Hammelburg
Denkmal

Steinthaler Votivbild ist vom Schleier befreit

Diplom-Restaurator Reinhold Müller aus Langendorf hat ein 300 Jahre altes Werk aus der Steinthalkapelle restauriert.
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Den letzten Firnis-Anstrich trägt Reinhold Müller im Beisein von Pfarrer Thomas Eschenbacher auf. Das Bild ist nun wieder konserviert. Foto: Barbara Oschmann
Den letzten Firnis-Anstrich trägt Reinhold Müller im Beisein von Pfarrer Thomas Eschenbacher auf. Das Bild ist nun wieder konserviert. Foto: Barbara Oschmann
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Kurz vor Ostern war es plötzlich nicht mehr an seinem Platz im rechten Seitenaltar der Steinthalkapelle: Das 300 Jahre alte Votivbild, auf das die Wallfahrt ins Steinthal zurückgeht. Das lag an einer spontanen Idee und an der spontanen Bereitschaft, diese Idee umzusetzen.
In der Faschingswoche hatten sich Pfarrer Thomas Eschenbacher, Küster Michael Brendan und Pfarrgemeinderatsvorsitzende Barbara Oschmann in der Steinthalkapelle getroffen, um das Jubiläum "300 Jahre Wallfahrt ins Steinthal" vorzubereiten. Als sie das Votivbild betrachteten, fiel ihnen der beklagenswerte Zustand auf. Die dargestellte Szene war nur mehr schemenhaft zu erkennen, als läge ein Schleier auf dem Gemälde. Deshalb überlegten sie, ob es möglich und finanzierbar sei, das Bild restaurieren zu lassen.


Längere Zeit im Freien

So kam es wenig später zu einem weiteren Ortstermin, diesmal mit Diplom-Restaurator Reinhold Müller aus Langendorf. Er hatte einiges Handwerkszeug mitgebracht, um zunächst an einer kleinen Ecke zu testen, was sich machen ließe. Das Ergebnis überzeugte die Anwesenden, die ziemlich gespannt waren, sofort. Und Reinhold Müller erklärte sich bereit, das Bild in seine Obhut zu nehmen.
Das Bildnis ist auf eine fünf Zentimeter dicke, abgelagerte Eichenbohle gemalt, die sich nicht so stark verformt und dem Wetter einigermaßen standhält. Auch waren offenbar hochwertige, lichtechte Farbmaterialien verwendet worden. Dass es längere Zeit im Freien gestanden haben muss und der Witterung ausgesetzt war, zeigte sich dem Restaurator bei der Arbeit. Im unteren Bereich war es stark abgewittert.
Vor wenigen Tagen nun lud Müller, der auch gelernter Kirchenmaler und Vergolder ist, Pfarrer Thomas Eschenbacher in seine Werkstatt ein. Was der Pfarrer dort sah, begeisterte ihn: In unzähligen Arbeitsstunden hatte der Fachmann das Bild gründlich gereinigt. Er hatte den alten, brüchigen und vergilbten Firnisüberzug vollständig entfernt. Fehlstellen hatte er retuschiert und ergänzt.
"Ich hatte Bedenken, ob ich richtig liege mit meiner Vorgehensweise", sagt Reinhold Müller. So stieß er auf einige spätere Übermalungen, die er mit entfernen musste. Sein Ziel war es, einerseits den Altertums- und Dokumentationswert des Bildes zu erhalten. Aber vor allem auch, dem "hohen spirituellen Wert" und der ursprünglichen Ästhetik gerecht zu werden.
"Es war eine schwierige Aufgabe, aber es hat mich auch gereizt", sagt er, und: "Das Bild hat mich schon ein bisschen beschäftigt." Aber nun ist er froh, die Aufgabe rechtzeitig zu Ende gebracht zu haben. Als Expertin hat auch die Kunsthistorikerin, Dr. Astrid Hedrich-Scherpf, einen Blick darauf geworfen und bestätigt die gute Arbeit des Restaurators.
Jetzt ist das Geschehen wieder deutlich erkennbar: Der Mühlenpächter Johannes Keck reitet auf seinem Schimmel durch das Steinthal, Blut strömt ihm aus dem Mund. Erschrocken blickt sein Knecht sich nach ihm um. Und auch ein entgegenkommender Wandersmann hebt erschrocken wie zur Abwehr die Hand.
Als Retterin in der Not ist Maria mit dem Jesuskind dargestellt. Keck hatte sie in dieser lebensbedrohlichen Situation um Hilfe angefleht. Weil er wieder gesund wurde, stellte er das Votivbild im Jahr 1716 im Steinthal auf. Die Schriftbanderole am unteren Ende bestätigt dies. Unterschrieben ist es mit "J.K. anno 1716".
"Diese Maßnahme müssen wir wohl mit Spenden finanzieren", sagt Pfarrer Thomas Eschenbacher und vertraut darauf, dass der Bevölkerung das Steinthal am Herzen liegt. Die Kosten belaufen sich aber nur auf einen Bruchteil der tatsächlich geleisteten Arbeit, den Rest spendet der Restaurator.
Den letzten Firnisauftrag machte Reinhold Müller im Beisein von Pfarrer und Pfarrgemeinderatsvorsitzender - eine echte "Vernissage" also. Nun ist das Bild wieder für künftige Generationen konserviert. Und das Jubiläum "300 Jahre Wallfahrt ins Steinthal" kann kommen.

