Euerdorf
1300-Jahr-Feier

Ritter, Gaukler und Rockmusik

Euerdorf stellte ein Programm auf die Beine, das seinesgleichen sucht. Neben mittelalterlichem Markttreiben gab es auch moderne Musik und Kabarett.
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Ein historischer Umzug zog über die Brücke in Euerdorf. Foto: Doris Bauer
Ein historischer Umzug zog über die Brücke in Euerdorf. Foto: Doris Bauer
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Einen solchen Ansturm an Besuchern hatte die Marktgemeinde noch nicht erleben dürfen wie zu diesem langen Festwochenende, dem Höhepunkt der Feierlichkeiten zur 1300-Jahr-Feier. Während am Samstag ein paar weniger Besucher wegen des Regenwetters kamen, waren es am Sonntag umso mehr. Mittelalterliches Treiben im Ortskern und auf den Saale-Wiesen sowie bekannte Bands und der Komiker Kaya Yanar erwiesen sich als Besucher-Magnet und hinterließen zahlreiche positive Eindrücke einer sympathischen und offenen Marktgemeinde.
Das Leben um die Gründungszeit der geschichtsträchtigen Gemeinde an der Saale ließ die Marktgemeinde mit einem mittelalterlichen Treiben vom Marktplatz bis zum Torhaus zur alten Saalebrücke und auf den Saale-Wiesen wieder aufleben. Zahlreiche Gruppen, wie beispielsweise die "Trimburger Ritterschaft" oder der "Historische Mittelalterverein Bad Kissingen" und viele mehr, gewährten einen Einblick in das Leben der damaligen Zeit.
Über den Saale-Wiesen hing der Feuerrauch aus den zahlreichen Lagern von Rittern, Edelmännern und -damen, Waffenknechten, Mägden und Grafen, die sich bei ihren Tätigkeiten, wie beispielsweise der Essenzubereitung oder beim Exerzieren über die Schulter schauen ließen. Verschiedenes mittelalterliches Handwerk, wie Schuster, Münzpräger oder Schmied, wurde gezeigt. Es gab Schwertkämpfe, Feuer-Shows, orientalische und mittelalterliche Tanzdarbietungen, Falkner, Gaukler und Zauberer. Die jüngsten Besucher durften sich über Kamel- und Pony-Reiten freuen, konnten Schilder und Schwerter ausprobieren. Auch ein handbetriebenes Karussell wurde zur Freude der Kinder betätigt. In Tavernen wurden stilgemäß Beerenweine, Honigbier oder Fleischspieße und vieles mehr serviert. Das Fest wurde von Bürgermeisterin Patricia Schießer, ebenfalls im historischen Gewand, eröffnet.
Besucher wie Schausteller waren gleichermaßen angetan: "Es ist einzigartig, was es hier alles zu sehen gibt", freute sich Familie Scheit aus Garitz, die am Samstag zu Gast war. "Wir werden morgen wieder kommen." Familie Kupferschläger aus Schlüchtern, die das Kinderkarussell betrieb, war vom einzigartigen Ambiente mit den vielen historischen Gebäuden ganz angetan: "Ein außergewöhnlicher schöner Ort und ein einzigartiges Fest." Das handgetriebene Karussell, das aus Teilen landwirtschaftlicher Geräte zusammengebaut wurde, ist mittlerweile patentiert und wurde von Kindern gerne in Anspruch genommen.
Jörg, Münzpräger aus Rottendorf, ist seit vielen Jahren hobbymäßig auf mittelalterlichen Spektakeln unterwegs. Seine Münzprägemaschine hat er selbst konstruiert und bietet damit seinen Besuchern historische Motive aus Würzburg als bleibende Erinnerung an diesen Besuch. "Es ist der Reiz der Einfachheit, wie man leben könnte", beantwortet er die Frage, warum er das mittelalterliche Leben mag. "Alle, die hier ihr Lager aufgeschlagen haben, sind wie eine große Familie."


Bands und Kabarett

Aber Euerdorf kann auch modern. Am Freitagabend wurde mit "Barbed Wire" im gut besuchten Festzelt gerockt. Am Samstagabend präsentierten sich die "Troglauer Buam". Zum EM-Viertelfinale pausierte die Band für ein Public Viewing. Der Sonntag begann am Morgen mit einem ökumenischen Festgottesdienst (siehe Bericht unten). Mit einer Kirchenparade, an der sich auch die Vereine aus Euerdorf und Wirmsthal sowie der Kindergarten beteiligten und von den Euerdorfer Musikanten begleitet wurde, ging es dann ins Festzelt.
Am Abend sorgte der Komiker Kaya Yanar für ausgelassene Stimmung im Festzelt, bei der kein Auge trocken blieb (Bericht folgt). Mit einem Festgottesdienst im Festzelt wurde der Dekanats-Seniorennachmittag am Montag begangen. Dort gab es auch verschiedene Tanzaufführungen bei Kaffee und Kuchen. Die Egerländer Blasmusik spielte später auf.


400 Helfer im Einsatz

Rund 400 Helfer waren an den vier Festtagen im Einsatz. "Eine starke Leistung und eine super Beteiligung seitens der Einwohner", freute sich Heribert Schießer, Vorsitzender des Festausschusses. Seit fast zwei Jahren wurde das historische Jubiläum geplant und organisiert. Ein Fest dieser Größenklasse fand mit dem Jubiläums-Wochenende erstmalig in der Marktgemeinde statt, was Bevölkerung, Festausschuss und Gemeinde gemeinsam mit Bravour meisterten, waren doch zahlreiche logistische Herausforderungen, wie eine geänderte Verkehrsführung, Schaffung von Parkraum oder zahlreiche sicherheitsrelevante Maßnahmen, notwendig. Auch eine Wetterabhängigkeit wurde mit einem festen Boden des Festzeltes auf der Saale-Wiese vermieden. "Es war eine großartige Leistung. Mein Dank gilt allen Helfern und der gesamten Ortsbevölkerung, die gemeinsam dieses Fest stemmten. Es lief einfach prächtig", freute sich Heribert Schießer.


Das Dorf hält zusammen und hat viel geleistet

Viele Gäste aus Kirche und Politik, darunter viele Bürgermeister der benachbarten Gemeinden und ehemalige Bürgermeister der Marktgemeinde, hatten sich zum ökumenischen Festgottesdienst eingefunden, den Pfarrer Pater Sony Kochumalayil und Pfarrer Philipp Klein zelebrierten.
"Es ist ein schöner Brauch, das Fest neben den vielen Feierlichkeiten auch mit einem Gottesdienst zu begehen", freute sich MdB Dorothee Bär (CSU), Schirmherrin der Veranstaltung, die auf dieses Amt "sehr stolz" ist und wichtig findet, "dass man keine Angst vor anderen Religionen haben muss, sondern vielmehr den Mut hat, zur eigenen Religion zu stehen".
MdL Sandro Kirchner würdigte die Marktgemeinde als eine "Perle in unserer Heimat" und zollte ob der herausragenden Leistungen, wie sich diese entwickelt hat, seinen Respekt.
"Ihr alle habt bewiesen, dass Euerdorf dies zu leisten und gestalten vermag. Ich bin stolz, eure Bürgermeisterin zu sein!", sagt Bürgermeisterin Patricia Schießer. Im Jubiläum sieht sie zum einen die Aufgabe, das Erbe zu würdigen und zu erhalten und zum anderen auch die Aufgabe, die Marktgemeinde für die Zukunft als eine Heimat aufzustellen, in der die Menschen glücklich sein können. Patricia Schießer ließ herausragende Punkte aus der 1300-jährigen Geschichte der Gemeinde an der Saale Revue passieren.
"Es ist wichtig, sich der Geschichte bewusst zu sein. Und Geschichte ist oft geprägt von handelnden Personen", spannte Patricia Schießer einen Bogen zum Festausschuss, dem sie außerordentlich dankte. Der Festausschuss besteht aus dem Vorsitzenden Heribert Schießer, dem Zweiten Bürgermeister Klaus Kaufmann, Sabrina Kaiser, Irene Nüßlein, Silvio Heinig, Elmar Keß, Reinhold Zirwick, Gisela Leber und Bernhard Herterich. Für die Bürgermeisterin war es besonders erwähnenswert, dass auch der Ortsteil Wirmsthal die Festivitäten herausragend unterstützte. Sie dankte, wie auch Klaus Kaufmann, allen Bürgern für die einzigartige Unterstützung zu diesem Fest. "Es ist einfach schön, einen solch großen Rückhalt zu spüren."

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