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Ramsthal
Kunstwoche

Von der Liebe zum Frankenwein

Ein vergnüglicher literarischer Abend mit Musik stand in Ramsthal auf dem Programm. Die Brüder Hans und Bernhard von der Goltz nahmen die Gäste mit auf eine unterhaltsame Reise.
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Literatur und Musik boten Hans und Bernhard von der Goltz (rechts) im Haus erLebenskunst. Foto: Angelika Silberbach
Literatur und Musik boten Hans und Bernhard von der Goltz (rechts) im Haus erLebenskunst. Foto: Angelika Silberbach
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Zu einem Literarischen Abend mit Musik lud das Bücherei-Team im Rahmen der Ramsthaler Kunstwoche ins Haus erLebenskunst ein. Knapp 50 Besucher genossen den kurzweiligen Abend mit Gedichten, Prosatexten und feinsinniger Gitarrenmusik der Brüder Hans und Bernhard von der Goltz. Die Zuhörer erfuhren, was möpselnder Wein frei nach Tucholsky ist und ließen sich von feinen Gitarrenklängen in ferne Klangwelten entführen.

Leichtsinnig und nachdenklich

Der in Nürnberg lebende Realschullehrer Hans von der Goltz ist bekennender Ramsthaler Müller-Thurgau-Trinker: "Seit 30 Jahren trinke ich nur Ramsthaler Weißwein." Beim Rotwein hingegen scheint er Ausnahmen zu machen. Die Liebe zum fränkischen Weißwein und Essen brachte ihm seine Schwiegermutter bei. Die 84-jährige Paula Neder aus Ramsthal ließ sich den Auftritt des Schwiegersohns natürlich nicht entgehen und freute sich über die persönliche Begrüßung.
In allen Gedichten und Prosatexten kam das Thema Wein vor, manchmal mehr, manchmal weniger im Vordergrund stehend. Mit sonorer, warmtönender Stimme deklamierte Hans von der Goltz Gedichte von Robert Gernhardts "Klagen" bis Heinrich Heines Ballade "Belsazar". Etliche Gedichte waren den Wein- und Literaturfreunden zwar bekannt, trotzdem war es schön, Rilkes und Trakls Ergüsse wieder einmal zu hören. Sie stimmten teils leichtsinnig, teils nachdenklich. Im Wein liegt eben Segen und Fluch - je nachdem, wie man ihn zu dosieren weiß. Gut eingeteilt und gepaart mit gutem Essen kann der Wein Lebenslust neu entfachen, wie ein Auszug aus Tania Blixens (1885 - 1962) "Babettes Fest" zeigte, wo eine katholische französische Köchin im Exil Sinnesfreuden in eine gealterte norwegische Pietistengemeinde bringt. Fein ausgesucht war ob der geografischen Nähe zu Ramsthal, ein Auszug aus Kurt Tucholskys Reisebericht über eine Wanderung 1927 mit zwei Freunden durch den Odenwald und Spessart. Dabei wurde so mancher Bocksbeutel geleert auf dem Weg vom Wirtshaus im Spessart bis Iphofen. Begeistert schildert Tucholsky die drei großen Schönheiten dieser Gegend: "Den Wald, den Wein und die kleinen Städte". Neben grandiosen philosophischen Ergüssen in lichten Momenten, kam auch der Säuferpoet in Tucholsky durch, der bedauerte, dass man Wein nicht streicheln könne. Zu den witzigsten Passagen gehörte der Abgesang eines Gasts auf einen angeblich korkenden Wein: "Meine Herren, der Wein schmeckt nicht nach dem Korken. Wenn er nach dem Korken schmeckt, dann möpselt es nach... Natürlich möpselt es. Wir hatten keine Ahnung, was das Wort bedeutete - aber es ging sofort in unsern Sprachschatz über. Jeder Weinkenner muss wissen, was möpseln ist."

Gitarrist setzte Akzente

Zwischen den Lesungen setzte der renommierte Gitarrist Bernhard von der Goltz aus Veitshöchheim Akzente. Wunderbar leicht kam das "Allegro" von Mauro Giuliani herüber. Francisco Tarregas "Tango" entfachte - auch dank der hochsommerlichen Temperaturen - spanische Lebenslust. Jetzt ein Glas Rotwein trinken und eine Meeresbrise genießen, so träumte sich mancher in südliche Lebensleichtigkeit hinein. Alles spielte der technisch brillante Gitarrist auswendig, alles beseelt - von der kleinsten Miniatur-Etüde von Fernando Sor bis zum Ragtime, von dem Wiener Schmäh entfachenden "Eine Frau wird erst schön durch die Liebe" bis zur Zugabe "Entertainer".
Von den lachenden Ramsthaler Zuhörer wusste übrigens keiner, was "möpselnder" Wein ist. Aber beim abschließenden Zusammensitzen von Künstlern, Veranstaltern und Zuhörern betonten alle, dass der Ramsthaler Wein garantiert nicht möpselt.

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