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Euerdorf
Wohnen

Preis für den Landgerichtshof Euerdorf

Markus Fleckenstein saniert den Landgerichtshof, einen Komplex mit gleich drei historischen Gebäuden. Dafür gibt es jetzt zum zweiten Mal einen Preis.
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Markus Fleckenstein kann von seinem künftigen Büro in der Zehntscheune auf das ehemalige Gerichtsgebäude blicken. Foto: Arkadius Guzy
Markus Fleckenstein kann von seinem künftigen Büro in der Zehntscheune auf das ehemalige Gerichtsgebäude blicken. Foto: Arkadius Guzy
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Vor fast genau vier Jahren, beim letzten Reporterbesuch, dirigierte Markus Fleckenstein gerade einen Staplerfahrer. Tonnenweise Biberschwanzziegel mussten von einem Lkw entladen werden. Sie waren für das Dach der Zehntscheune bestimmt. Fleckenstein wird die Aktion nicht so schnell vergessen: "50 Tonnen Ziegel, 25 000 Stück, mussten vom Dach runter und neu rauf." Heute ist ein Teil der Zehntscheune gerade bezugsfertig.

In dem historischen Gebäude, das zuletzt die BayWa als Lager- und Geschäftshaus nutzte, will der Architekt sein Büro aufschlagen. "Ich könnte gleich umziehen, wenn ich nur die Zeit dafür fände", sagt Fleckenstein. Eine Dependance an seinem ursprünglichen Wohnort in Lohr behält er bei.

Die Zehntscheune bildet mit Amtsgerichtsgebäude und Fronfeste die Eckpunkte des Landgerichtshofs. Fleckenstein saniert alle drei denkmalgeschützten Gebäude. Für den Erhalt und den feinfühligen Umbau des Gerichtsgebäudes, das laut Denkmalliste 1822 in klassizistischer Form errichtet wurde, ab 1925 als Gendarmeriestation und später als Wohnhaus diente, bekam Fleckenstein 2013 einen von sieben Denkmalpreisen der Unterfränkischen Kulturstiftung.

Jetzt erfährt er zu seiner Überraschung noch einmal Aufmerksamkeit: Fleckenstein gehört zu 14 Bauherren aus ganz Bayern, die am 26. Oktober bei einem Festakt in der Münchner Residenz einen Staatspreis in Empfang nehmen können. Mit dieser Auszeichnung würdigt das Landwirtschaftsministerium beispielhafte Vorhaben, die im Zuge von Dorferneuerungen umgesetzt wurden.

Diesmal beziehe sich der Preis mehr auf den ganzen Hof, erklärt Fleckenstein. Für seine Investitionen nutze er die Fördermöglichkeiten, die ihm die Dorferneuerung bot. Die Dorferneuerung sei ein wichtiger Aspekt gewesen. Fleckenstein erklärt: "Wenn wir die Dorferneuerung nicht gehabt hätten, wären wir jetzt nicht da, wo wir sind."

Drei historische Gebäude auf einmal bedeutete, dass sich viel Aufwand auf einmal anhäufte - zumal Fleckenstein anfangs auch viel Eigenleistung in die Sanierung steckte. Es mache aber Spaß und es sei ein Ausgleich, meint der 37-Jährige. Die Situation gestaltet sich für ihn nun etwas entspannter: Zunächst auch ein- bis zweimal unter der Woche, ist Fleckenstein nun vor allem an den Wochenenden im Landgerichtshof anzutreffen.

Zwei Wohnungen im Gerichtsgebäude sind längst vermietet, und die Fronfeste ist als Wohnung eingerichtet. Damit hat Fleckensteins Sanierungsvorhaben jedoch noch nicht den Abschluss gefunden. Fleckenstein will mit seiner Frau in einen Teil des Gerichtsgebäudes ziehen. Dafür entstehen derzeit im Erdgeschoss weitere Wohnräume. Über einen Anbau, eine moderne Konstruktion aus Stahl und Glas, will Fleckenstein diese mit der darüberliegenden, schon renovierten und freien Wohnung verbinden.

Die Wohnung in der Fronfeste, die Fleckenstein erst einmal für sich nutzt, will er nach dem Umzug ins Gerichtsgebäude als Ferienwohnung an Gäste vermieten. Die Fronfeste aus dem 16. Jahrhundert lässt sich als späteres Gefängnisgebäude touristisch sicher gut vermarkten, so die Überlegung.

Für eine weitere Ferienwohnung will Fleckenstein das Obergeschoss des Ökonomiegebäudes, eines ehemaligen Wirtschaftsgebäudes zwischen Gericht und Fronfeste, umgestalten. "Ich denke an Gruppenausflüge, Weintouristen 50 plus", umreißt Fleckenstein seine touristischen Pläne, für die noch die Genehmigungen ausstehen.

Es wird also noch etwas dauern, bis der Landgerichtshof komplett so genutzt wird, wie es sich Fleckenstein vorstellt. Der endgültige Stand der Sanierungs- und Umbauarbeiten ist noch nicht erreicht. "Zwei Jahre gehen sicher schon noch ins Land, bis alles fertig ist."

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