Hammelburg
Produktion

Runderneuert für die Umwelt

Bei der Firma Reifen-Müller werden aus alten Reifen wieder neue für Lastwagen. Doch ein geplanter Wegfall von EU-Subventionen macht dem Inhaber Sorgen.
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Uwe Müller (rechts) erklärt die Arbeitsschritte Thomas Bold, Sandro Kirchner, Armin Warmuth und Gerhard Eck (von links). Foto: Gerd Schaar
Uwe Müller (rechts) erklärt die Arbeitsschritte Thomas Bold, Sandro Kirchner, Armin Warmuth und Gerhard Eck (von links). Foto: Gerd Schaar
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Wenn durch Recycling Ressourcen gespart werden und die Umwelt geschont wird, wenn heimische Arbeitsplätze erhalten bleiben und kurze Wege zum Verbraucher bestehen - dann ist das doch eine gute Nachricht. Runderneuerte Lkw-Reifen werden trotz günstigerer Preise für die Spediteure aber immer weniger nachgefragt. Denn nur für neue Reifen soll es in Zukunft die begehrten EU-Subventionen geben. Das wäre langfristig schlecht für den Betrieb Reifen-Müller in Westheim.


Informationsrundgang

Diese Meldung erreichte MdL Gerhard Eck (CSU), Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium des Innern, der zuständig für die Bereiche Bau und Verkehr ist. Inhaber und Geschäftsführer Uwe Müller führte zudem MdL Sandro Kirchner (CSU), Landrat Thomas Bold (CSU) und Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) durch seinen Betrieb. Mit rund 50 Mitarbeitern werden seit 2001 auf 3500 Quadratmetern runderneuerte Lkw-Reifen produziert. Im Jahr 2007 gab es ein Erweiterungsgebäude.
Es ist für den Außenstehenden recht beeindruckend, wie aus einem abgefahrenen Reifen nach und nach ein vollwertiger Runderneuerter wird. Das alte Restprofil wird total abgeschliffen. Danach erfolgt der Wiederaufbau des Reifens in verschiedenen Stationen. Zum Schluss kommt der Reifen in den Dampfofen, wo sich die Materialien bei 160 Grad dauerhaft verbinden. Müller bestätigte: "So eine Karkasse eines Altreifens kann bis zu dreimal verwendet werden."
Im Jahr 2015 wurden bei Müller in Westheim 76 000 Lkw-Reifen runderneuert. Geschäftsführer Hans-Jürgen Drechsler vom Vorstand der Pneu-Service eG konnte folgende Werte bestätigen: Die Einsparung von Erdöl war 2015 bei Müller 4,3 Millionen Liter gegenüber Neureifen. Weiterhin seien in diesem Jahr 4800 Tonnen Rohstoff eingespart worden. Dabei seien zugleich auch 5092 Tonnen CO2 -Emission reduziert worden.
Dieser positive Effekt der Einsparungen von Ressourcen und der Umweltbelastungen drohe laut Drechsler zu verpuffen, wenn die runderneuerten Reifen zukünftig von der EU-Subvention ausgeschlossen würden. Auch die Hersteller von Neureifen werden es nach Drechslers Prognose ebenfalls schwerer haben, müssen sie doch gegen die Dumpingpreise aus China, Indien oder Südamerika antreten. Anti-Dumping-Zölle gebe es nicht. "Die Deadline war für den Reifenhandel der Jahreswechsel 2015 auf 2016", erklärte Drechsler. Eine Zwischenlösung sei heuer für die Runderneuerungsreifen für die so genannten Lenkachsen verhandelt worden. "Wir brauchen den Rückenwind der breiten Masse", sagte Drechsler.
Kirchner wies auf den zusätzlichen Aufwand der Entsorgung von abgefahrenen Neureifen hin, wenn diese nicht mehr runderneuert würden.
Kunden von Reifen-Müller seien hauptsächlich Spediteure und Omnibusbetriebe, so Drechsler. Die rund 60 bundesweiten Hersteller der Runderneuerten seien alle in der Größenordnung von Mittelstandsbetrieben. "Reifen-Müller gehört da zu den größeren Betrieben", bestätigte Drechsler.


Sorge um Arbeitsplätze

Eck erklärte: "Die zukünftige Reifen-Kennzeichnungs-Verordnung wird frühestens im kommenden März bei der EU in Angriff genommen. Erfahrungsgemäß dauert es etwa eineinhalb Jahre bis zum Ergebnis". Dann sei es schon Herbst 2018. Eck versprach: "Ich werde die positiven Argumente aus dem Betrieb Reifen-Müller in meine Bemühungen einfließen lassen." Ziel sei die Gleichstellung der EU-Förderung von Runderneuerten und Neureifen, egal ob die Reifen auf der Antriebsachse, Lenkachse oder auf einer nachlaufenden Achse eines Lkw montiert sind. Müller hofft, dass langfristig die Arbeitsplätze erhalten bleiben. Das wünschte auch Bürgermeister Warmuth.
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