Laden...
Hammelburg
Geschichte

Hammelburg als neue Heimat

Einige ehemalige DDR-Bürger haben in Hammelburg ihr neues Zuhause gefunden. Sie alle leben gleichermaßen gerne in der Saalestadt - auch wenn jeder einen ganz individuellen Weg hinter sich hat.
Artikel drucken Artikel einbetten
Christel Harmgarth blättert in ihrem DDR-Facharbeiterbrief, den sie aufgehoben hat. Fotos: Arkadius Guzy
Christel Harmgarth blättert in ihrem DDR-Facharbeiterbrief, den sie aufgehoben hat. Fotos: Arkadius Guzy
+1 Bild
Helga Nitzsche-Schubert hat sich vom ersten Tag an in der Region wohlgefühlt, wie sie sagt. Positiv erinnert sie sich an die Anfänge ihres neuen Lebens vor 25 Jahren. "Die Menschen waren offen und haben sich um uns gekümmert", erzählt Nitzsche-Schubert.

Als die Mauer fiel, war sie mit ihrem damaligen Mann, dem fünfjährigen Sohn und der dreijährigen Tochter in Wildflecken im Lager untergebracht. Nur drei Tage zuvor hatte die junge Familie aus Neugersdorf die DDR verlassen. Mit ihrem "grasgrünen Trabi" reiste sie über die damalige CSSR in den Westen.

Nach einer Woche in Wildflecken und einer Woche im Fichtenheim kam die Familie in einer Ferienwohnung in Diebach unter. Als Drucker hatte der Mann da schon in einem Hammelburger Betrieb schnell Arbeit gefunden. Dank Kontakten zu kirchlichen Kreisen fand die Familie einige Wochen später eine eigene Wohnung, in die sie im Februar 1990 einzog. Dort wohnt Nitzsche-Schubert bis heute.

Ihr ist es wichtig, dass ihre Kinder die familiäre Geschichte kennen. Nach außen hin, im Alltag spielt für die 52-Jährige ihre doppelte Biografie keine Rolle.

Nicht alle ehemaligen DDR-Bürger sind direkt in Hammelburg hängen geblieben. Zufälle verschlugen einige von ihnen zunächst in andere Gegenden. Christl Harmgarth ist vielen Hammelburgern vom Ha-Ka-Ge-Fasching bekannt. Sie lebt mit ihrem Mann seit 2003 in Hammelburg, hat aber eigentlich eine viel längere Beziehung zu der Stadt.

Das Ehepaar Harmgarth floh im Oktober 1989 aus Magdeburg in den Westen. Der Sohn lebte zum damaligen Zeitpunkt bereits in Seeshof. Er war 1984 mit einem Freund bei einem gemeinsamen Fluchversuch erwischt, angeklagt und nach elf Monaten im Gefängnis freigekauft worden. Sein Lebensweg führte ihn über eine Zwischenstation in Hessen in die Saaleregion.

Die Eltern folgten 1989: "Wir waren überzeugt, dass wir ihn nie wieder sehen, wenn wir den Schritt zur Flucht nicht wagen." So kam das Paar an einem Tag im Oktober mit seinem Wartburg in Hammelburg an, wie sich Harmgarth erinnert. Nach dem Wiedersehen mit ihrem Sohn fuhren sie weiter ins Aufnahmelager nach Gießen. Da der Mann als Aufzugsmonteur gleich eine Stelle fand, blieb das Paar in Hessen.

Nachdem aber beide in Rente gegangen waren, war klar, dass sie nach Hammelburg ziehen.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren