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Oberthulba
Jungunternehmer

Reparieren statt wegschmeißen

Der Reparaturservice für Smartphones von Kai Achilles und Michael Halbig aus Oberthulba schlägt voll ein. Ihre Kunden kommen mittlerweile sogar aus dem Ausland.
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Michael Halbig und Kai Achilles (von links) haben mit der Smartphone-Reparatur eine Marktlücke entdeckt.  Foto: Wolfgang Dünnebier
Michael Halbig und Kai Achilles (von links) haben mit der Smartphone-Reparatur eine Marktlücke entdeckt. Foto: Wolfgang Dünnebier
"Wir haben hier schon Männer und Frauen weinen sehen", sagt Kai Achilles hinter der Ladentheke. Auslöser für große Gefühle in der Hammelburger Straße sind kleine Geräte. Ein kaputtes Smartphone kann den Seelenfrieden seines Besitzers ganz schön stören. Das bekommen der 25-Jährige und sein Geschäftspartner Michael Halbig (34) hautnah zu spüren.
Beide haben sich auf die Reparatur und den Verkauf filigraner Elektronik spezialisiert. Die Experten wissen meistens Rat: In fast allen Fällen könnten zur Reparatur anvertraute Smartphones samt Daten gerettet werden. Auch wenn I-Phone & Co. reichlich Sprünge haben: "Meistens ist die Reparatur billiger, als man denkt", versichert Achilles. Zu schnell werde ans Wegwerfen gedacht.
Der Reparaturbedarf quer durch die Republik scheint immens. Täglich bringt der Postbote handliche Pappschachteln mit ramponierten Geräten. Bis zu 20 können das werden. "Vor 20 Uhr kommen wir hier nicht raus", sagt Achilles. Nicht selten werde es Mitternacht.

Zunächst nur im Internet

Inzwischen arbeitet das Duo mit Elektronikketten aus der Region, Einzelhändlern aus ganz Deutschland und Europa und einer Versicherung zusammen. Für diese rühren sie auch die Werbetrommel.
Unter dem Titel "kaufe-es.de" waren die Jungunternehmer zunächst nur im Internet vertreten. Weil es immer wieder Anfragen aus der Nähe gab, eröffneten die beiden den Laden im ehemaligen Schlecker. "Wir sind überrascht, wie gut das läuft", sagten sie. Immer wieder muss einer der beiden seine Arbeit in der Werkstatt unterbrechen, weil vorne jemand im Laden steht.
Angefangen hatte alles aus einer Bierlaune heraus. "Mein Smartphone war runtergefallen", sagt Achilles. Ein eigener Reparaturversuch war von Erfolg gekrönt. Schon war die Idee geboren, das gewerblich zu machen. Heute rät Achilles von solchen Selbstversuchen ab. Für die filigrane Technik braucht man Uhrmacherhände und für jedes Handymodell Spezialwerkzeug. Richtig teuer werde es, wenn die Technik nach vergeblicher Fummelei Stück für Stück in Plastiktütchen zur professionellen Reparatur gebracht wird.
Ehe sich Achilles und Halbig an das Innenleben eines Handys trauen, nehmen sie an zweitägigen Werksschulungen teil. 800 bis 1000 Euro seien zu investieren, bis sie bei einem neuen Gerät auf dem Laufenden sind. "Einer von uns ist immer unterwegs", sagt Achilles. Zumal sie alle Firmen abklappern, die ihnen kaputte Handys schicken. Persönliche Kontakte seien wichtig.
Den Reparateuren sind keine Dramen fremd. Renner unter dem Schadensursachen ist der Displaybruch. Die Ursachen sind vielfältig. Vom Hundebiss, über einen wütenden Partner, der ein Gerät an die Wand knallt bis zum Überrollen durch Autoreifen. Zwischen 50 und 200 Euro kostet ein neues Display, je nach weiteren Schäden. Reinen Glastausch empfiehlt Achilles nicht. So eine provisorische Reparatur halte nicht lange.
Auf der Liste der Schadensursachen weit oben stehen auch eingedrungene Flüssigkeiten. Ob Salattunke, Asbach-Cola oder Fäkalien. "Es gibt nichts, was es nicht gibt", sagt der Fachmann. Sein Rat: Je schneller das Smartphone in Händen eines Fachmannes ist, umso eher kann es vor zerstörerischer Korrosion bewahrt werden. Die Erfolg versprechende Grundbehandlung erscheint mit knapp 30 Euro gar nicht so teuer. Wie sie funktioniert, verraten die Experten nicht. Teurer wird es erst, wenn Komponenten beschädigt sind.
Weil es so gut läuft, planen die Werkstattinhaber eine Expansion im Herbst um voraussichtlich drei Arbeitsplätze. Jeder mit einer 10 000 Euro teuren Ausstattung inklusive Spezialwerkzeug. Ein Mikroskop, durch das alle Schäden fotografiert werden, ist noch das Wenigste. Die Ausstattung wächst.
Zumal jede Generation eines Smartphones komplett anders aufgebaut ist als die vorherige. Dabei lohne es sich durchaus, auch mal an Bewährtem festzuhalten, findet Achilles. Ein weiterer Unternehmenszweig ist die Aufbereitung und der Verkauf gebrauchter Laptops.
Es mache bisweilen mehr Sinn, einen wenige Jahre alten, stabilen Business-Laptop zu kaufen als ein billiges Neugerät, bei dem an der Stabilität gespart wurde, findet Achilles. Auch der Umwelt zuliebe. Sie komme beim raschen technischen Wandel zu kurz. Geräte zu erhalten, auch das spornt die Jungunternehmer beim feinfühligen Schrauben und Löten an. Wolfgang Dünnebier

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