Einen musikalischen Festgottesdienst von besonderer Qualität gab es im Rahmen der Hammelburger Kirchenmusiktage in der evangelischen St.-Michaels-Kirche. Auch wurde auf das 1300-jährige Stadtjubiläum Bezug genommen.
Die Würzburger Hofkapelle und der Gemeinschaftschor des evangelischen Dekanats Lohr, bestehend aus dem Kantatenchor der Lohrer Auferstehungskirche zusammen mit dem Hammelburger Kirchenchor und einigen Sängern aus Marktheidenfeld, ließen am Sonntag Marc-Antoine Charpentiers (1643 bis 1704) Vertonung des Te Deum erklingen. Gekrönt wurde der Gesangsteil durch die Solisten Anke-Hájvocá Endres (Mezzosopran), Johanna Krell (Sopran), Michael Hofmeister (Altus), Oliver Kringel (Tenor) und Jakob Mack (Bass). Die musikalische Leitung hatte Mark Genzel.


Verfolgung der Christen

"Te Deum laudamus", "Dich, Gott, loben wir". Pfarrer Robert Augustin erinnerte in seiner Predigt an die Verfolgung der ersten Christen in römischer Zeit, die unter Nero und Domitian als Märtyrer im ersten Jahrhundert starben. Andersdenkende seien auch unter Hitler im vergangenen Jahrhundert verfolgt worden. Augustin zog den Zeitbogen der Verfolgungen bis in die aktuelle Zeitgeschichte, zu den Flüchtlingen aus Syrien, Afghanistan und Afrika. Der Traurigkeit hierüber könne mit dem Gotteslob und dem Respekt vor dem ureigenen christlichen Gedanken der Nächstenliebe begegnet werden, so Augustins Botschaft "über den Tellerrand hinweg". Das Te Deum sei ein Zeugnis des ehrfurchtsvollen Dankes für diese Lebenseinstellung.


Mit historischen Instrumenten

Die Bänke in der Michaelskirche waren gut gefüllt. Der Chor brauchte den gesamten Platz rund um den Altar. Davor, links und rechts am Taufbecken, hatten etwa ein Dutzend Musiker der Würzburger Hofkapelle mit historischen Instrumenten ihre Plätze eingenommen.
Mit dabei waren Traversflöten, Blockflöten, Taille, Oboen, Fagott, Trompete, Timpani, Violinen, Viola, Violoncello, Violone und eine Truhenorgel. Die Musikstilrichtung war Barock, also rund 300 Jahre alt. Es war die Musik der damals Herrschenden, Fürstäbte, Absolutisten und des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV.
Viele Zuhörer erkannten die Eingangsmelodie sofort wieder: Es waren jene Klänge, mit denen früher die Eurovisions-Sendungen im Fernsehen angekündigt wurden. Unter die Chorsänger reihte sich auch der Pfarrer ein. Pfarrer Augustin zur Zeitung: "Wir probten für das Te Deum seit etwa einem halben Jahr, wechselweise in Hammelburg und Lohr."
Die Entfernung von rund 35 Kilometern zwischen Hammelburg und Lohr sei eine gewisse Herausforderung während dieser Probenzeit gewesen. Ein erstes Konzert habe es tags zuvor schon in Lohr gegeben. Das Te Deum sei ein Teil dieses gesamten Konzertes.
Die Kollekte sei für die Kirchenmusik bestimmt, erklärte Prädikant Klaus Vosshage, der auch als Liturg tätig war. Die Opfergaben seien für die Diakonie. Der Erlös aus dem anschließenden Kirchen-Café sei für den neuen Bau des Gemeindehauses bestimmt, erläuterte er weiter.