Sulzthal

Tannenbäume zu Silvester

Die Marktgemeinde kann auf eine lange Geschichte und auf eine Reihe von alten Traditionen zurückblicken. Eine lebt am Silvestertag wieder auf: Das Aufstellen der Bürgermeister-Tanne.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Frauen binden Zweige zu Kränzen. Fotos: Elmar Schmidt
Die Frauen binden Zweige zu Kränzen. Fotos: Elmar Schmidt
+1 Bild
Die "Bürgermeister-Tanne" ist eine etwa 20 Meter hohe Fichte, die bis auf die Spitze entastet wird. Geschmückt mit einem Fichtenwedelkranz, an dem bunte Bänder hängen, bekommt der Bürgermeister samt Stellvertretern diese vor das Haus aufgestellt.

Das Aufstellen der Tanne ist - wie bei alten Bräuchen üblich - mit verschiedenen Bedingungen verknüpft. Hierzu erklärt Willi Diez, Gemeinderatsmitglied und mit Erich Schießer, Hans Endres und Klaus Keller einer der Haupt-Organisatoren: "Die Bürgermeister-Tanne gibt es nur, wenn der Bürgermeister neu gewählt wurde. Dann erhalten auch die Stellvertreter, die neu gewählt und bisher keine Tanne aufgestellt bekamen, eine vor ihr Haus."

Das bedeutet richtig Arbeit für die zahlreichen Helfer aus dem Gemeinderat sowie aus Vereinen und Verbänden, denn neben dem amtierenden Bürgermeister August Weingart (CSU) wurde auch den Stellvertretern Gabriele Dehmer (SPD) und Johannes Büttner (CSU) diese Ehre bisher noch nicht zuteil. Zusätzlich zum aufgestellten Baum vor der Haustür erhalten diese an Nutzholz einen Baum gleicher Länge.

Da der vorherige Bürgermeister Konrad Weingart 18 Jahre lang als Gemeindeoberhaupt tätig war, liegt auch das Aufstellen der letzten Tanne genauso lang zurück. Die Bürgermeister zuvor hatten ihr Amt ebenfalls mehrere Wahlperioden lang inne, so dass der Brauch nicht allzu oft ausgeübt wurde. Daher gibt es auch nur wenige Informationen dazu.

"Zunächst wurde natürlich ein Gemeinderatsbeschluss gefasst, damit diese Bäume gefällt werden durften", bemerkt Willi Diez. Er freut sich besonders darüber, dass die zahlreichen freiwilligen Helfer sehr schnell gefunden werden konnten. Während früher die Holzmacher für den Brauch verantwortlich waren, sind die Sulzthaler jetzt selbst gefordert.

Fällen, Graben, Binden

Seit November wurde überlegt und geplant: Die Helfer wurden zum Fällen, Herstellen der Verkeilungen, Graben der Löcher, Binden der Kränze und für den Transport eingeteilt. Auch die Verpflegung während der einzelnen Aufgaben wurde sichergestellt.

Am vergangenen Wochenende schritten die Helfer dann zur Tat: Drei Gruppen gruben die rund 1,50 Meter tiefen und im Durchmesser rund einen Meter großen Löcher vor den jeweiligen Häusern der Amtsträger, was bei dem heftigen Schneetreiben gar nicht so einfach war. Die Landfrauen konnten dafür im Warmen die Kränze binden. Am Montag wurden die Fichten gefällt, mit Traktoren und Seilwinden aus dem Wald gezogen und entastet.
Dann wurden die Bäume für den Transport in das Dorf vorbereitet. "Es ist gar nicht so einfach, die 20 Meter langen Bäume durch den Ort zu fahren. Dazu ist ein Traktor mit zwei Wagen notwendig. Das Rangieren ist dabei das Schwierige, da die Strecke kurvenreich ist. Bei der stellvertretenden Bürgermeisterin dürfen keine parkenden Autos in der Straße stehen. Einige Strecken werden gesperrt", gibt Willi Diez einen Ausblick auf den arbeitsreichen Silvestertag.

Am Silvestertag um 9.30 Uhr ist es dann so weit: Mit Musik werden die Fichten ins Dorf gefahren. Jedermann ist eingeladen diese zu begleiten. Dann werden die Bäume aufgestellt. "Es wird wohl bei jedem Bürgermeister und Stellvertreter ein kleines Fest geben", mutmaßt Willi Diez.

Beim Aufstellen wird selbstverständlich die Rangordnung eingehalten: Zuerst geht es zu August Weingart, dann zu Gabriele Dehmer und zum Schluss zu Johannes Büttner. Die verschiedenen Parteizugehörigkeiten werden an diesem Tag, wie auch bei den Vorbereitungen, wohl keine Rolle spielen. "Es geht darum, alte Traditionen aufrechtzuerhalten, was ich sehr schön finde. Und mit dem Aufstellen der Bäume gibt es viel Arbeit für die Verantwortlichen und Helfer", wertschätzt Bürgermeister August Weingart die Arbeit der Ehrenamtlichen aus dem Dorf, die koordiniert anpacken müssen.

Woher der Brauch eigentlich stammt, kann auch er nicht ausmachen: "Ich habe diesen schon öfter mitgemacht, aber selbst die älteren Sulzthaler konnten mir nicht erklären, welchen Grund dieser Brauch hat. Vielleicht kommt es daher, dass die Bürgermeister, die ja sonst keinerlei Entlohnung bekamen, eine Tanne für ihre Arbeit erhielten. Aber das ist reine Vermutung."

Der Brauch wird jedenfalls weitergeführt. "Jetzt müssen wir nur noch schauen, dass alles unfallfrei abläuft. Dann wird das für Sulzthal ein richtig schönes Fest. Außerdem möchte ich mich jetzt schon bei den unzähligen Helfern bedanken", erklärt Willi Diez. Er und sein Team können danach erst einmal durchschnaufen.

Die Tannen bleiben bis zum Faschingsdienstag stehen. Dann werden sie wieder gelegt. Aufräumen müssen die Amtsträger.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren