Engenthal
Brauchtum

Entlang der Gemeindegrenzen

Einen großen Zuspruch fand der Grenzgang in Engenthal bei der Bevölkerung. Begleitet von Anekdoten und Geschichten wanderten die Teilnehmer durch Wald und Flur. Auch die Folgen des trockenen Sommers wurden dabei diskutiert.
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Rund 60 Mitwanderer beteiligten sich am interessanten Grenzgang in Engenthal, dem kleinsten Ortsteil des Marktes Elfershausen.  Foto: Winfried Ehling
Rund 60 Mitwanderer beteiligten sich am interessanten Grenzgang in Engenthal, dem kleinsten Ortsteil des Marktes Elfershausen. Foto: Winfried Ehling
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Mit rund 60 Teilnehmern zählte der Grenzgang im kleinsten Ortsteil des Marktes Elfershausen eine erstaunlich gute Beteiligung. Den Zustand von Wald und Flur nach der Trocken- und Hitzeperiode der vergangenen Wochen bewertet Ortssprecher Johannes Krumm dennoch als "gut".
"Dürreschäden waren kaum ersichtlich. Doch die Eichelmast wird heuer gering ausfallen", glaubt er mit einem Blick auf das sich braun färbende Laub der Eichen. Nicht so optimistisch ist sein Kollege, der Sulzthaler Feldgeschworene, Willi Diez. "Die Auswirkungen des Extrem-Sommers zeigen sich erst später", vermutet er. "Ich habe an den Randgebieten der Sulzthaler Gemarkung fast entlaubte Buchen gesehen", argumentiert der erfahrene "Siebener".
Feldgeschworene und Jagdgenossen aus Engenthal richteten den Grenzgang aus. Ein Thema der Grenzwanderung war auch die durch den Landtausch mit der Trimburg-Straße verursachten Änderungen bei der Gemarkungs-Wanderung. Nach Krumms Aussage bleibt die Jagdangliederungsgenossenschaft Engenthal bestehen, der rund 183 Hektar große Jagdbogen erhalten. "Der jetzt im staatlichen Besitz befindliche Weg darf von Waldbesitzern und der Öffentlichkeit mit genutzt werden", sagte er.


Zwei Gemarkungen

Die Engenthaler, die alle fünf Jahre einen Grenzgang absolvieren, gehören zu den wenigen Gemeinden, die zwei Gemarkungen abschreiten, denn sie verfügen über eine ca. elf Hektar messende Wald-Enklave auf Machtilshausener Gebiet, das "Martsholz". Wie es dazu kam, weiß der in der Geschichte des Marktes beschlagene Alt-Bürgermeister Otmar Pfister.
Demnach erhielt Engenthal im 15. Jahrhundert von der Äbtissin Martha des Nonnenklosters bei Trimberg die Waldfläche, die noch heute ihren Namen trägt. Der Wald war seinerzeit eine gute Einnahmequelle für die kleine Gemeinde. Im Jahr 1845 entspannen sich allerdings Streitigkeiten mit der Gemeinde Machtilshausen um das begehrte Gut, die die beiden Parteien in einem Prozess vor dem Landgericht Euerdorf austrugen.
Nach Hinzuziehung des Trimberger Feldgerichts und einer gründlichen Inspektion der Gemarkungssteine wurde die Fläche der Gemeinde Engenthal zugesprochen, Machtilshausen musste die Prozesskosten tragen, schrieb der damalige Engenthaler Bürgermeister, Edmund Webert nieder.


Stauchen der Neulinge

Der Weg der Grenzwanderer führte nach der Begrüßung der einheimischen Feldgeschworenen am Orts-Grußstein zunächst zur Flur "Hefenstall" und damit zu den Dreimärkern mit Trimberg und Euerdorf und Euerdorf und Sulzthal. Nächstes Ziel war der Dreimärker mit Sulzthal und Machtilshausen in der Gemarkung "Seifenthal".
Dabei erfuhr Bürgermeister Karlheinz Kickuth, der erstmalig diesen Grenzgang absolvierte, wo sein "Hoheitsgebiet" endet. Auch Vize-Bürgermeister Jürgen Englert musste sich dem "Stauchen" unterziehen. Nach einer Kaffeepause am "Braunsberg" lief die bunte Schar den letzten Dreimärker an der Grenze zu Machtilshausen und Trimberg an um dann ihre vierstündige Exkursion mit einem gemütlichen Beisammensein in der Gaststätte "Zur Linde" ausklingen zu lassen.
Ein markanter Punkt auf dem Weg sei jedoch noch erwähnt, der "Valentinus". Die Rundsäule am Weg zwischen der Trimburg und dem Sulzthaler Sportplatz, die der damalige Ortsvorsteher Johann Webert 1848 stiftete weil sie ihm das Leben rettete. Wohl dem, der einen profunden Hobby-Historiker und Sagenerzähler wie Otmar Pfister hat. Er klärte auf, was es mit dem Dank-Flurkreuz auf sich hat.
Demnach betrieben die bösen Buben des "Füchsa-Schneiderle" in Engenthal öfter Wildfrevel. Mehrmals vom Ortsvorsteher verwarnt, ließen sie von ihrem Tun nicht ab und Webert musste sie schließlich anzeigen. Darüber erbost, schworen sie dem Ortsvorsteher blutige Rache. Der musste eines Abends einen Besuch beim Euerdorfer Amt machen, was die Frevler erfuhren und ihm auflauerten. Der Bürgermeister hörte von dem geplanten Anschlag, änderte seinen Weg und entkam dem sicheren Tod. Aus Dankbarkeit ließ er den Bildstock errichten.



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