Hammelburg
Vereinsleben

TV/ DJK beschäftigt eine Fachkraft

Der Hammelburger Sportverein ist nicht nur der größte Verein im Landkreis. Als erster Einzelverein im Saaletal wagt er nun das Experiment und beschäftigt eine hauptamtliche Kraft.
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Gymnastikübungen gehören zu dem umfangreichen Angebot in Hammelburg. Foto: Archiv/ Alfred Ruppert
Gymnastikübungen gehören zu dem umfangreichen Angebot in Hammelburg. Foto: Archiv/ Alfred Ruppert
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Im großstädtischen Raum ist es nichts Ungewöhnliches, dass in Vereinen hauptamtliche Mitarbeiter die Ehrenamtlichen unterstützen. "Ich kenne das zum Beispiel aus dem Stuttgarter Gebiet", sagt Caroline Laux. Auf dem flachen Land kommt das allerdings selten vor. Mit Caroline Laux hat der Hammelburger TV/DJK jetzt aber zum ersten Mal in seiner Geschichte eine Mitarbeiterin angestellt. Seit Mai ist die 38-Jährige mit 20 Stunden in der Woche bei dem Verein teilzeitbeschäftigt.

"Für einen Verein unserer Größenordnung ist es eigentlich nichts Außergewöhnliches, für einen Verein in einer ländlichen Region jedoch schon", erklärt Michael Hannawacker, einer der drei gleichberechtigten Vorsitzenden des TV/DJK. Hannawacker weiß um die Bedeutung des Schrittes.

Laux ist zunächst für zwei Jahre angestellt. Hannawacker denkt aber bereits längerfristiger. Er führt "aktuelle Entwicklungen" an, das Stichwort demografischer Wandel fällt. So werde es für den Verein immer schwieriger, die zahlreichen Angebote mit Ehrenamtlichen am Leben zu halten. Die jungen Leute zögen früh aus der Heimat weg und fehlten als Nachwuchs für das Team der Übungsleiter. Aus Berufs- oder Altersgründen verliere der Verein zusätzlich Trainer.

Daher sieht Laux eine ihrer Aufgaben darin, die Ehrenamtlichen zu entlasten. "Ich kann Angebote übernehmen, die sonst ausfallen würden", erklärt sie. Die Gewinnung neuer Mitglieder bildet für sie den zweiten Schwerpunkt. Laux denkt an Kurse und Vorträge zu Gesundheit und Stressmanagement und an Angebote im Seniorensport. Für neue Zielgruppen will der Verein Kooperationen mit Ärzten oder Altenheimen schließen.

Laux, die im vergangenen Sommer von Stuttgart in ihre Geburtsstadt Würzburg gezogen ist, kann dabei auf ihre Ausbildung zurückgreifen: Die gelernte Bankkauffrau studierte von 2010 bis 2013 an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd Gesundheitsförderung. Mit dieser speziellen Qualifikation hält der Verein einen Trumpf in der Hand. Hannawacker erläutert: "Wir können zum Beispiel bei Krankenkassen, die Kurse bezuschussen, ganz anders auftreten. Manche Tür wird leichter aufgehen."

Darauf ist der Verein auch angewiesen, denn er bezahlt die Teilzeitkraft nach Angaben Hannawackers komplett aus eigenen Mitteln. Die hauptamtliche Stelle soll sich durch die neuen Angebote selbst finanzieren. Das Risiko für den TV/DJK sei dabei nicht so groß, dass der Verein in existenzielle Schwierigkeiten geraten könnte.

Allerdings spricht der Vorsitzende offen an, dass es unter den Mitgliedern skeptische Stimmen gab. "Nicht jeder Übungsleiter sieht die Entscheidung positiv." Doch die hauptamtliche Mitarbeiterin soll den Ehrenamtlichen keine Konkurrenz machen, wie Hannawacker betont. Man habe sich vorab bei anderen Vereinen - insbesondere beim DJK Würzburg - angeschaut, wie die Zusammenarbeit funktioniert.

Dem TV/DJK Hammelburg gehören etwa 2300 Mitglieder an. Die Zahl hat sich nach Angaben des Vorsitzenden über die vergangenen Jahre auf diesem Niveau stabilisiert. "Die Fluktuation innerhalb eines Jahres liegt aber bei ungefähr zehn Prozent." Nicht nur deswegen müsse man sich Gedanken machen.

Für Hannawacker geht die Entwicklung allgemein dahin, dass sich gerade größere Vereine professionalisieren müssen. Mehrere Vereine könnten zum Beispiel kooperieren, um gemeinsame eine hauptamtliche Stelle zu finanzieren. Dem TV/ DJK fällt im Landkreis eine Vorreiterrolle zu. Die Erfahrungen der kommenden Monate werden die anderen Vereine der Region sicher interessieren.

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