Hammelburg
Landbautag

Landbautag in Hammelburg: Die Ernte wird schlecht ausfallen

Fünf Stationen, einschließlich einer Ökostation, gaben auf etwa zehn Hektar Auskunft über 50 Sorten.Vier Ramsthaler Aussiedlerhöfe waren mit ihren Versuchsäckern dabei.
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Die Trockenheit hinterlässt deutliche Spuren: Manche Risse in der Erde sind bereits richtig tief, wie Erzeugerring-Fachberater Stefan Karch (Mitte) demonstriert. Ihm zur Seite stehen (von links) Naturland-Berater Werner Vogt-Kaute, Rainer Schubert (Wasserforum), Erzeugerring-Fachberater Sebastian Ries und der Ramsthaler Landwirt Leo Warmuth. Foto: Gerd Schaar
Die Trockenheit hinterlässt deutliche Spuren: Manche Risse in der Erde sind bereits richtig tief, wie Erzeugerring-Fachberater Stefan Karch (Mitte) demonstriert. Ihm zur Seite stehen (von links) Naturland-Berater Werner Vogt-Kaute, Rainer Schubert (Wasserforum), Erzeugerring-Fachberater Sebastian Ries und der Ramsthaler Landwirt Leo Warmuth. Foto: Gerd Schaar
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Die unterfrankenweite Trockenheit hat ihre Spuren auch auf den Äckern zwischen Ramsthal und Sulzthal hinterlassen. Bodenrisse und ein seit einigen Wochen ausgebremster Pflanzenwuchs beim Getreide sind der Beweis. Nur 120 Millimeter Niederschlag seit Jahresbeginn sind einfach zu wenig. Die Landwirte befürchten heuer eine geringe Ernte.
Wenn es um erfolgreiche Landwirtschaft geht, dann arbeiten Behörden und Interessenverbände zusammen. So waren das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), der Erzeugerring für landwirtschaftlich pflanzliche Qualitätsprodukte (ER) und der Verband für Landwirtschaftliche Fachbildung in Bayern (vlf) der heuer zu erwartenden Ernte auf der Spur. Darüber hinaus zeigte die Agrar-Ökologie Karlstadt (regionales Wasserforum mit Sitz in Schweinfurt) und die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) ihre beratende Präsenz.

Dinkel immer beliebter

Zum jährlichen Landbautag, der zwischen den Landkreisen Rhön-Grabfeld und Bad Kis singen wechselt, sind heuer vier Ramsthaler Aussiedlerhöfe mit ihren Versuchsäckern dabei: Leo Warmuth, Rainer Sixt, Weinbau Keller GbR und Bernhard Sixt. Im Blickfeld standen Wintergetreide, Wintererbsen und Gemenge mit den Arten Triticale, Dinkel, Weizen, Gerste, Roggen und Raps sowie die Sommergerste. Wegen großer Nachfrage ist zurzeit eine Renaissance für den Dinkel zu erwarten.
Man kann schon von Weitem an den verschiedenen Farben der ausgesäten Versuchsstreifen erkennen, dass sich die Sorten unterscheiden. Aus der Nähe begutachteten die Landwirte zum Landbautag die heranwachsenden Getreidefrüchte. Die rund 100 Gäste aus den Reihen der Nebenerwerbs-Landwirte waren genauso interessiert wie die Bauern von Großbetrieben. Zeitlich überlagert wurde der Landbautag vom Hoffest auf dem Anwesen Warmuth.
Fünf Stationen, einschließlich einer Ökostation, gaben auf etwa zehn Hektar Auskunft über 50 Sorten. "Das Saatgut wurde bei den Züchterhäusern zentral bestellt", erklärte Fachberater Stefan Karch (ER). Auf den Versuchsfeldern wurden unterschiedliche Sorten einer Getreideart angesät, so dass man sie gut vergleichen konnte.
Nicht nur die Ertragsmenge, sondern auch Aspekte wie Krankheitsanfälligkeit wurden bewertet. Gelbrost-Pilz tauchte auf wegen des milden Winters. Mehltau und ein von Blattläusen übertragener Virus bei der Gerste machen den Landwirten ebenfalls Probleme mit bis zu 50 Prozent Ernteverlust.

Zum Nachlesen

Nachzulesen seien solche Ergebnisse im Versuchsbericht "Integrierter Pflanzenbau" der Ämter für Landwirtschaft in Zusammenarbeit mit dem vlf, sagte Landwirtschafts-Direktor Stefen Fella (AELF). "Wir sind mit unseren neutral bewerteten Empfehlungen unabhängig von den liefernden Firmen", bestätigte Karch. Auch neue Sorten hätten eine Chance.
Beachtung fand auch die Wasserrahmenrichtlinie zum Landbautag 2015, die einen erfolgreichen Fruchtwechsel zum Ziel hat. Zum Beispiel mit einem Wechsel von Winterweizen auf Mais. Im Fokus standen sauberes Grundwasser und die Verhinderung von Erosion.
"Zwischenfruchtanbau, stabile Wurzelbildung und Mulchsaat sind hier die messbar positiven Lösungen", sagte Rainer Schubert (Wasserforum). Dann bleibe auch der Stickstoff im Ackerboden unter Kontrolle, und Nährstoffe würden nicht weggeschwemmt.
"Wir stellen für den Ökolandbau interessante Strategien vor", hob Naturland-Berater Dipl.-Ing. Werner Vogt-Kaute (ER) die Unterschiede zwischen dem konventionellen Anbau und dem Ökoanbau bei der Wintererbse hervor. Im Herbst werde diese Erbse zusammen mit Getreide als Gemenge ausgesät. Die neun Vergleichsparzellen in der Biostation Erbse zeigen, dass sich Öko lohnt. Zu sehen war das an der Pflanzendichte.
Berücksichtigung finden die Wildtiere, denen die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft mit ihrer Lebensraumberatung und Aufwertung der Agrarstruktur auf die Beine helfen will. Die dem AELF in den bayerischen Bezirken angegliederten Fachzentren für Agrarökologie haben die Gemeinsamkeit mit Landwirten und Jägern im Blick. Beraterin Anne Wischemann: "Es geht um Blühflächen am Waldrand, Hecken und Feldgehölze, aber auch um Winterbegrünung und Wildsaaten für Feldhasen, Rebhuhn und Co." Passend zum förderfähigen Kulturlandschaftsprogramm. Auch naturnahe Wegränder könnten in die Maßnahmen einbezogen werden, so Wischemann.
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