eine Haltemarkierung für Lokführer an Bahnhöfen oder die Ankündigung eines Oberleitungs-Endes vertreten.

Der farbenfrohe Anblick verfehlt seine Wirkung nicht. Er ist ein Hingucker am touristischen Radweg durchs Saaletal. "Immer wieder bleiben Urlauber stehen und fotografieren", freut sich Appel. Seit sein Vater tot ist, verbringt er viele freie Tage bei seiner Mutter. Auch pensionierte Eisenbahner hat er an seinem Gartenzaun schon Fachsimpeln hören. Unter dem Stichwort "Weißt du noch....", wird dann in Erinnerungen geschwelgt, berichtet der Konstrukteur.

Krönen möchte Appel seine Sammlung mit einem echten Flügelsignal. Sie werden vornehmlich an Strecken in Ostdeutschland ausrangiert. Mit einem bisschen Glück sind sie für gut einen Tausender zu bekommen. Gegen solch eine Erwerbung spricht das Gewicht von über einer Tonne und die Höhe von bis zu acht Metern. Da kommt der Transport teurer als der Kaufpreis.

Bahnhof fehlt

Schade, dass Aura dank Appel jede Menge Bahnschilder hat, aber keinen Bahnhof. Soviel er auch für sein Hobby tüftelt, so selten fährt Appel deswegen mit der Bahn. In Frankfurt zum Zug und vom Haltepunkt Euerdorf in den kleinen Nachbarort zum Haus seiner Mutter, das ist ihm mit Gepäck dann doch zu kompliziert. Wolfgang Dünnebier
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