Seit 300 Jahren wallen die Gläubigen ins Steinthal


Schon kurz nach dem Auftakt zum Hammelburger Stadtjubiläum steht schon wieder das nächste Jubiläum bevor: Am Sonntag, 8. Mai, feiert die Pfarrei "300 Jahre Wallfahrt ins Steinthal".
Die Pfarreiengemeinschaft Sieben Sterne im Hammelburger Land organisiert dafür eine Stern(e)wallfahrt mit dem Titel: "Auf den Spuren des Müllers". Treffpunkt ist um 14.30 Uhr auf dem Platz vor der Herrenmühle. Über mehrere Stationen mit geschichtlichen Hintergründen und Gebet geht es zur Steinthalkapelle. Dort erwartet die Wallfahrer um 16 Uhr zur Maiandacht der ehemalige Hammelburger Pfarrer Josef Treutlein als Festprediger. Die musikalische Gestaltung übernimmt die Stadtkapelle, die auch anschließend zur Bewirtung aufspielt.


Klares Bekenntnis zum Glauben

1716 stellte der damalige Pächter der Herrenmühle, Johannes Keck, im Steinthal einen Bildstock auf - aus Dankbarkeit für seine Genesung. Durch das Steinthal verlief damals der Hauptverbindungsweg zwischen Fulda und Würzburg. Der Müller war wohl geschäftlich mit seinem Knecht unterwegs, als er plötzlich einen lebensgefährlichen Blutsturz erlitt. In seiner Not flehte Johannes Keck die Muttergottes an und versprach, eine Kapelle zu errichten, wenn er gesund würde. Wieder genesen ließ er zunächst ein Votivbild anfertigen, auf dem der Moment des Blutsturzes dargestellt ist. Mit dem Bau der Kapelle wurde erst im Jahr 1739 begonnen, 1742 konnte sie eingeweiht werden.
"Jubiläum feiern heißt nicht, nur nach hinten zu schauen", sagt Pfarrer Thomas Eschenbacher. Johannes Keck habe mit Bild und Kapelle ein Glaubenszeugnis abgelegt. Gläubige sollten sich auch heute fragen: "Wie bringen wir uns ein?"
Die Pfarrgemeinde hat im Jubiläumsjahr neben den Gottesdiensten weitere Veranstaltungen im Steinthal organisiert. Bereits am Sonntag, 1. Mai, findet ab 16 Uhr die erste Maiandacht statt, ebenso an allen Sonntagen im Mai und an Christi Himmelfahrt, 5. Mai. Go(o)d Time, den Gottesdienst von und für junge Menschen gibt es am Donnerstag, 12.Mai, Beginn: 19 Uhr.
Für alle Ehepaare, die im Steinthal geheiratet haben, findet ein Abend am Samstag, 9. Juli, statt. Um 19 Uhr ist zunächst ein Dankgottesdienst, anschließend Beisammensein rund ums Lagerfeuer. Dafür sammelt die Pfarrgemeinde Hochzeitsfotos, die im Pfarrbüro abgegeben werden können.
Eine Wallfahrt der Kindergärten gibt es am Freitag, 15.Juli. Das Patrozinium der Steinthalkapelle wird am Donnerstag, 8. September, gefeiert.


Bocksbeutel und Kerze

Als Erinnerung und Spendenbeitrag für den Erhalt des Steinthals werden ein Jubiläumsbocksbeutel und eine Jubiläumskerze herausgebracht. Diese sind bei allen Veranstaltungen im Steinthal sowie im Pfarrbüro erhältlich. Weitere Infos unter www.kath-kirche-hammelburg.de und im neuen Pfarrbrief.



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