Morlesau
Lesung

Mönchskutte oder Marie?

In seinem fünften Fall lässt Roman Kempf seinen Cellerar Abel nicht nur einen Mord aufklären, sondern stellt ihn auch vor die schwere Entscheidung, ob er wegen der Liebe das Kloster verlassen soll. Die Verbrechen gehen aber auf jeden Fall weiter.
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Roman Kempf stellte den letzten Band seiner historischen Krimi-Serie um Klosterbruder Abel, das "Mainzer Rad" in einer Autorenlesung im Gasthaus Nöth vor.  Foto: Winfried Ehling
Roman Kempf stellte den letzten Band seiner historischen Krimi-Serie um Klosterbruder Abel, das "Mainzer Rad" in einer Autorenlesung im Gasthaus Nöth vor. Foto: Winfried Ehling
Sein Beruf ist eigentlich der Obst- und Gartenbau, aber die heimliche Liebe von Roman Kempf gehört schon seit seiner Jugend dem Schreiben. Mit viel historisch-detailliertem Wissen - und noch mehr Kopfkino - ausgestattet, stellte er bei einer Autorenlesung im Gasthof Nöth seinen jüngsten Krimi "Mainzer Rad" vor.
"Criminalfälle im ausklingenden 18ten Jahrhundert" sind die Passion des in Großheubach am Main Geborenen. Der fünfte Band des am Landratsamt für das "Grün" verantwortlichen Beamten ist jedoch der letzte Fall von Pater Abel, Cellerar am Kloster Amorbach, der die Geheimnisse um rätselhafte Morde aufdeckt.


Tatort Untermain

Lokal am Untermain, in Aschaffenburg und dem Fürstbistum Mainz angesiedelt, schilderte Kempf eine facettenreiche aber in Geschichts- und Personendaten authentische Handlung eines Ministermordes, den der Klosterbruder nach umfassenden Recherchen und abenteuerlichen Erlebnissen schließlich aufklären kann.

Nein, für Bruder Abel ist nicht Pater Brown das Vorbild. Und der Würzburger Schoppenfetzer-Krimi-Schreiber, Günter Huth - ebenfalls im unterfränkischen Finster-Milieu zuhause - ist Kempf zwar vom Namen her bekannt, doch er hat noch kein Buch von ihm gelesen. "Meinen Romanen käme "Der Medicus" oder "Der Name der Rose" als Adaption am nächsten", meint der 62-jährige Hobby-Schriftsteller, der Pater Abel aber als "sein Kind" sieht.


Abitur in Hammelburg

Die einzige Lesung in der hiesigen Region, im Stadtteil Morlesau-Ochsenthal, ist zwar auf die Einladung der Besitzer des Hammelburger "Bunten Buchladens", Andrea und Matthias Teltz, zurückzuführen, doch darüber hinaus wohl auch auf die Abiturzeit Kempfs, die er am Frobenius-Gymnasium absolvierte - wobei er im Internat am Kloster Altstadt einquartiert war. War dieser Umstand die Inspiration für seine Romane?

"Vielleicht. Ich versuche, mich in Pater Abel hineinzuversetzen", sagt der Autor. "Ich habe aber schon am Gymnasium bei der Schülerzeitung ,Fokus' mitgearbeitet und mir immer gerne Geschichten ausgedacht", fährt er fort. Den Weg in die Saalestadt kennt er noch. Allerdings brauchte er bei seiner Fahrt in den Abendstunden durch den vernebelten Spessart länger als geplant und erreichte den Gasthof Nöth erst mit halbstündiger Verspätung - was ja der Ansatz für ein neues Werk sein könnte.


Noch viele Morde im Kopf

Die Darstellungen Kempfs sind nicht nur detailreich und fantasievoll, sie entbehren auch nicht einer gewissen Pikanterie. Der Klosterbruder - den weltlichen Genüssen offensichtlich ebenfalls zugetan - steht im letzten Buch vor der Frage: Mönchskutte oder Marie? Die junge Dame, Tochter seines Freundes, eröffnet Abel, dass sie schwanger ist. Na, von wem wohl? Das Ende dieser "Misere" sollten Leser dem fünften Band selbst entnehmen.
Doch der Schluss der kleinen Krimi-Serie ist nicht das "Aus" der Ideen des Diplomingenieurs für Obst- und Gartenbau. "Ich habe noch viele Morde im Kopf", versichert Kempf mit listigem Grinsen. "Nun denn, schreibe er weiter", hätte man ihm zu Zeiten seiner Criminalfälle gesagt. Und genau das hat der Autor vor.

Von Roman Kempf sind bisher fünf abgeschlossene Werke mit Pater Abel verfügbar. Neben dem "Mainzer Rad" stehen "Schöner Wein", "Mönchspfeffer", "Roter Stein" und "Frankfurter Messe" zur Verfügung, die im LOGO-Verlag in Obernburg am Main erschienen sind.

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