Hammelburg
Verkehr

Verkehrskonzept für Hammelburg

Seit 30 Jahren diskutiert die Stadt, wie der Verkehr am besten geleitet werden sollte. Jetzt liegt ein neues Konzept vor. Es verschiebt die Perspektive.
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Die Anwohner der Rote-Kreuz-Straße müssen täglich 6000 Fahrzeuge verkraften. Foto: Archiv/Arkadius Guzy
Die Anwohner der Rote-Kreuz-Straße müssen täglich 6000 Fahrzeuge verkraften. Foto: Archiv/Arkadius Guzy
Nach einer Verkehrszählung im Herbst und einer Bürgerversammlung im Frühjahr ist das Verkehrskonzept des Stuttgarter Fachplaners Christoph Link fertig. Die Stadträte diskutierten in ihrer Sitzung am Montagabend rund zwei Stunden darüber. Die Meinungen verdichteten sich zu einem Gewirr an Argumenten, ob und wie die Vorschläge umgesetzt werden sollen.

Das neue Konzept soll den Durchgangsverkehr aus der Bahnhofstraße leiten. Link hält weiche, psychologische Maßnahmen als am besten geeignet. So empfiehlt er, die Grünphase an der Postamtskreuzung für die Fahrzeuge aus der Bahnhofstraße auf die Mindestdauer von fünf Sekunden zu senken. Das soll die Umgehung über die Turnhouter Straße schneller erscheinen lassen.

Die in der Vergangenheit immer wieder geforderte Einbahnstraßenregelung für die Bahnhofstraße bewertete Link dagegen als eher problematisch. Denn diese Verkehrsmaßnahme würde die Fahrzeuge in die Altstadtgassen als Ausweichstrecken drängen, wie er im Stadtrat erklärte.

Langfristig will das Verkehrskonzept aber vor allem die Belastung in der Rote-Kreuz-Straße senken. Mit durchschnittlich 6000 Fahrzeugen täglich ist sie im Vergleich zur Bahnhofstraße mit 4000 Fahrzeugen täglich die am stärksten genutzte Innenstadtstrecke. Das Verkehrskonzept nennt eine radikale Lösung: Die Sperrung der Rote-Kreuz-Straße und auch der Kissinger Straße für den Durchgangsverkehr, um diesen über die Friedhofstraße abzuleiten.

Diese Schwerpunktverlagerung löste im Stadtrat allen voran Diskussionen aus, schließlich war der Blick bisher allein auf die Bahnhofstraße gerichtet. "Die Rote-Kreuz-Straße ist die eigentliche Problemstraße", fasste Patrick Bindrum (CSU) die veränderte Wahrnehmung zusammen. Daher müsse jede Argumentation von der Rote-Kreuz-Straße ausgehen.

Alexander Stolz (CBB) äußerte allerdings die Befürchtung, dass durch die vorgeschlagene Sperrung der Verkehr in andere Straßen gebracht werde. Er meinte insbesondere die Friedhofstraße. Sein Fraktionskollege Reimar Glückler ging sogar so weit zu sagen, um beim Thema Verkehr nach 30 Jahren endlich voranzukommen: "Wir müssen den Mut haben zu erklären, die Rote-Kreuz-Straße ist unsere nördliche Umgehung."

Die CSU-Fraktion widersprach dem entschieden. So wies Martin Wende deutlich darauf hin, dass die Rote-Kreuz-Straße im Gegensatz zur Bahnhofstraße ursprünglich als reine Anwohnerstraße konzipiert gewesen sei.
Angesichts der Vorschläge, die Norbert Schaub (SPD) als sehr einschneidend bezeichnete, weil sie die Stadt in zwei Teile spalten würden, stellte sich für einige Stadträte die Frage, ob über das Verkehrskonzept überhaupt abgestimmt werden sollte. Das ließ die Argumente erneut hin- und hergehen. Wie Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) erklärte, gehe es nicht darum schon einzelne Maßnahmen zu beschließen. Auch andere meinten, dass der Experten-Rat erst einmal angenommen werden sollte, als Diskussionsgrundlage und Aufforderung zum Handeln, wie es Martin Wende ausdrückte.

Stolz wollte dagegen zunächst die Anwohner anhören: "Wir brauchen viel mehr Diskussion in der Bevölkerung." Daher wollte er das Verkehrskonzept nur zur Kenntnis nehmen lassen, scheiterte allerdings mit seinem Antrag. Mit 16:5 Stimmen nahm der Stadtrat das Konzept an. Allerdings sollen erst ab Herbst Entscheidungen über erste konkrete Maß fallen.

Die Diskussionen werden dann wohl erst richtig losgehen. So bezog Sebastian Hose, Vorsitzender des Vereins für Wirtschaft und Stadtmarketing, gleich in der Sitzung klar Stellung: "Die Kissinger Straße ist die einzige intakte Geschäftsstraße. Sie muss befahrbar bleiben. Der Verkehr muss an die Geschäfte kommen."

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