Hammelburg
Feuerwehr

Schweinepest in ätzendem Grün

Bei einer Großübung hatten die Mannschaften besondere Aufgaben zu erfüllen.
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Grüne Brühe - nach Ermittlung der Fachstellen Schweinepest-Erreger - läuft nach dem Unfall über den Wertstoffhof. Fotos: Winfried Ehling
Grüne Brühe - nach Ermittlung der Fachstellen Schweinepest-Erreger - läuft nach dem Unfall über den Wertstoffhof. Fotos: Winfried Ehling
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Das Szenario ähnelte einem Katastrophenfilm. Die Großübung "Ätzendes Hammelburg" - eine der seltenen dieser Art - unter Leitung der heimischen Feuerwehr forderte den geballten Einsatz einschlägiger Kräfte aus der gesamten Region und ließ an Realitätsnähe nichts missen.
Was war geschehen? Ein Pkw-Fahrer wollte kurz vor der Schließung des Wertstoffhofs eine Abfall-Lieferung einbringen und fuhr mit überhöhter Geschwindigkeit in das Gelände "An der Ziegelhütte" ein. Dabei rammte er einen Radlader, der Gefahrenstoffe transportierte.
Die Gabel des Förderfahrzeugs bohrte sich in die Frontscheibe des Autos. Die ungesicherte Ladung kippte um und verteilte sich über den Wertstoffhof. Die beiden Pkw-Insassen sind im Fahrzeug eingeklemmt, der Transporteur bleibt verletzt im Gefahrenbereich liegen.


Bühnenreife Inszenierung

Die komplizierte Situation - bühnenreif inszeniert von der Gruppe Notfall-Darstellung - bedurfte neben dem Einsatz der Wehren aus Hammelburg, Diebach und Untereschenbach spezieller Kräfte, des Dekontamination-Teams aus Maßbach, der ABC-Erkunder aus Weichtungen, des Mess-Satzes Bayern aus Schondra und einer Unterstützungsgruppe der örtlichen Einsatzleitung aus Oerlenbach.
Besondere Bedeutung kam dem Rettungsdienst zu, der mit rund 50 Helfern und Ärzten und vier Rettungswagen aus den Landkreisen Bad Kissingen, Bad Neustadt und Haßfurt präsent war. Der Schnellen Einsatz-Gruppe (SEG) des Bayerischen Roten Kreuz (BRK) aus mehreren Gemeinden des Landkreises oblagen die flankierende Unterstützung und der Transport.


Interessierte Behörden und Ämter

Dass dieses Kontingent möglichst rasch zusammenkam ist Verdienst der Integrierten Leitstelle Schweinfurt (ILS). Natürlich weckte die Übung das Interesse der Behörden und Ämter. Neben Kreisbrandrat Benno Metz beobachteten Repräsentanten des Landkreises, des Technischen Hilfswerks (THW), des Wasserwirtschaftsamts und des Abwasserzweckverbands Thulba-Saale (AZV) das Szenario. Auch Vize-Bürgermeister Reimar Glückler und der Leiter der Polizeiinspektion Hammelburg, Alfons Hausmann, zogen ihre Schlüsse aus der Situation.
Der ungewöhnlich hohe Aufwand der Übung - die übrigens den meisten Akteuren nicht bekannt war - konnte nur durch lange, präzise Planung von Übungsleiter Johannes Fella, des Kommandanten der Hammelburger und Einsatzleiters, Michael Ohmert sowie einiger Eingeweihter zustande kommen. "Die Planung lief über fünf Monate und wurde mit Kreisfeuerwehrführung und dem Roten Kreuz vorbereitet", informierte Fella.


Gezielt und schnell handeln

Der junge Hammelburger, der maßgeblich an der fachtechnischen Ausführung mitarbeitete, hielt es "für an der Zeit, einen solchen Einsatz einmal zu trainieren" und argumentiert: "Wir werden häufig zu Verkehrsunfällen und Technischen Hilfeleistungen auf der Autobahn gerufen, bei denen solche Situationen entstehen können. Hier ist gezieltes Handeln und die schnelle Organisation erforderlicher Kräfte gefragt."
Wie Kreisbrandmeister Oliver Lukaschewitsch bestätigte "sind zwar solche Situationen die Ausnahme, doch sie treten immer wieder auf. Dafür müssen wir gewappnet sein". Fella gibt ihm recht. "Ich war in einer ABC-Einheit der Bundeswehr in Sonthofen, kenne solche Fälle und habe sie oft trainiert", begründet er seine Ansicht mit Lob für die gute Zusammenarbeit der verschiedenen Einsatzkräfte. "Alle haben ihr Bestes gegeben", sagt er. Lob gab es auch für ihn. Behördenvertreter, die Feuerwehrführung und Dienstgrade sowie die Leiter der Spezialabteilungen und des BRK zollten dem jungen Feuerwehrstrategen Anerkennung: "Das hast du klasse gemacht."

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