Hammelburg
Konzert

Kirchenmusiktage: Einfühlsam, kreativ, stimmgewaltig

Eine Kirchenführung durch die Hammelburger Stadtpfarrkirche geriet - durchaus gewollt - sehr musikalisch.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Sänger selbst blieben im Halbdunkel, sie traten, gewissermaßen der Sache dienend, in den optischen Hintergrund.  Foto: Gerd Schaar
Die Sänger selbst blieben im Halbdunkel, sie traten, gewissermaßen der Sache dienend, in den optischen Hintergrund. Foto: Gerd Schaar
+5 Bilder
Eine musikalische Kirchenführung gab es unter dem Titel "Kirchen(T)raum" in der Stadtpfarrkirche mit dem Ensemble Sing 'n' Swing. Das Event reihte sich ein in die Hammelburger Kirchenmusiktage. Auch das Jubiläumsjahr "1300 Jahre Hammelburg" wurde mit einem Lied gewürdigt.

Den Taktstock schwang Paul Oschmann. Fünf Sängerinnen und vier Sänger, begleitet von Jürgen Klose (Bassgitarre) und Dieter Schmidt (Schlagzeug), nahmen das Kirchengebäude in ihren musikalischen Blick und betrachteten vor allem die Aufgabenstellung der Seelsorge mit einem maßgeschneiderten Programm. Erklärende Worte zu den besungenen Objekten der Kirchenführung gab es von Michaela und Harald Drescher, die als Moderatoren wirkten.


Erst auf den zweiten Blick

Die Zuhörer füllten rechtzeitig vor Konzertbeginn die Kirchenbänke. Auf dem Altarvorraum standen schon die Notenpulte. Das Licht wurde gedämmt. Die Stimmen von Sing 'n' Swing erklangen. Doch wo waren diese Sänger? Erst auf den zweiten Blick rückwärtig nach oben machte man sie aus. Sie sangen von der Orgelempore aus. Dort spielte auch Stadtkantor Dieter Blum seine Orgel-Improvisation, bis die Sänger ihren angestammten Platz an den Notenpulten eingenommen hatten.

Wer die kreativ einfühlsamen Konzerte von Sing 'n' Swing kennt, der hatte hohe Erwartungen. Und die wurden auch dieses Mal erfüllt. Mit den unterschiedlichen klassischen Liedern, modernen Songs, Jazz und Gospeln aus verschiedenen Stilepochen richtete das Ensemble seinen Blick auf die wichtigen Stationen dieses Kirchengebäudes. Unterstützt wurden die Sänger von einem Scheinwerfer-Spot, der sein Licht auf Objekte wie Ambo, Altar oder Kreuz richtete. Die Sänger blieben im Halbdunkel, sie traten, gewissermaßen der Sache dienend, in den optischen Hintergrund.

Umso stärker wirkten die Stimmen auf die Zuhörer. "Da geht eine wunderbare Magie zu mir rüber", meinte Klaus Meder. "Ich bin gewissermaßen verzaubert", war Zuhörerin Christa Kleinhenz fasziniert. Pfarrer Thomas Eschenbacher äußerte sich ebenfalls begeistert: "Das ist aber eine sehr schöne Kirchenführung, die ich loben möchte. Ich spüre diese Musik in meinem Herzen." Klar, dass es aufgrund des heftigen Applauses noch eine Zugabe geben musste.


Auch nachdenklich stimmen

Das Repertoire des Liedgutes reichte von purer Lebensfreude bis zu Lobgesängen und nachdenklich machenden Themen, wie zum Beispiel Vorurteile und Toleranz. Mit dem französischen Lied "Le Temps des Cathédrales" wurde das Zeitalter des Kathedralenbaues in Erinnerung gerufen.

Dreschers Kommentare machten den Zuhörern bewusst, wie breit die seelsorgerische Aufgabe gestreut ist. Und die Sänger signalisierten den Mut, dass in Notzeiten Hoffnungen berechtigt seien. Hier traf das musikalische Können des Ensembles Sing 'n' Swing bewusst manche Ecken und Kanten des täglichen Lebens und bewies gezielte Tiefgründigkeit. Dirigent Oschmann bedankte sich bei Pfarrer Eschenbacher: "Es ist eine Ehre, hier in der Stadtpfarrkirche musizieren zu dürfen."


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren