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Hammelburg
Geschichtskreis

Nach dem Brand wurde die Klosterkirche schöner denn je errichtet

Bei einer Führung mit Franz Josef Schneider erfuhren die Teilnehmer interessante Details aus der Geschichte der Klosterkirche Altstadt in Hammelburg.
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Dieser sogenannte Wallfahrtszettel wurde gedruckt zwischen 1685 und 1691. Zwei Prozessionen bewegen sich auf die Kirche zu. Diese Kirche erlitt 1698 schwere Brandschäden. Bereits zwei Jahre später war die erneute Einweihung nach der Wiederherstellung. Repro: Dieter Galm
Dieser sogenannte Wallfahrtszettel wurde gedruckt zwischen 1685 und 1691. Zwei Prozessionen bewegen sich auf die Kirche zu. Diese Kirche erlitt 1698 schwere Brandschäden. Bereits zwei Jahre später war die erneute Einweihung nach der Wiederherstellung. Repro: Dieter Galm
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Um den schönsten und größten kirchlichen Barockbau im südlichsten Zipfel des früheren Hochstiftes Fulda drehte sich eine Führung, die der Geschichtskreis Hammelburg initiiert hatte. So wird eine Kapelle oder ein Kirchlein im 8. Jahrhundert an der Stelle der heutigen Klosterkirche Altstadt vermutet. Der Geschichtskreis Hammelburg hatte Franz Josef Schneider darum gebeten die Geschichte der heutigen Klosterkirche Altstadt vorzutragen. Schneider ist einer der besten Kenner Hammelburger Vergangenheit.
Schneider nannte die Namen derer, die diesen Kirchenbau erst möglich machten und ließ die Geistlichen und die Weltlichen vor den Augen der Zuhörer lebendig werden.
Es war der Orden der Franziskaner, die 1649 das Kloster gründeten, das Konventsgebäude aufführten und gleich zwei Kirchenerweiterungen bis 1670 bewältigten. Ein Hinweis auf die stürmische Entwicklung geistlichen Lebens und insbesondere der Wallfahrt.
Die Vierzehn Nothelfer wurden in dieser Kirche hoch verehrt. Etwa 800 Kirchen im christlichen Europa waren den Vierzehn Nothelfern geweiht. So auch die Klosterkirche Altstadt. Um 1400 war die Reihung der Märtyrer festgelegt, Märtyrer aus dem 3. und 4. Jahrhundert im Oströmischen Reich beheimatet.
Im Jahr 1698, achtundzwanzig Jahre nach Fertigstellung der Kirche 1670, zerstörte ein Brand, durch Blitzschlag in den Dachstuhl ausgelöst, die Innenausstattung der Kirche vollständig. Ein sogenannter Wallfahrerzettel, gedruckt zwischen 1685 und 1698 zeigt die Klosterkirche noch vor dem Brand. Vermutlich bildet der Wallfahrerzettel die Vierzehn Nothelfer so ab, wie auf dem Altarbild dargestellt. Dieser Altar und damit die abgebildeten Nothelfer wurden 1698 ein Raub der Flammen. "Der Druckstock für diesen Wallfahrerzettel befand sich vor Kurzem noch im Archiv des Klosters", erzählt Schneider.
Energisch wurde die Beseitigung der Schäden nach dem Brand in Angriff genommen. 1700 wurde die auf den Kunstgeschmack der Zeit gebrachte Kirche geweiht und der neue Innenausbau in den folgenden Jahren abgeschlossen.


