Gauaschach

Emmaushof Gauaschach ist offen für Flüchtlinge

Die Stadt soll eine zweite dezentrale Unterkunft bekommen - diesmal in Gauaschach. Für den Ortsteil wäre es nicht das erste Mal, dass er Fremde aufnimmt.
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Der Emmaushof soll Flüchtlinge beherbergen. Foto: Arkadius Guzy
Der Emmaushof soll Flüchtlinge beherbergen. Foto: Arkadius Guzy
Bald leben nicht nur in Hammelburg selbst, sondern auch in einem der Stadtteile Flüchtlinge. Der Landkreis will den sogenannten Emmaushof in Gauaschach als dezentrale Unterkunft anmieten. Das bestätigte Stefan Seufert auf Nachfrage. Der Leiter der Koordinierungsstelle für Asylangelegenheiten am Landratsamt Bad Kissingen sprach von etwa 14 Personen, die dort untergebracht werden können.

Das Gebäude steht schon seit etwa vier Jahren leer. Die Räume sind möbliert, sodass die Flüchtlinge ohne Weiteres einziehen können. Es gab bereits eine Besichtigung durch das Landratsamt, wie Seufert erklärte. Er ging davon aus, dass die ersten Bewohner Ende Februar kommen könnten, wenn alles geregelt ist.

Für Mittwoch, 11. Februar, kündigte Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) daher eine Informationsveranstaltung für die Bürger an. Sie findet ab 19 Uhr im Sportheim in Gauaschach statt. Am vergangenen Dienstagabend stellte Ingrid Pollak, Vorsitzende des Vereins "Emmaushof Gauaschach", das Haus schon einmal den Vereinsvorsitzenden aus dem Ort vor. Ziel der Sitzung war es auch, um Unterstützung der Flüchtlinge zu werben.

Zuhause für Ex-Strafgefangene

Der Verein "Emmaushof Gauaschach", 1998 gegründet, hatte das Haus als Wohngemeinschaft für ehemalige Strafgefangene eingerichtet. Diese sollten durch Leben und Mitarbeiten auf dem Hof resozialisiert werden, also in der Gesellschaft wieder Fuß fassen.

Nach Angaben von Pfarrer Edwin Erhard nutzten über die Jahre etwa 60 Menschen den Emmaushof als Chance zur Eingliederung. Pfarrer Erhard betreute die Bewohner bereits, als er noch Gefängnisseelsorger in Würzburg und Schweinfurt war. Nicht allen ist es in ihrem späteren Leben gelungen, straffrei zu bleiben, berichtete der Pfarrer auf Nachfrage. Er bezeichnete den Emmaushof dennoch als Erfolgsgeschichte.

Doch in der jüngsten Vergangenheit gab es immer weniger Interessenten und zuletzt war der Emmaushof unbewohnt. Das liegt wohl daran, dass Menschen mit einer Straf- und Gewaltbiografie, die keine Arbeit und vielleicht auch keinen Führerschein haben, in einem städtischen Umfeld mehr Möglichkeiten finden, ein geregeltes Leben zu führen. Daher bemühen sich die Verantwortlichen des Trägervereins, den Emmaushof neu zu beleben.
Mit der Unterkunft für Flüchtlinge eröffnet sich nun eine Nutzung, die zudem zum christlichen Selbstverständnis des Vereins passt. Für die künftigen, neuen Bewohner von Gauaschach müssen sich im Ort ehrenamtliche Helfer finden. Für den Hammelburger Freundeskreis für Flüchtlinge wäre eine Betreuung schon allein wegen der Distanz zu viel. Erste Ansätze gibt es in Gauaschach bereits.

Lehrerhaus als Zufluch

So kündigte Pfarrer Erhard an, sich um die Flüchtlinge im Emmaushof kümmern zu wollen. "Ich wohne schließlich in der Nachbarschaft", sagte er. Wichtig sei, dass die Gauaschacher einbezogen werden, damit die Flüchtlinge gut aufgenommen werden. Der Pfarrer äußerte sich zuversichtlich: "Es wird klappen."

Für Gauaschach wäre es ja nicht das erste Mal, dass in dem Ort Asylbewerber ein Zuhause finden. Bereits 1988 waren Flüchtlinge im damals noch existierenden Lehrerhaus untergebracht. Es waren unter anderem Kurden aus der Türkei, wie der frühere Ortssprecher Johann Liegl anhand alter Zeitungsberichte zu berichten weiß.



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