Hammelburg
Interview

"Tirana war Kontrastprogramm"

Matthias Bickert kümmert sich als Allianzmanager von Hammelburg aus um die Zukunft der Saaletal-Gemeinden. Im Gespräch erzählt er, was er an dieser Region durch einen Auslandsaufenthalt neu zu schätzen gelernt hat.
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Matthias Bickert spricht am Saaleufer von der Schönheit der Landschaft. Foto: Arkadius Guzy
Matthias Bickert spricht am Saaleufer von der Schönheit der Landschaft. Foto: Arkadius Guzy
In der "Allianz Fränkisches Saaletal" haben sich neun Kommunen zusammengeschlossen. Sie wollen Wirtschaft, Tourismus und das soziale Umfeld gemeinsam fördern. Matthias Bickert spielt als Allianzmanager dabei eine wichtige Rolle. Er soll helfen, verschiedene Projekte in Gang zu bringen. Vor seiner neuen Aufgabe war der 30-jährige Seifriedsburger in Albanien als Dozent an der Universität Tirana und Experte für die Erhaltung von Kulturgut beschäftigt.

Mussten Sie sich nach Ihrer Rückkehr im Saaletal neu einleben?
Matthias Bickert: Das war nicht weiter schwierig. Aber natürlich war Tirana das maximale Kontrastprogramm. Das Stellenangebot für den Allianzmanager in Hammelburg kam gerade zu der Zeit, als ich in meinen Überlegungen den Punkt erreicht habe, dass ich gerne wieder in Franken arbeiten würde.

Was hat Sie zurückgezogen?
Die Dynamik in einer Stadt wie Tirana ist faszinierend und etwas Tolles. Das ständige Durchwurschteln, das den Alltag in Albanien prägt, kann auf Dauer aber anstrengend werden. Dazu kommen Korruption und Vetternwirtschaft. Das hat mich die geordneten Strukturen und die Planungssicherheit, die in Deutschland herrschen, neu zu schätzen gelehrt. Ich genieße die Ruhe, die das Saaletal bietet.

Leidet die hiesige Region aber nicht gerade an zu viel Beschaulichkeit?
Das Saaletal ist beschaulich. Ich würde es jedoch nicht in dem Sinne beschreiben, dass hier nichts los wäre. Man muss sich nur den Marktplatz in Hammelburg anschauen, wie viel Leben dort stattfindet. Allerdings darf man sich in der gegenwärtigen Situation nicht zu sehr einrichten. Veränderungen und Neues sind notwendig. Als Allianzmanager kann ich dabei helfen, ohne etwas übers Knie brechen zu wollen.

Was schätzen Sie am Saaletal?
Als leidenschaftlicher Radfahrer begeistern mich die Radwege. Das Saaletal hat eine schöne Landschaft und den Fluss. Viele kulturelle Eigenheiten kennzeichnen die Region, wie zum Beispiel der Weinbau. Ich nehme das jetzt viel bewusster wahr, auch wenn wir zu Hause natürlich Wein aus dem Saaletal getrunken haben.

Beschreiben Sie die derzeitige Situation der Allianz.
Ich bin froh über die Arbeitsgrundlagen hier. Denn die Bürgermeister zeigen, dass sie die Herausforderungen des demografischen Wandels nachhaltig anpacken wollen, und dass sie dies am besten in der Gemeinschaft erreichen können. Wie sie Leerstände und Baulücken in den Ortskernen füllen können, beschäftigt zum Beispiel alle Kommunen in gleicher Weise.

Damit wären wir wieder bei den Beharrungstendenzen: Viele Privateigentümer halten an ihren Grundstücken fest und wollen sie trotz Interessenten nicht verkaufen.
Da hilft nur Aufklärungsarbeit dahingehend, dass sicherlich in Zentren und unmittelbaren Stadtumlandgemeinden auch weiterhin Preissteigerungen für Grundstücke entstehen. Angesichts des demografischen Wandels kann aber für viele Grundstücke in Randlagen und außerhalb von Kernstädten nur schwer davon ausgegangen werden, dass auch dort die Grundstückswerte - inflationsbereinigt betrachtet - ebenfalls weiter ansteigen werden.

Ist es nicht vergebliche Mühe, wenn sich die Region gegen Entwicklungen wie den demografischen Wandel zu stemmen versucht?
Es geht nicht darum, die Prozesse aufzuhalten. Das wird die Region nicht erreichen, weil die Entwicklungen in einem viel größeren Rahmen ablaufen. Sie wird sicher auch nicht wachsen. Das bedeutet aber nicht, dass man gar nichts tun sollte. Die Region kann die Prozesse lenken. Sie kann in dem Wandel die Lebensqualität der Menschen sichern und auch steigern. Die Gemeinden können zum Beispiel spezielle Angebote für Ältere schaffen.

Wie soll die Allianz in drei Jahren dastehen?
Die Grundlagen sollten so weit entwickelt sein, dass die Bürgermeister sogar schwierige Themen wie selbstverständlich innerhalb der Allianz besprechen. Aufgrund meines Interesses an Kulturerbe würde es mich persönlich zudem sehr freuen, wenn ich dazu beitragen kann, das eine oder andere denkmalgeschützte Gebäude zu erhalten und mit Leben zu füllen.

Das Gespräch führte
Arkadius Guzy

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