Hammelburg
Natur

Störche bleiben über den Winter

Die Jungtiere aus Hammelburg und Westheim sind erwartungsgemäß in Richtung Süden gezogen. Nur die beiden Elternpaare sind noch da. Es spricht alles dafür, dass sie zum ersten Mal im Saaletal überwintern werden.
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In den frühen Morgenstunden ist das Storchenpaar im Nest zu sehen. Foto: Storchencam/Christian Fenn
In den frühen Morgenstunden ist das Storchenpaar im Nest zu sehen. Foto: Storchencam/Christian Fenn
Eigentlich hat Jochen Willecke gedacht, dass die aufregenden Wochen nun vorbei sind. Die Storchenjungen sind zwischen Anfang und Mitte August in Richtung Süden abgeflogen. Zwei bis drei Wochen später sollten erwartungsgemäß die Elterntiere folgen. Doch die beiden Storchenpaare aus Hammelburg und Westheim hocken immer noch im Saaletal. So ist Willecke weiterhin gefragt.

"Es kommen wieder viele Anrufe", sagt der Vogelexperte vom Bund Naturschutz. Denn die Störche werden offenbar über den Winter im Saaletal bleiben, was für die Storchenfans eine völlig neue Situation ist. Vor allem stellt sich die Frage, was mit den Tieren dann passiert.

"Die Störche ziehen in diesem Jahr nicht mehr weg", ist Willecke überzeugt. Sie haben sozusagen ihren Abflug verpasst: In dem Zeitraum, in welchem die Vögel normalerweise starten sollten, gab es eine Phase mit schlechtem Wetter. Störche brauchen aber schönes Wetter. Sie sind Segler und sind auf Thermik angewiesen, erklärt Willecke.

Also mussten die Tiere zunächst am Boden bleiben. Während der Verweildauer habe sich ihr Zugtrieb dann immer mehr abgeschwächt. Willecke meint: "Hätten sich die Störche noch etwas von ihrem Zugtrieb bewahrt, wären sie am vergangenen Wochenende abgeflogen."

Der Experte weiß auch, dass es nicht die einzigen Paare sind, die über den Winter in Deutschland bleiben. So gebe es zum Beispiel im Allgäu und im Aischgrund auch welche.

Für Willecke gibt es erst einmal keinen Grund, sich Sorgen zu machen. Wenn der Winter mild wird, besteht für die Störche keine Gefahr. Die Vögel könnten Kälte aushalten, schließlich müssten sie selbst in Afrika Frostnächte ertragen, sagt Willecke. Nass-kaltes Wetter könnte aber problematisch werden. Vor allem aber würde eine mehrere Tage dauernde, geschlossene Schneedecke die Nahrungssuche für die Störche sehr erschweren. "Dann müssten wir uns überlegen, mit Hilfe einer Futterstelle die Tiere am Leben zu erhalten", sagt Willecke. Er sammelt schon Mäuse in der Gefriertruhe. Willecke hat sowieso immer einen Vorrat parat, da er verletzte Greifvögel bei sich aufnimmt.

Im Augenblick brauchen die Störche keine Unterstützung. "Alles ist normal", sagt der Vogelexperte. Es gebe genug Nahrung, das Mäusejahr sei gut gewesen.

Die Webcam von Christian Fenn läuft weiter. Er hat bereits angekündigt, die Kamera über den Winter nicht abzuschalten. So können die Storchenfans das Hammelburger Paar weiter beobachten.

Viele Besucher

In diesem Jahr hat Fenn bereits 317 000 Besucher auf seiner Internetseite gezählt. Er hat auch mehrere Mails von Gästen bekommen, die extra wegen der Störchen in Hammelburg Urlaub machten oder auf ihrem Weg in den Urlaub in Hammelburg hielten, schreibt Fenn.

Im Nest auf dem Mönchsturm verharrt das Hammelburger Storchenpaar allerdings nur in den frühen Morgenstunden oder am Abend, wenn es schon dunkel ist. Die meiste Zeit des Tages suchen die Vögel in den Saalewiesen nach Futter.

Daher bittet Willecke alle Hundebesitzer eindringlich, ihre Tiere an die Leine zu nehmen und nicht frei an der Saale laufen zu lassen. "Die Störche sollen möglichst ungestört bleiben, damit sie nicht unnötig Energie verbrauchen", sagt Willecke. Er wird nun beobachten, was weiter passiert. Auch für ihn sind Winterstörche eine ganz neue Erfahrung.
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