Hammelburg
Landschaftspflege

Mehr als ein schöner Anblick

Seit 15 Jahren sorgen Schafe in Feuerthal und Westheim für Biodiversität. Der Schäfer Michael Stäbe muss dabei eine Vielzahl unterschiedlicher Anforderungen berücksichtigen.
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Die altdeutsche Hündin Runa hilft Michael Stäbe bei der Landschaftspflege wie hier am Unterberg an der Straße nach Seeshof.
Die altdeutsche Hündin Runa hilft Michael Stäbe bei der Landschaftspflege wie hier am Unterberg an der Straße nach Seeshof.
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Die Feuerthaler Trockenhänge tragen Edles im Herbst. Metallisch glänzt die kleine Golddistel, die Goldhaar aster sendet gelbe Signale und warm leuchtet die Echte Goldrute. Nach der Hitze des Hochsommers ist jetzt sogar das Gras noch einmal nachgewachsen. Unmissverständlich kündigen aber die blaue Kalk-Aster und der Deutsche Enzian das Ende der Wildblumensaison an.
Was Botanikerherzen höher schlagen lässt, ist auf den Kalkmagerrasen und wärmeliebenden Säumen in Feuerthal und Westheim in großer Anzahl zuhause. Seit rund 15 Jahren beweidet Schäfer Michael Stäbe mit seiner Merinolandschafherde 21 Hektar wertvolle Flächen in der Westheimer und Feuerthaler Gemarkung, die sonst zuwachsen und ihren einzigartigen Reichtum an Tieren und Pflanzen verlieren würden. Inzwischen kamen für Stäbe noch weitere Flächen in anderen Ortschaften dazu. Auch in anderen Gemeinden des Saaletals um Hammelburg begann in den Jahren 1999 und 2000 eine gezielte Beweidung über das bayerische Vertragsnaturschutzprogramm (VNP), die bis heute andauert und auch von anderen Betrieben durchgeführt wird.


Kein leichter Job

"Anstrengend ist es schon", sagt der selbstständige Schäfer aus Thulba, aber man merkt: es macht ihm nichts aus, weil er es gerne tut. Zaun stecken auf felsigem Boden, die steilen Hänge mit den Schafen zusammen hinauf und hinunter klettern, Zeckenbisse abwehren, die sengende Sonne in den ehemaligen Weinbergslagen ertragen und irgendwo noch einen ebenen Platz finden für das mobile Wasserfass, das die Schafe unbedingt brauchen.
Michael Stäbe nimmt es auf sich. Nicht nur weil er seinen Beruf liebt. Wenn Spaziergänger vorbeikommen und sich über die reizvolle Landschaft mit Schafherde freuen, ist die Plackerei vergessen. "Man freut sich, wenn man den Erfolg seiner Arbeit sieht." Auch den Bürgern von Feuerthal und Westheim gefällt ihre Umgebung nun noch besser. Dazu zitiert Michael Stäbe gerne den Slogan des Schäfereiverbands: "Wir pflegen die Landschaft, die Sie lieben!"
Die Kalkmagerrasen in Feuerthal und Westheim sind wie das ganze Saaletal um Hammelburg Teil eines einzigartigen Komplexes aus Trockenlebensräumen, der sich von Baden-Württemberg bis Thüringen erstreckt. Früher waren das ertragsarme Standorte mit Weinbergen, Obstgärten und Schafhutungen. Im Lauf der Zeit fiel immer mehr brach, weil man die Nutzung aufgab.
Auch in Feuerthal brachten Reblaus und Weinkrankheiten um 1900 eine Veränderung in der Bewirtschaftung. Auf vielen Steilhängen, wie etwa dem Altenberg, gab man den Weinbau auf und verlegte sich auf den Anbau von Beerensträuchern und Obstbäumen für die Vermarktung in die Kurstädte. Am Hohenberg wurde eine Zeitlang sogar Futter für die Kühe angebaut, das damals noch mühselig von Hand geerntet werden musste. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Bauern Arbeit in den Städten suchten, fielen große Flächen brach.


