Elfershausen
Infoveranstaltung

Kein Grund zur Aufregung

Dass in vier bis sechs Wochen neue Flüchtlinge nach Elfershausen kommen, hat die Bevölkerung mit Gelassenheit und Interesse aufgenommen.
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16 Flüchtlinge werden demnächst in Elfershausen erwartet. Sie sollen im Anwesen Karmelow untergebracht werden.  Foto: Nicolas Armer/ dpa
16 Flüchtlinge werden demnächst in Elfershausen erwartet. Sie sollen im Anwesen Karmelow untergebracht werden. Foto: Nicolas Armer/ dpa
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"In etwa zwei bis vier Wochen bekommen wir in Elfershausen 16 Flüchtlinge zugewiesen", bestätigt Bürgermeister Karlheinz Kickuth (SPD). Im Anwesen Karmelow an der Ortsdurchfahrt werden sie unterkommen. Wie es mittlerweile schon üblich im Landkreis Bad Brückenau ist, gibt es im Vorfeld einer solchen Neuansiedlung eine Bürger-Information durch das Landratsamt, fachlich vertreten durch Stefan Seufert. Der große Saal des Schützenheims reichte am Montagabend nicht aus, um die Zuhörer aufzunehmen. Da musste auch der angrenzende Thekenraum noch herhalten, damit der Platz für das Auditorium zur Informationsveranstaltung "Flüchtlinge" ausreichte.


Aggression hatte keine Chance

"Es wurde im Vorfeld kein Bürger gefragt, ob Flüchtlinge aufgenommen werden sollen", hinterfragte ein Zuhörer die Rechtslage. "Die Asylanten kriegen hier Luxus. Schauen Sie sich doch mal die nordafrikanischen Lebensverhältnisse an! Das sind alles Wirtschafts-Flüchtlinge", schimpfte ein anderer Zuhörer und versuchte, eine aggressive Diskussion anzufachen. Die Anwohner aus Elfershausen schauten sich verwundert um: "Das müssen welche von außerhalb sein, die hier boykottieren wollen." Schnell war die Lage wieder im Griff.

Dass es in der ländlichen Region anders als in den Großstädten in Bezug auf die Flüchtlinge zugehe, konnte Seufert am Beispiel der Notunterkünfte in Schweinfurt festmachen: "Dabei spielt bei uns die dezentrale Lage der Unterkünfte mit überschaubarer Anzahl Flüchtlinge eine wichtige Rolle." Ja, im Oktober habe es erheblichen Zeitdruck gegeben, die Flüchtlinge unterzubringen. "Wir wurde damals nicht gefragt und wussten anfangs nicht, wo wir schnell Lösungen schaffen können", so Seufert. Zurzeit aber sei die Lage mit rund 1200 Flüchtlingen stabil, und der Landkreis habe keine weiteren Zuweisungen mehr erhalten.


Amtlicher Schulterschluss

Die Besucher interessierten sich, ob es hier Probleme bezüglich der Stellung von Flüchtlings-frauen gebe. "Keine nennenswerten", so Seufert. Gewalt gegen Frauen werde zu einem ähnlichen Prozentsatz ausgeübt wie unter den Einheimischen. "Es gibt hier auch keine höhere Kriminalität", bestätigte Alfons Hausmann (CSU), Leiter der Polizei-Inspektion Hammelburg und Mitglied des Gemeinderates Elfershausen. "Die Polizei ist präsent, und gerade durch die kleinen überschaubaren Ansiedlungseinheiten haben wir alles gut im Griff", berichtete Hausmann von einer recht stabilen Sicherheitslage. Zwischen Polizei und Landratsamt gebe es einen "Schulterschluss".


Große Hilfsbereitschaft

"Die Spendenbereitschaft ist hier groß", konnte Seufert bestätigen. Als beispielsweise zum Spenden von Haushaltsgeräten aufgerufen wurde, da habe man sich vor der Flut von Töpfen und Pfannen kaum retten können. "Auch die ehrenamtliche Hilfe ist Gold wert", sagte Seufert. Ohne die Ehrenamtlichen und den erheblichen Einsatz der Caritas sei das gesamte Flüchtlingsproblem kaum zu bewältigen.

Eine Anwohnerin sorgte sich: "Unser Kindergarten ist an seiner Kapazitätsgrenze angelangt. Wer transportiert die übrigen Kinder zum nächsten Kindergarten?" Bezüglich nicht existierender Haftpflicht-Versicherung der Flüchtlinge wollte ein Vermieter wissen: "Bleibe ich auf dem Schaden sitzen?" "Der Bund kann weder eine Haftpflicht-Versicherung noch eine übliche Krankenversorgung für jeden Flüchtling finanzieren, die über die ärztliche Akut- und Schmerzversorgung hinausgeht", so Seufert.

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