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Hammelburg
Geschichte

Erinnerung an den Lebensmittelladen in der Dalbergstraße

Die Dalbergstraße in Hammelburg war einst eine Geschäftsstraße mit zahlreichen Betrieben. Einige wenige Spuren an den Häusern erinnern noch daran.
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Johannes Hofstetter vor dem Gebäude, in dem sein Großvater einen Laden hatte. Foto: Arkadius Guzy
Johannes Hofstetter vor dem Gebäude, in dem sein Großvater einen Laden hatte. Foto: Arkadius Guzy
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Das frisch erneuerte Schild verfehlt seine Wirkung nicht. Erst vor wenigen Tagen hat ihn jemand im Vorbeigehen gefragt, ob das Geschäft noch offen hat, erzählt Johannes Hofstetter. "Ich habe nur geantwortet: Da sind Sie mehr als 50 Jahre zu spät."

So lange gibt es das Lebensmittelgeschäft der Familie Schäfer in der Dalbergstraße nicht mehr. Nur eine Holztafel an der Hausfassade erinnert an den einstigen Laden. Johannes Hofstetters Sohn hat das Schild restauriert, da es verwittert war. Seit etwa zwei Wochen hängt es wieder am Haus.

Josef Schäfer, Johannes Hofstetters Großvater mütterlicherseits, hatte den Laden 1911 als "Colonialwarenhandel" gegründet. Bis 1973 betrieb die Familie das Geschäft. Vor allem die Frauen - die Großmutter und später ihre Töchter - standen hinter der Verkaufstheke, wie Johannes Hofstetter berichtet. Als die Familie das Geschäft aufgab, war er 25 Jahre alt. Johannes Hofstetter erkannte damals, dass eine Übernahme des Betriebs in die eigenen Hände keinen Sinn macht. Es sei die Zeit gewesen, als die Supermärkte aufkamen und die kleinen Lebensmittelläden langsam verschwanden.

Das Geschäft in der Dalbergstraße hatte nur einen Verkaufsraum. Er war laut Johannes Hofstetter etwa 25 bis 30 Quadratmeter groß. Daneben lag ein Raum, der als Büro diente. "Gleichzeitig war es eine Art Wohnzimmer, wo sich ein Teil des Familienlebens abspielte", sagt Johannes Hofstetter.

Im Büro gab es ein Telefon. "Die Leute kamen auch, um bei uns zu telefonieren", berichtet Johannes Hofstetter. Er weiß gut, wie es zu seiner Jugendzeit in dem Laden zuging: Etliche Produkte standen damals noch nicht einzeln verpackt bereit. So mussten Butter und Margarine abgewogen werden. Linsen oder Erbsen lagerten in Holzkisten auf dem Dachboden. "Und wenn jemand mal am Sonntag ans Fenster geklopft hatte, bekam er auch noch etwas."

Die Dalbergstraße, einst "Judengasse" genannt, war einmal eine richtige Geschäftsstraße. Zahlreiche Betriebe wie Bäcker, Metzger, Schuster, Wagner siedelten dort. An der Ecke zur Kissinger Straße gab es in dem Haus, in dem sich heute der asiatische Imbiss befindet, einen Frisörladen. Er gehörte Anton Hofstetter, Johannes Hofstetters Großvater väterlicherseits. Anton Hofstetter war mehr als nur ein Frisör. Er praktizierte bis zum Ersten Weltkrieg noch den Beruf des Baders.

Dabei handelte es sich um eine Art Heilberuf. Bader zogen Zähne. Zu ihren Aufgaben gehörten auch der Aderlass und das Schröpfen, medizinische Anwendungen, die als Allheiltherapie galten. Die Zangen, mit denen die Zähne gezogen wurden, und die Schröpfgläser sind bis heute erhalten geblieben. Als Anton Hofstetter 1963 im Alter von 83 Jahren starb, war er einer der letzten bayerischen Bader.

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