Hammelburg
Geschichte

Eine 1000-jährige Beziehung

Der Fuldaer Geschichtsverein besuchte Hammelburg, um Zeugnisse und Begebenheiten der langen Beziehung zwischen Fulda und Hammelburg zu erkunden.
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Cornelia Mence, Kreisheimatpflegerin, führte durch den jüdischen Friedhof in Pfaffenhausen. Fotos: Elli Böck
Cornelia Mence, Kreisheimatpflegerin, führte durch den jüdischen Friedhof in Pfaffenhausen. Fotos: Elli Böck
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40 geschichtsinteressierte Fuldaer hatten sich am vergangenen Wochenende auf den Weg nach Hammelburg gemacht, um Zeugnisse und Begebenheiten der über 1000-jährigen Beziehung zwischen Fulda und Hammelburg zu erkunden. Mit dabei Dr. Thomas Heiler, 2. Vorsitzender des Vereins und Leiter des Fuldaer Kulturamts, sowie sein Vorgänger im Amt, Dr. Werner Kirchhoff.
Bürgermeister Armin Warmuth empfing die Gäste am Morgen bei einem Glas Jubiläumswein im Rathaus. "Es ist mir eine besondere Freude", so Warmuth, "denn mir ist es wichtig, die Beziehung zu Fulda lebendig zu halten." Lang, sehr lang spielte Fulda eine tragende Rolle in der 1300 Jahre langen Geschichte der Saalestadt und hat diese entscheidend geprägt.


Ähnliches Wappen

Freudiges Erstaunen auch in den Gesichtern mancher Gäste beim Anblick des Hammelburger Wappens im Rathaus. "Der Unterschied liegt im Detail", so Dr. Heiler, "beim Fuldaer Wappen entspringen die drei weißen Lilien aus einem Hügel, hier in Hammelburg aus drei Erhebungen - und zwei der Lilien kreuzen sich."
Im Anschluss führte Cornelia Mence, Kreisheimatpflegerin im Landkreis Bad Brückenau, durch den jüdischen Friedhof Pfaffenhausen. Erstmals urkundlich erwähnt wird der Verbandsfriedhof in der Fuldaer Judenordnung von 1586. Heute sind verschiedene Epochen aufgrund der Lage und der Grabsteine zu erkennen, aber auch Grabstellen von bestimmten gesellschaftlichen Gruppen auszumachen. So weist das Symbol der segnenden Hände beispielswiese auf die Abstammung vom Priestergeschlecht der Kohanim hin.
"Manche Zusammenhänge lassen sich aber bis heute nicht klären, dazu bräuchten wir einen Hebraistiker, jemanden, der das Hebräische beherrscht", so Mence. Die Dokumentation der Inschriften wäre bei weit über 1000 Gräbern allerdings ein immenses Unterfangen.


Amtsburg der Fuldaer Äbte

Vor dem Mittagessen auf Schloss Saaleck führte Elli Böck die Gäste noch zur Kreuzigungsgruppe am höchsten Punkt des Kapellenkreuzweges und erläuterte die Besonderheiten des aus dem Jahr 1733 stammenden Andachtsweges. Ausführende Künstler waren der Hammelburger Bildhauer Johann Jakob Faulstieg und der Franziskanerbruder Wenzeslaus Marx aus Leitmeritz. Beide waren nach Fertigstellung des Hammelburger Kreuzweges noch andernorts im Gebiet der Fürstabtei Fulda tätig.
Auch eine kurze Einführung zur Geschichte von Schloss Saaleck durfte nicht fehlen, denn die Burg wurde wohl Mitte des 12. Jahrhunderts als Amtsburg der Äbte aus Fulda erbaut. Einige der Landesherren haben dort bis heute sichtbare Spuren hinterlassen. Balthasar von Dernbach, der aufgrund der Wirren in der Reformationszeit nicht gut auf Hammelburg zu sprechen war. Joachim von Graveneck, der auch die Bedachung auf dem Marktplatzbrunnen errichten ließ. Bernhard Gustav von Baden-Durlach, der den Grundstein zur Antoniuskapelle in der Klosterkirche setzte und der 1677 jung in Hammelburg verstarb. Und natürlich der Abtstellvertreter Salentin von Sintzig, der viele Jahre auf Schloss Saaleck lebte, und der in der Klosterkirche bestattet ist.
Am Nachmittag erwartete die Gäste aus Fulda noch eine unterhaltsame Schlenderweinprobe mit Manfred Scheller. Natürlich stand auch hier das Interesse an historischen Verbindungen im Vordergrund. Das Kellereischloss, Sommerresidenz der Fürstäbte, erbaut unter Adolph von Dalberg, die Stadtbefestigung mit Türmen und die katholische Stadtpfarrkirche St. Johannes sind sichtbare Zeugnisse einer bewegten Vergangenheit.
Und heute wie damals spielt der Wein eine wichtige Rolle. Denn schließlich wurde einst viel Wein in das Fuldaer Gebiet geliefert. Den "Trautlestaler" kennen noch heute viele Fuldaer. Selbstverständlich hatte Manfred Scheller einen Wein aus dieser Lage dabei, stilvoll kredenzt in der Hammelburger Stadtpfarrkirche.
So bedauerte der eine oder andere Teilnehmer mit einem Augenzwinkern am Ende des Tages die politische Entwicklung und die damit verbundene Trennung von Hammelburg und Fulda. Aber Hammelburger Wein wird auch heute noch in Fulda getrunken, und die beiden Städte sind gerade mal eine Autostunde voreinander entfernt. "Wir kommen wieder!", waren sich deshalb viele der Teilnehmer sicher. Elli Böck
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