Geschützte Arten

Zahlreiche seltene und geschützte Arten kommen in dieser vom Menschen geschaffenen Kulturlandschaft in großer Anzahl vor. Das Saaletal hat überregionale Bedeutung. Das erklärt, warum diese Flächen erhalten, gefördert und vernetzt werden sollten.
Doch es geht nicht um die seltenen Tier- und Pflanzenarten alleine. Doris Hupfer, Fachreferentin für Naturschutz an der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Bad Kissingen, betreut die Pflegemaßnahmen und erklärt, was dahinter steckt. "Die Vielfalt an Pflanzen und Tieren im Bereich des Saaletals, auch im Gebiet von Feuerthal und Westheim, ist sehr groß und sehr wertvoll. Diese Biodiversität ist für uns sehr wichtig." Biodiversität, die Vielfalt an Arten und Genen, ist ein weltweit anerkanntes Ziel im Naturschutz. Wissenschaftler gehen davon aus, dass nur sie das Überleben des Menschen auf diesem Planeten sichern kann.
Die Lebensräume brauchen auch eine Verbindung untereinander. "Das Saaletal ist schon gut vernetzt, etwa durch Schafherden. Durch Flächenkauf versucht die Untere Naturschutzbehörde die Vernetzung weiter zu gestalten", sagt Doris Hupfer.
Der Erhalt der Biodiversität ist das langfristige Ziel. Die Fachreferentin für Naturschutz behält aber auch die Gegenwart im Auge: "Wir finden es auch immer wichtig, dass es eine Wertschöpfung gibt." Das bedeutet: durch Nutzung entstehen Produkte aus der Region wie Wolle, Fleisch, Obst, Honig.


Nachpflege erforderlich

Trotz Beweidung gibt es aber kleine Stellen, an denen sich Schlehen und Hartriegel übermäßig ausbreiten. Dort muss maschinell nachgepflegt werden. "Herr Stäbe schickt uns am Ende des Jahres Pläne mit genauen Angaben, wo die Verbuschung überhand nimmt", sagt Doris Hupfer anerkennend. "Das hilft uns sehr, weil dann gezielt nachgearbeitet werden kann."
Läuft in so einer Arbeit also immer alles glatt? Michael Stäbe lächelt. "Es gibt viele Interessen!" Mal fürchteten die Orchideenfreunde, dass die Schafe auf die seltenen Pflanzenschätze treten oder daran knabbern könnten. Mal beschwerten sich Jogger, weil das Wasserfass etwas in den Weg ragte. Am Anfang vergriffen sich die Schafe auch einmal an jungen Obstbäumchen - der Schaden wurde ersetzt und die Jungbäume werden zukünftig eingezäunt. Der junge Schäfer hat all diese Konflikte gemeistert. Auch ein gutes Verhältnis zu den Jägern ist ihm wichtig: "In Westheim zum Beispiel spreche ich mich immer ab mit dem Jäger, das funktioniert gut. Die Jäger finden es auch vorteilhaft, dass die Flächen offen gehalten werden. Das ist vor allem für Rehe gut."
Was dem Schäfer aber immer noch Kopfzerbrechen bereitet, sind die Pferchflächen. Über Nacht soll die Herde nicht auf den Magerstandorten bleiben, weil sich durch den Dungeintrag die Pflanzenwelt verändern würde. Aber Wiesen oder Äcker, auf denen Pferchen erlaubt ist, gibt es nicht genug in Feuerthal und Westheim. So muss die Herde manchmal länger als dem Schäfer recht ist auf ein und demselben Pferchplatz übernachten. Stäbes eigene Bemühungen waren bisher nicht erfolgreich. "Da müsste noch eine bessere Lösung gefunden werden." Dem stimmt auch Naturschutzreferentin Doris Hupfer zu und verspricht ihre Unterstützung.
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