Hammelburg
Bildung

Erfolg mit Ganztagsklasse

Die Mittelschule war vor zehn Jahren die einzige im Landkreis. Seitdem hat sich das Modell an der Schule etabliert.
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Die Bläserklasse (5. Jahrgang) der Ganztagsschule unter der Leitung von Musiklehrerin Martina Bohla. Foto: Sigismund von Dobschütz
Die Bläserklasse (5. Jahrgang) der Ganztagsschule unter der Leitung von Musiklehrerin Martina Bohla. Foto: Sigismund von Dobschütz
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Viel Bewegung, Musik und Projektarbeit im Unterricht der gebundenen Ganztagsklassen versprachen die Lehrer Matthias Luther und Martina Voll am Informationsabend der Hammelburger Mittelschule. Aus zehnjähriger Erfahrung berichteten sie über die Besonderheiten im Vergleich zum traditionellen Regelunterricht. Anmeldungen zum nächsten Schuljahr sind noch bis zum Freitag, 18. März, möglich.
Nach mehr als einjähriger Vorbereitung hatte die Hammelburger Mittelschule im September 2005 mit einer fünften Klasse im gebundene Ganztagsunterricht begonnen. "Wir waren damals die einzige Modellschule im Landkreis", ist Rektorin Ingeborg Hoffmann noch heute stolz auf das gelungene Experiment. "In diesen ersten zehn Jahren hatten wir in jedem Jahrgang eine Ganztagsklasse - von der fünften bis zum Schulabschluss nach der neunten."


Mehr Zeit für mehr

Auch im kommenden Schuljahr soll es wieder eine fünfte Ganztagsklasse geben. Da der Freistaat Bayern für diesen Schulzweig jährlich 6100 Euro für Sonderanschaffungen sowie zwölf zusätzliche Lehrerwochenstunden bezahlt, sind im Unterricht auch zusätzliche Angebote und die Bildung kleinerer Übungseinheiten möglich. "Mehr Zeit für mehr" ist deshalb das Motto der Ganztagsschule.
Vor zehn Jahren hatte sich die Schule für die Bildung einer Bläserklasse im fünften und sechsten Klassenjahrgang entschieden. Jetzt nennt sie sich sogar Musikschule Hammelburg. So war es klar, dass eine Bläserklasse unter Leitung von Martina Bohla gleich zu Beginn des Informationsabends drei Musikstücke bot und die Musiker voller Stolz aus ihrer Arbeit berichteten.
"Nach der Einschulung dürfen wir alle Blasinstrumente ausprobieren", bekamen die Eltern zu hören. Nachdem jeder Schüler drei Favoriten benannt hat, liegt letztlich die Verteilung der Instrumente bei der Musiklehrerin, um ein funktionierendes Orchester zusammenzustellen.
Für zwanzig Euro Leihgebühr pro Jahr erhält jeder Schüler ein Instrument, das er auch zum Üben nach Hause mitnehmen darf. Vier Stunden Musikunterricht gibt es wöchentlich. Voll: "Die Kinder sind mit Begeisterung dabei." Der Lohn für das schulische und auch häusliche Üben sind öffentliche Auftritte. "Musik stärkt das Selbstbewusstsein und Durchhaltevermögen", haben die Lehrer an ihren Schülern beobachtet.
"Selbst Kinder mit ADHS-Diagnose, die sonst nicht stillsitzen können, sind in der Orchesterarbeit konzentriert dabei", hat Luther festgestellt und Kollegin Voll ergänzte: "Musik eröffnet den Kindern neue Horizonte." Dies wirkt sich auch auf andere Unterrichtseinheiten positiv aus.


Viel Sportunterricht

Zusätzlich zum klassischen Unterricht, der überwiegend vormittags stattfindet, gibt es in der Ganztagsschule nachmittags neben Musik auch viel Sport- und Schwimmunterricht, sogar Mountainbiking, Kunst und Werken und Projektarbeit in freier Natur oder Leseförderung in Zusammenarbeit mit dem Buchhandel. Auch Einführung in den sicheren Umgang mit modernen Medien und sozialen Netzwerken steht auf dem Lehrplan. "Schule ist nicht nur Spaß, aber der Spaß gehört dazu", ist für Matthias Luther wichtig. Seit zehn Jahren betreut er an der Mittelschule die Ganztagsklassen.


Bessere Verbindung zu Schülern

Beiden Lehrkräften war am Informationsabend die Begeisterung für den Ganztagsunterricht anzumerken. "Wir sind mit den Schülern länger zusammen und haben größeren pädagogischen Einfluss", meinte Luther, und Voll ergänzte: "Durch das längere Beisammensein können wir eine viel bessere Verbindung zu den Schülern aufbauen." Auch die Schüler haben mehr davon: "Die Klassen sind eingeschworene Gemeinschaften und machen viel zusammen, auch freiwillig."
Umfragen bei Schülern bestätigen dies: "Meine Leistungen wurden besser." Oder: "Hier findet man schneller Freunde." Eltern haben ähnliche Erfahrungen. "Mein Kind ist ausgeglichener." Oder: "Mein Kind lernt freiwillig." Zustimmendes Gelächter kam in der Aula auf, als die Bemerkung fiel: "Wir haben keinen Stress bei den Hausaufgaben."
Denn schriftliche Hausaufgaben werden schon nachmittags in der Schule unter fachlicher Betreuung der Lehrer gemacht. Zuhause müssen allenfalls noch Vokabeln gelernt oder das neue Stück auf dem Instrument geübt werden. Aber auch darin sieht Martina Voll nur Gutes: "Am Weihnachtsabend kann ihr Kind schon ein Lied vorspielen."
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