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Wirmsthal
Weinbau

Ethischer Wein aus dem Saaletal

Jungwinzer aus Franken, darunter auch Betriebe aus dem Saaletal, haben sich zu einer neuen Gruppe zusammengeschlossen. Sie wollen nach einem Verhaltenskodex arbeiten und einen besonderen Wein produzieren.
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Ostpreußische Skudden weiden zwischen den Rebstöcken der Wirmsthaler Weinhänge. Foto: Arkadius Guzy
Ostpreußische Skudden weiden zwischen den Rebstöcken der Wirmsthaler Weinhänge. Foto: Arkadius Guzy
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Das Saaletal ist für seine Weinberge bekannt. Auch Schafe sieht man ab und an. Doch eine Herde Schafe im Weinberg ist schon eine ungewöhnliche Kombination. Die Brüder Daniel und Oliver Six vom Wirmsthaler Weinbaubetrieb Six wagen seit dem Wochenende einen Feldversuch.

Sie testen, ob sich Schafe für die Grünpflege im Weinberg eignen. Die Idee dazu hatte Daniel Six, nachdem er einen Bericht über den Einsatz von Schafen im neuseeländischen Weinbau gelesen hatte. "Die Grünpflege in den Steilhängen ist aufwendig", erklärt er. Von den Tieren erhoffen sich die Brüder eine Arbeitserleichterung.

Noch bedeutet die Herde allerdings zusätzliche Anstrengungen, da die beiden Erfahrungen sammeln müssen. So war es gar nicht so einfach die 23, recht scheuen Schafe von einem Hang quer über einen Schotterweg auf die darunter liegende Anbaufläche zu treiben. Die Ostpreußischen Skudden sind zumindest eine robuste und unkomplizierte Rasse, die im Winter auch draußen bleiben kann.

Die Tiere müssen sich in den kommenden Tagen als Weinbergshelfer beweisen. Eine bereits beweidete Silvaner-Lage zeigt dem ersten Augenschein nach viel versprechende Effekte: Der unerwünschte Bewuchs zwischen den Zeilen und am Rebstock ist schön kurz gehalten. Die Schafe haben außerdem die untersten Weinblätter abgenagt, ohne die Trauben anzurühren.

Die Tiere könnten daher helfen, vom umstrittenen Pflanzenschutzmittel Glyphosat wegzukommen. Dies haben sich 13 fränkische Jungwinzer, die sich jüngst zu der "Ethos"-Gruppe zusammengeschlossen haben, unter anderem zum Ziel gesetzt. Das Saaletal ist mit den Jungwinzern der Betriebe Neder, Six, Hümmler, Ruppert und Müller unter den Mitgliedern zahlenmäßig stark vertreten. Die "Ethos"-Gruppe erstellt unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Weinbauverband und der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) einen Verhaltenskodex.

Nachhaltigkeit im Weinbau

Demnach soll auch in Steillagen Glyphosat als Unkrautbekämpfungsmittel langfristig nicht mehr Verwendung finden. "Das geht aber nicht von heut´ auf morgen", sagt Florian Müller. Denn das erfordere zum Beispiel Investitionen in neue Maschinen. Die "Ethos"-Gruppe will ihre Ziele umsetzten und dabei die betriebswirtschaftliche Seite immer mitbeleuchten, erläutert Müller.

Die Standards der "Ethos"-Gruppe decken sich nicht mit den Kriterien des reinen Bioweinbaus. Die Jungwinzer wollen für sich vielmehr einen eigenen Weg finden, wie sie der Nachhaltigkeit Geltung verschaffen können. So umfasst der Kodex neben Vorgaben für den Weinbau und die Kellerwirtschaft auch Themen wie Arbeitsbedingungen sowie soziales und kulturelles Engagement.

"Wir wollen die Weinkulturlandschaft in Franken erhalten, die zur Verfügung stehenden Ressourcen schonen, Biodiversität in den Weinbergen fördern und möglichst umweltschonend saubere, ehrliche und faire Weine erzeugen", zitiert eine Mitteilung den Sprecher der Gruppe, Markus Schmachtenberger aus Randersacker.

Die "Ethos"-Winzer wollen unter Betreuung der LWG aus einem Teil der diesjährigen Ernte einen speziellen Wein produzieren, einen orangen Wein. Dabei handelt es sich um einen Weißwein, der wie ein Rotwein auf Maische vergoren wird. Die Gerbstoffe formen den Charakter des Weines und verleihen ihm eben eine orange Farbe. Der Geschmack geht in eine für einen Weißwein untypische Richtung, sagt Oliver Six. Für den einen oder anderen sei das sicher gewöhnungsbedürftig. Der Ausbau ist ebenfalls besonders: Der Wein hat eine lange Reifezeit. Das gemeinsame Produkt der Jungwinzer ist selbst ein Experiment.
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