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Langendorf
Wald

Rückepferd hilft im Naturschutzgebiet zwischen Langendorf und Machtilshausen

Die Lebensräume für seltene Tiere- und Pflanzenarten wie Zauneidechse und Küchenschelle verengen sich immer mehr. Dem wirkt das Umweltprojekt "MainMuschelkalk" mit Baumfällungen entgegen.
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Pferd Igor zieht einen Kiefernstamm den Hang hinunter. Foto: Arkadius Guzy
Pferd Igor zieht einen Kiefernstamm den Hang hinunter. Foto: Arkadius Guzy
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Das Gelände ist steil und unwegsam, doch Igor zeiht stoisch einen Stamm nach dem anderen aus dem Wald heraus. Ohne Igors Einsatz hätten seltene Tier- und Pflanzenarten im Naturschutzgebiet Kreuzberg südlich von Mach tilshausen keine Chance.

"Wir haben ein Luxusproblem", sagt Ulrike Faust. Früher wurden die Wälder stärker genutzt: Die Dorfbewohner holten allerlei Holz als Brennmaterial und Laub als Einstreu heraus. Und an den Waldrändern weideten Tiere. So entstanden sanfte, lichte Übergänge zwischen Offenland und Wald. Sie boten Pflanzen wie der Küchenschelle oder Tieren wie der Heidelerche einen Lebensraum.

Doch seit diese vielfältige Nutzung unrentabel wurde, verbuschen die Waldsäume und wachsen wieder zu. Der spezielle Lebensraum geht verloren und mit ihm die Tiere und Pflanzen.

Um dem entgegenzuwirken, sind heutzutage Pflegemaßnahmen notwendig. Auf einer Hangfläche des Kreuzbergs wurden vor einigen Tagen etwa 20 Kiefern gefällt, deren Stämme Igor nun einzeln aus dem Wald transportiert. Dank der Auslichtung können Sonnenstrahlen den Boden ungehindert erreichen und Wärme liebenden Arten dadurch zu einem neuen Siedlungsbereich verhelfen.

Außerdem werde eine Verbindung zu anderen solchen Standorten geschaffen, erklärt Faust vom gleichnamigen Landschaftsarchitekten-Büro aus Karlstadt. Das Büro hat für das Naturprojekt "MainMuschelkalk" das Management übernommen. Ziel ist es, die Mager- und Trockenstandorte im Saaletal und in der Maingegend zu erhalten.
So fanden auch am Haarberg in Euerdorf und im Umfeld der Trimburg Auslichtungsaktionen statt. Am Kreuzberg, wo das Gelände schwer zugänglich ist, kommt nach der Baumfällung als Besonderheit Igor zum Einsatz.

Das Rückepferd gehört zur SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth. Es unterstützt die dortige Waldgruppe bei der Arbeit im Forst. "Igor ist ein Ardenner und kein Haflinger, wie viele gleich meinen", erklärt Wolfgang Küber den Grundschülern der Langendorfer Schule. Die rund 90 Kinder sind mit ihren Lehrern in das Naturschutzgebiet gewandert, um den heute seltenen Einsatz eines Rückepferdes mitzuerleben.

Der fünfjährige, etwa 750 Kilogramm schwere Hengst könne über kurze Strecken sein Eigengewicht ziehen - im Gegensatz zu Maschinen ohne den Waldboden dabei zu beschädigen. Ruhig geht Igor seiner Aufgabe nach. Die fordert von den Arbeitern der Waldgruppe ebenfalls Kraft, denn sie müssen den steilen Anstieg des alten Wanderwegs jedes Mal mit hinab- und wieder hinaufsteigen. Die Mühe lohnt sich aber. In einem Jahr wird die Fläche eine ganz neue Naturvielfalt bieten.




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