Mit Eifer und Hingabe

Schneider schilderte mit welchem Eifer und Hingabe die Klosterkirche nach dem verheerenden Brand wieder hergestellt wurde. Ein starkes Motiv war der Erhalt der Wallfahrt. Mit der Säkularisation im Jahr 1802 begann eine neue Zeit. Die Wallfahrt verlor an Bedeutung.
Großzügige Spender fanden sich. Künstler, Maler, Holzschnitzer, Orgelbauer wurden verpflichtet und schufen religiöse Kunstwerke für diese Kirche in vollkommener Schönheit. Renovierungen gab es 1893 und 1993.
Die sinnliche Erfahrung der Heilsgeschichte durch die bildende Kunst war für die Vermittlung des Glaubens von eminenter Bedeutung. Die Menschen waren und sind auch heute noch von der fast überirdischen Schönheit des Gotteshauses berührt. Schneider erzählte, welchen Eindruck die frommen Wallfahrer aufnahmen, als sie die neue Kirche, nach dem Brand erlebten. Sie sagten damals (1770): "Es wäre schade gewesen, wenn die vorige Kirche nicht abgebrannt wäre. So ungleich schöner ist die Neue." - So ist es überliefert.
Bis zu viertausend Gläubige versammelten sich vor und in der Kirche, wenn ein kirchliches Hochfest gefeiert wurde und aus der Umgebung die Menschen zur Klosterkirche strömten, um die Gnadenmittel der Kirche zu empfangen und Gemeinschaft zu erleben. Längst war die Klosterkirche Altstadt Mittelpunkt einer beliebten Wallfahrt.


Arbeit ohne Vergütung

16 Pfarreien wurden von den Franziskaner-Klosterbrüdern damals betreut. Kloster und Klosterkirche waren ein bedeutendes geistliches Zentrum. Eine Fülle von Einzelheiten, Anekdoten und Bautechnisches wusste Schneider zu benennen. Eine Beschreibung der geistlichen und weltlichen Herren, die den Kirchenbau gefördert haben, belebten den Vortrag.
Die wesentliche Leistung, Handarbeit und Spanndienste erbrachten die Einwohner der Stadt Hammelburg und der umliegenden Dörfer. Freiwillig, ohne Vergütung, um Himmels Lohn. Mit dem Bauen vertraute Franziskaner planten und führten die Bauaufsicht. Eine logistische Herausforderung, weil das Baumaterial zum Teil von weit her nach Hammelburg zu schaffen war.
Allein das Aufschütten der Terrasse und der Bau der Stützmauer vor der Kirche in mühevoller Handarbeit war eine gewaltige Leistung. Das Fundament wurde bis in eine Tiefe von sieben Metern in den Grund gelegt. Schneider ließ in seinem Vortrag diese Zeit der glühenden Hingabe an die Kirche entstehen. Es scheint, als sei die Zeit als Hammelburg lutherisch, eine Episode war, die rasch dem Vergessen anheimfiel, als die Gegenreformation einen erneuerten katholischen Glauben zurückbrachte.


Erst Soldat, dann Fürstabt

Bemerkenswert ist die Geschichte des Fürstabtes und Kardinals Markgraf Bernhard Gustav von Baden-Durlach (1631 - 1677). In jungen Jahren Soldat, stieg er bei König Gustav Adolf von Schweden in dessen Heer zum Generalmajor auf. Obwohl evangelisch getauft und erzogen, nahm er den katholischen Glauben an. Eine geistliche Karriere stand ihm mit dem Eintritt in den Orden der Benediktiner offen. 1668 empfing er in Mainz die Priesterweihe. 1671 wurde er zum Fürstabt ernannt und zugleich in Fulda und in Kempten vom jeweiligen Domkapitel gewählt. Er war einer der großen Förderer der Kirchen und der Klöster im Hochstift Fulda und legte den Grundstein zum Anbau der Antoniuskapelle, einem Seitenschiff der Klosterkirche Altstadt.
Schneider wusste noch mehr zu berichten. Fürstabt Bernhard Gustav bestimmte die Antoniuskapelle zu seinem Begräbnisort. 1677, gerade 46 Jahre alt, starb er auf Schloss Saaleck. Die Eingeweide wurden in der Antoniuskapelle in Hammelburg begraben. Sein Herz kam nach Kempten und wird dort in einer Kapsel aufbewahrt. Der Leichnam des Kardinals und Fürstabtes wurde in der Fuldaer Stiftskirche bestattet. Aus dieser Stiftskirche ging einige Jahre später der Dom zu Fulda hervor.
Das nächste Treffen des Geschichtskreises findet am Freitag, 30. Juni statt. Das Thema wird bekanntgegeben. Dieter Galm
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