Oberthulba

Digitale Geländemodelle verschaffen Durchblick

Ralf Obst vom Landesamt für Denkmalpflege stellte ehrenamtlichen Denkmalpflegern moderne Methoden vor, wie Bodendenkmäler digital erkannt werden.
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Über die neueste Technik informierten sich Hobby-Archäologen in Oberthulba.  Foto: Melanie Hofmann
Über die neueste Technik informierten sich Hobby-Archäologen in Oberthulba. Foto: Melanie Hofmann
Was machen Hobby-Archäologen, wenn es schneit und sie nicht draußen nach Relikten längst vergangener Zeit suchen können? Sie bilden sich weiter. Im Computerraum der Volksschule in Oberthulba stellte Dr. Ralf Obst vom Landesamt für Denkmalpflege 12 ehrenamtlichen Denkmalpflegern aus dem Landkreis Bad Kissingen moderne Methoden vor, wie Bodendenkmäler digital erkannt, erfasst und erlebt werden können.


Per Flugzeug vermessen

Seit 2006 wird der Freistaat per Flugzeug digital vermessen. Grundlage hierfür vor allem ist das so genannte Airborne Laserscanning (ALS), wobei ein Laser die Entfernung zu allen erfassten Objekten am Boden durch die Messung der Laufzeit des Signals scannt und registriert. Die detaillierten Höheninformationen werden in einer digitalen Geländekarte abgebildet. Dargestellt werden alle messbaren Reliefunterschiede, die obertägig erfassbar sind. Das Programm rechnet Oberflächenbewuchs, wie Bäume, weg, was Hinweise darauf liefert, was sich etwa im Wald auf dem Erdboden verbergen kann. Die Daten werden immer genauer und immer besser, so dass ein sehr detailliertes Bild der Geländeoberfläche besteht, was der Bodendenkmalpflege und der Kulturlandschaftsforschung völlig neue Erkenntnismöglichkeiten bietet. "Durch den Geländescan zeigt sich einmal mehr, wie groß die Dunkelziffer an Bodendenkmälern überhaupt ist", stellt Dr. Obst fest, der die ehrenamtlichen Denkmalpfleger in Franken und der Oberpfalz fachlich betreut, berät und weiterbildet. "Wir schätzen, dass wir erst 1/5 unserer Bodendenkmäler überhaupt kennen. Umso besser die Technik wird, umso mehr Erkenntnisse erhalten wir über unsere Vergangenheit", erklärt der Experte.
Auch Laien können, Dank der leichten Verfügbarkeit der Daten im Netz, auf die Suche nach obertägig erhaltenen archäologischen Relikten gehen. Dr. Obst zeigt den Schulungsteilnehmern im Internet verschiedene Plattformen, die solche Informationen liefern: Kostenfrei ist zum Beispiel der Bayerische Denkmal-Atlas oder der Bayern-Atlas. Kostenpflichtige Schummerungskarten sind z. B. im Bayern-Atlas-plus erhältlich. Dieses Programm liefert zum Teil detaillierte Einblicke in das Terrain, die bei der Denkmalerfassung, Forschung, dem Abgleich mit Denkmaldaten, zur Vorbereitung von Projektplanungen oder Begehungsprojekten entscheidende Hilfestellung bieten.


Hügelgrab oder Holzstoß?

Dr. Obst erklärt, dass es für die Fundmeldung - trotz der modernen Technik - notwendig ist, dass das mögliche Bodendenkmal vor Ort begutachtet wird, um Fehlerquellen auszuschließen. Ist der Denkmalpfleger tatsächlich auf etwas gestoßen, muss er den Fund vermessen, beschreiben und fotografieren. Je besser und detaillierter die Fundmeldung beim Landesamt für Denkmalpflege eingeht, umso schneller kann das neue Bodendenkmal registriert und somit besser geschützt werden.
Wer Lust hat, im Landkreis Bad Kissingen selbst aktiv zu werden, der kann sich gerne mit Kreisheimatpfleger Roland Heinlein, Tel.: 09736/ 1277 in Verbindung setzen. Etwa einmal im Jahr findet eine gemeinsame Schulung, Begehung beziehungsweise Weiterbildung mit Dr. Ralf Obst statt. red

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