Hammelburg
Kultur

Premiere auf dem Hammelburger Viehmarkt

Das Saxophon-Orchester der Bayerischen Musikakademie brachte Leben auf den Platz, der seit seiner Neugestaltung nicht ganz so gut angenommen wird.
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Die Belebung des Viehmarkts beim Premierenkonzert ist unübersehbar. Möglicherweise werden die Musikveranstaltungen hier fortgesetzt.  Foto: Winfried Ehling
Die Belebung des Viehmarkts beim Premierenkonzert ist unübersehbar. Möglicherweise werden die Musikveranstaltungen hier fortgesetzt. Foto: Winfried Ehling
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Ein Open-Air-Konzert hat das Saxophon-Orchester der Bayerischen Musikakademie der Stadt zu ihrem Jubiläum geschenkt. Das außergewöhnliche Präsent fand auf dem neu gestalteten Viehmarkt statt und lockte mehrere hundert Zuhörer an, die hier einen angenehmen, musikalischen Sommerabend verbrachten.
Die Freude über diese Belebung stand Bürgermeister Armin Warmuth ins Gesicht geschrieben. Gilt der im Juni seiner Bestimmung übergebene Platz doch immer noch ein bisschen als "Stiefkind" bei den Einheimischen. Aber auch sie mussten einräumen, dass der Viehmarkt bei schönem Wetter als Veranstaltungsort durchaus akzeptabel ist.
Die gelungene Premiere - übrigens auch für das Blasorchester die erste in der Öffentlichkeit - die der Bürgermeister und der Künstlerische Leiter der Bayerischen Musikakademie, Kuno Holzheimer, im Vorfeld diskutierten, könnte die Initialzündung für weitere Konzerte sein.
"Es wäre unser beider Wunschvorstellung, jeden ersten Donnerstag im Monat auf dem Viehmarkt ein Konzert zu veranstalten, um den Platz beleben zu können", räumt Warmuth ein.
Wieso? Wurde der Viehmarkt durch die Sanierung zum "toten Areal"? "Nein, nein", wehrt der Bürgermeister schnell ab, "es ist nicht so, dass hier gar nichts los wäre. Aber etwas mehr Leben könnte der Platz schon vertragen. Vielleicht hätte dies ja auch positive Auswirkungen auf das unmittelbare Umfeld - zum Beispiel in Kombination mit der Gastronomie", dachte der Rathauschef laut und mit Blick auf die "Wirtschaft am Viehmarkt", nach, die - trotz Betriebsferien - die Bewirtschaftung im Freien übernommen hatte.


Zum Teil weite Anreise

"In the mood", so der Konzert-Titel des Events, begann mit einem "Happy Birthday" für Hammelburg und folgte danach dem Leitfaden, der so viel bedeutet wie sich wohlfühlen, relaxen, entspannt zuhören, mitklatschen. Zwischen Titeln wie dem bluesigen "Feeling good" oder "It's raining men" der Weather-Girls, flossen Jazz- und Blues-Improvisationen und natürlich Glenn Millers Komposition "In the mood" ein. Dazwischen stellte Dirigent Holzheimer seine Musiker vor.
Das von ihm vor gut zwei Jahren gegründete Saxophon-Blasorchester verfügt aktuell über 30 Mitglieder und trifft sich einmal im Monat zur Probe in der Akademie, wofür die Akteure auch längere Anreisewege in Kauf nehmen. Senior im Ensemble ist der Hammelburger 71-jährige Toni Röder. "Die Schwierigkeiten sind jedoch nicht die Wege, oder die seltenen Proben, sondern die Stücke, die ich alle für das Sax-Orchester umschreiben muss, denn dafür gibt es keine Noten", berichtet Holzheimer. Eine Arbeit, um die der Akademieleiter wahrlich nicht zu beneiden ist.
Das verdient hohe Anerkennung, zeigte aber auch, dass sich nicht alles für ein Saxophon-Orchester eignet. Pop- und Rockfans, die die Originalmelodien noch im Kopf (und im Ohr) haben, fehlte etwas. "Gimme some loving", von der Spencer Davies Group mit Steve Winwood, einst zum Top-Hit gekürt, oder dem gitarrenlastigen "Peter Gunn" der Blues Brothers, fehlten einfach die markanten Instrumente oder der Gesang. Wie kommentierte ein Alt-68-er Michael Jacksons etwas konzertant klingenden "Billy Jean": "Dess ropft net". Auch wenn das kein Maßstab sein sollte, hat der Musik-Fan halt das Original im Ohr.
Dennoch verdienten sich die Musici den reichlich gespendeten Applaus des Publikums. Außerdem hatten sie eine Vorreiterrolle inne, die auf weitere Highlights auf dem Viehmarkt hoffen lässt.
Armin Warmuth zeigte sich - auch ob der erstaunlich hohen Besucherquote - begeistert. Sollte der Traum wahr werden, dass in der schönen Jahreszeit an jedem ersten Donnerstag im Monat hier ein Konzert stattfindet, sollte man allerdings über eine Namensänderung nachdenken und den Viehmarkt in "Konzertmarkt" umbenennen.


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