Als "Garagenweingut" fing die Familie einst an. In den Jahrzehnten darauf entwickelte sich der Betrieb dann kontinuierlich. Und heute präsentiert sich das Weingut Neder zeitgemäß mit einer eigenen Vinothek.
"Sie war für mich einfach notwendig", sagte Lorenz Neder bei der Einweihung des Gebäudes. Der Betrieb habe viele Privatkunden. Ihnen müsse man etwas bieten. Außerdem hat das Weingut mehr Platz gebraucht. "Die Abläufe waren nicht optimal ausgerichtet."

Vor ungefähr einem Jahr hatten die Arbeiten begonnen. Der Neubau ist neben dem bisherigen Betriebsgebäude entstanden. Trotz seiner modernen Architektur fügt er sich nahtlos und harmonisch an den Bestand an. Die Hanglage war eine Herausforderung, wie Architekt Günther Seith bestätigte. Sie bot zugleich aber die Chance für eine aufregende Gestaltung.

Der Veranstaltungsraum im vorspringenden Obergeschoss öffnet durch seine großflächige Verglasung den Blick auf den Ort. "Wir wollten das Dorf hereinholen", meinte Seith. Die Fassade aus Cortenstahl macht den Gebäudeteil zu einem Blickfang am Ortseingang.


Neues Lager schafft Platz

Im Untergeschoss befinden sich ein Verkaufsraum und ein Büro sowie - in den Hang hineingesetzt - ein neuer Lagerraum für Hochregale. Der hat eigentlich von Anfang an gefehlt, erklärte Helga Neder. Die bisherigen Betriebsräume sind nun umgeräumt, um die Produktionsabläufe besser, rationaler organisieren zu können.

Als das Weingut 1975 mit dem Verkauf startete, lief die Produktion in einem bescheidenen Rahmen ab. "Wir haben alles in der Garage gemacht, das Keltern, das Abfüllen", gab Ewald Neder einen kurzen Abriss. Im Ort waren drei Keller angemietet. Ewald Neder hatte sich damals entschieden Winzer zu lernen. Sein Vater hatte Wein - wie es so im Saaletal üblich ist.

Die Anbaufläche wuchs. Im Jahr 1991 entschied die Familie, den Betrieb aus der Ortsmitte in neue Gebäude auszusiedeln. Zunächst am Dorfrand gelegen, umschloss im Laufe der Zeit ein Wohngebiet den heutigen Standort im Urbanusweg. Mit Lorenz Neder tritt einer der beiden Söhne nun die Nachfolge an. Lorenz Neder erklärte: "Ich darf im Keller machen, was ich will."

Das Weingut hat teils langjährige Kunden. Die gratulierten zur Eröffnung der Vinothek. Stellvertretender Landrat Emil Müller sprach von einem zukunftsweisenden Schritt. Artur Steinmann, Präsident des Fränkischen Weinbauverbands, und die vor Kurzem gekürte fränkische Weinkönigin, Christina Schneider, würdigten ebenfalls die Leistung der Familie. Pastoralreferent Dirk Rudolph segnete die Räumlichkeiten.

"Schöner Wein braucht schöne Räume", sagte Steinmann am Rande. Allein 2015 seien in Franken vier Vinotheken eröffnet worden. Für den Weinbaupräsidenten ist es eine logische Entwicklung: Nach der Arbeit an Weinqualität und Kulturlandschaft sind nun die Gebäude dran. Und just an dem Donnerstag fing für das Hammelburger Weingut Ruppert mit der Baustelleneinrichtung die Vorbereitung für deren Vinotheksbau an.