Reith
Konzert

Ein Genuss für Jazzfreunde

Joey DeFrancesco aus den USA und Matthias Bublath aus München gastierten auf der Piano-Bühne in Reith.
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Joey DeFrancesco  Foto: Oschmann
Joey DeFrancesco Foto: Oschmann
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Gleich zwei musikalische Leckerbissen bot die Piano-Bühne Kleinhenz: Joey DeFrancesco aus den USA und Matthias Bublath aus München - beide absolute Könner an der legendären Hammond B3-Orgel. Diese Musiker wissen die Orgel zu behandeln, dass es eine Freude ist.
Die exzellente Besetzung beider Trios, auch an Jazzgitarre und Schlagzeug, machte den Abend zu einem absoluten Genuss für alle Jazzfreunde. Und diese waren teilweise von weit her nach Reith gekommen, um sich den einzigen Auftritt des Amerikaners in Deutschland nicht entgehen zu lassen.
Joey DeFrancesco - der Mann ist eine Wucht: Eben, bei "Mack the Knife", hat die Hammond B3 noch gefaucht wie eine gefährliche Raubkatze. Jetzt lässt sie sich streicheln von einem supersanften Schlagzeug (Jason Brown) und umschmeichelt die Stimme von Joey DeFrancesco. Ja, zwischen den Instrumentalstücken singt er auch ein Liebeslied: "The Touch of your Lips" von Ray Noble. Doch das Sanfte wandelt sich und wächst sich plötzlich zu einem gewaltigen Sturm aus. Das Leslie dreht auf Hochtouren, das Tempo wird atemberaubend. Wie in einem überdimensionalen Kochtopf rührt Joey DeFrancesco mit seinen Händen am Spieltisch, stößt ab und an einen Schrei aus. Abwechselnd nutzt er den Fußbass oder die linke Hand am unteren der beiden Manuale. Der Mann zieht alle Soundregister.

Virtuoser Wettstreit

Dann wieder tritt der Tastenspieler mit seinem Gitarristen Dan Wilson in einen Dialog, provoziert ihn mit unmöglichen Läufen als Vorgabe. Doch der lässt sich darauf ein und setzt mit kreativer Coolness und unglaublicher Fingerfertigkeit etwas dagegen - ein symbiotischer Wettstreit zweier Virtuosen. Was für ein hervorragender Gitarrist Dan Wilson ist, darf er auch zeigen, als ihm und seiner Gitarre die Bühne einmal ganz alleine gehört - ein weiterer Glanzpunkt an diesem Abend.
Das Stück "Just Friends" beginnt DeFrancesco mit perkussivem Sound an der B3 und überlässt es seinem Drummer, die jeweils angefangene Melodiezeile zu vollenden. Jason Brown spielt ein knackiges Schlagzeug, dynamisch sehr variabel und tempofest zaubert er mit seinen Sticks. Und dann wird DeFrancesco zum Wüstenfuchs, holt arabische Klänge hervor und lässt am Ende ein Vöglein zwitschern: phantasievolle Soundeffekte anstelle unnötiger Showeffekte, jedoch alles präsentiert mit einer gehörigen Portion Verschmitztheit.
Dass das Matthias Bublath-Hammond-Trio als Vorgruppe angekündigt war, sollte man nur zeitlich sehen: Sie haben vor den anderen gespielt. Doch Matthias Bublath an der Hammond-Orgel, Christian Lettner am Schlagzeug und Titus Vollmer an der Gitarre sind ebenso herausragende Musiker. Und sie schafften es auf Anhieb, mit Bublaths Eigenkompositionen wie "M100", "8-Zylinder" oder "Heavy Fever" einen unglaublichen Groove in die Halle zu bringen. Fast unmöglich also, als Zuhörer einfach still da zu sitzen.
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