Hammelburg
Kundgebung

Flüchtlinge wollen in Hammelburg demonstrieren

Die Asylbewerber aus Äthiopien wollen am Donnerstag, 14. August, auf die politische Lage in ihrem Heimatland aufmerksam machen. Aber nicht nur ihr Schicksal beschäftigt engagierte Hammelburger.
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Ein Teil der Plakate liegt schon bereit. Margit Pfisterer bespricht mit den Äthiopiern den Ablauf der Kundgebung. Links im Bild ist Eleni Asrat zu sehen. Foto: Arkadius Guzy
Ein Teil der Plakate liegt schon bereit. Margit Pfisterer bespricht mit den Äthiopiern den Ablauf der Kundgebung. Links im Bild ist Eleni Asrat zu sehen. Foto: Arkadius Guzy
Zu den ersten Flüchtlingen, die vor über einem Jahr in die Gemeinschaftsunterkunft nach Hammelburg gekommen sind, gehört eine Gruppe Äthiopier. Nun muss die erste von ihnen mit der Abschiebung rechnen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat den Asylantrag der jungen Frau abgelehnt. Daher wollen die Äthiopier, die sich bisher zurückhaltend verhielten, in die Öffentlichkeit gehen, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen.
Für Donnerstag, 14. August, haben Helfer des "Freundeskreises für Flüchtlinge" mit den Äthiopiern eine Kundgebung organisiert. Sie findet ab 11 Uhr auf dem Marktplatz statt. Auch aus anderen Gemeinschaftsunterkünften, wie beispielsweise Münnerstadt, werden Teilnehmer erwartet.

"Nicht wirtschaftliche Gründe haben mich hierher gebracht", sagt Eleni Asrat. In Äthiopien habe sie Arbeit und Geld gehabt. Aber die Regierung sein nicht demokratisch und lasse keine Kritik zu. Asrat berichtet, dass ihr Vater eine Farm hatte, ihm das Land aber weggenommen wurde - "nur weil er ein Oromo ist".

Die Volksgruppe der Oromo fühlt sich schon seit vielen Jahren von der äthiopischen Zentralregierung marginalisiert und unterdrückt. Wie die Organisation Amnesty International in ihrem Länderreport 2013 dokumentiert, nahmen die Behörden "Mitglieder von Oppositionsparteien und andere tatsächliche oder vermeintliche politische Gegner fest". Dem Bericht nach wurden auch Angehörige der Oromo festgenommen, weil sie angeblich die Oromo-Befreiungsfront unterstützten.

Asrat lebt mit ihrer vierjährigen Tochter Tina in der Asylbewerberunterkunft in Hammelburg. Ihr Mann sei sechs Monate vor ihr geflohen - mit der heute neunjährigen Tochter. In den sechs Monaten hätten die äthiopischen Behörden sie immer wieder verhört, wo ihr Mann sei. Daher verließ auch sie ihr Heimatland. "Ich weiß nicht, wo mein Mann ist. Ich habe nichts von ihm gehört. Es gibt keinen Kontakt", sagt Asrat. Sie müsse immer wieder an ihren Mann und all die Dinge denken.

In großen Städten wie Frankfurt oder Berlin versammelten sich in Deutschland lebende Äthiopier bereits zu Demonstrationen gegen ihre Regierung. Asrat hat Ausdrucke von Fotos in einer Mappe abgeheftet.
"Eigentlich wollte ich mich aus den politischen Dingen heraushalten, aber es geht nicht", sagt Margit Pfisterer vom "Freundeskreis für Flüchtlinge". So hat sie sich in den vergangenen Tagen eingelesen, um den Konflikt und die politische Situation in Äthiopien zu verstehen. Pfisterer ist überzeugt, dass die äthiopischen Flüchtlinge auf ihre Probleme deutlich aufmerksam machen müssen.

Margit Pfisterer, Brigitte Bauer und Dieter Lemmink beschäftigen sich noch mit einem anderen Schicksal: Sie bemühen sich, eine Familie wieder zusammenzubringen, die durch eine Abschiebung getrennt wurde (wir berichteten). Die Mutter sitzt mit drei kleinen Kindern im polnischen Przemysl in Haft. Der Vater ist in Hammelburg.
Eine Anwältin ist eingeschaltet. In ihrem Schreiben an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge spricht sie von unzumutbaren Bedingungen. So sei die Mutter mit ihren Kindern zusammen mit erwachsenen Männern untergebracht. In der Anstalt gebe es keine räumliche Trennung zwischen Familien mit Kindern und erwachsenen Männern und Frauen.

Die polnischen Behörden begründen die Haft mit einem unerlaubten Grenzübertritt von Polen nach Deutschland. Denn im Dezember 2012 war die Familie aus Georgien über Polen nach Deutschland eingereist.
Die Unterstützer aus Hammelburg wollen selber nach Polen reisen, um sich die Einrichtung anzuschauen und Kontakte zu dortigen Hilfsorganisationen zu knüpfen. Daher sind sie auf der Suche nach Geldgebern, die helfen, die Fahrtkosten zu finanzieren.

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