Hammelburg

Die letzten Kriegstage in Hammelburg

Vor 70 Jahren, am 7. April 1945, endete für Hammelburg der Zweite Weltkrieg. Die Stadt entging mit viel Glück und dank des Mutes eines Mannes einer verheerenden Zerstörung.
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Heribert Schilling mit einem schweren Splitter der Granate, die am 6. April 1945 in die Hausecke einschlug. Foto: Arkadius Guzy
Heribert Schilling mit einem schweren Splitter der Granate, die am 6. April 1945 in die Hausecke einschlug. Foto: Arkadius Guzy
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Als am 7. April 1945 die US-Army die Stadt übernahm, kam Hammelburg trotz einiger beschädigter Gebäude glimpflich davon. Denn die Zerstörungen hätten weit schlimmer ausfallen können.

Das Vorspiel zu den für Hammelburg so entscheidenden Kriegstagen fand bereits am 27. März statt. Zum ersten Mal näherten sich damals amerikanische Soldaten der Stadt. Eine Panzerabteilung unter Captain Abraham Baum war von Aschaffenburg über Lohr und Gemünden vorgestoßen, um die Kriegsgefangenen, darunter den Schwiegersohn von General George Patton, zu befreien.

Auf ihrem Weg ins Lager sahen sich die Amerikaner einer Abteilung deutscher Panzerjäger gegenüber, die sich an der Diebacher Straße positioniert hatten. Der gegenseitige Beschuss beschädigte Gebäude am Südrand der Stadt, wie die Chronik "Die letzten Kriegstage 1945 in Hammelburg" von Studienprofessor Dr. Greger berichtet.

Bombe schlägt im Pfarrhof ein

Baums Trupp musste nach dem Angriff auf die Lagerbesatzung letztlich den Rückzug antreten. Wenige Tage später waren allerdings die ersten Anzeichen zu erkennen, dass die Wehrmacht sich in Auflösung befand. Die Pfarrchronik des damaligen Stadtpfarrers Franz Mahr spricht von "bunt durcheinander gewürfelten" Soldaten, die durch Hammelburg zogen. Das Regime gab sich dennoch unerbittlich: Ein junger Feldwebel wurde unweit des Klosters Altstadt wegen angeblicher Desertion ohne Gerichtsurteil erschossen, auch wenn er seine Unschuld immer wieder beteuert hatte.

Für den 4., 5. und 6. April vermeldet Gregers Schrift Fliegeraktivitäten. Eine Bombe schlug im Hof des Pfarrhauses ein. Den Rückzug der Wehrmacht flankierten deutsche Sprengkommandos. Sie zerstörten mehrere Brücken über Thulba und Saale. Ein Kommando sprengte auch einen Teil der mittelalterlichen Saalebrücke am Stadteingang von Hammelburg.

Die letzten Wehrmachtssoldaten zogen am 6. April ab. Die Amerikaner nahmen auf dem Lagerberg und zwischen Hammelburg und Untererthal Stellung ein. Noch am Abend begannen sie mit dem Beschuss der Stadt. Die erste Panzergranate traf das Elternhaus von Heribert Schilling am Marktplatz. "Unser großes Glück war, dass die Granate auseinanderbrach und nicht explodierte", erzählt Schilling.

Abordnung soll Stadt übergeben

Die Stücke blieben im Bruchsteinmauerwerk stecken. Bei der Instandsetzung kamen sie später zum Vorschein. Schilling, einer der wenigen, noch lebenden Zeitzeugen der damaligen Tage, berichtet: " Das gelbliche Pulver lag offen daneben. Mit anderen Buben zusammen legten wir das Pulver der halben Gasse entlang und zündeten es an. Wie bei einer Zündschnur zischte das Feuer." Einen großen Splitter der Granate hat Schilling als Erinnerungsstück bis heute aufgehoben.

Nach dem ersten Beschuss brach sich in der Nacht vom 6. auf den 7. April in der Stadt die Erkenntnis Bahn, dass eine Abordnung zu den Amerikaner geschickt werden muss, um die Stadt zu übergeben und so weiteren Zerstörungen vorzubeugen. Doch Bürgermeister Clement zögerte. Auch fand sich keiner, der den Auftrag übernehmen wollte. Alle Vorgeschlagenen lehnten ab.

Da erklärte sich der städtische Angestellte Ludwig Kirchner bereit, zu den Amerikanern hinaus Richtung Untererthal zu gehen. Kirchner konnte Englisch. Zwei Gefangene begleiteten ihn. Mit der Übergabe der Stadt endete der Krieg für die Hammelburger in der Nacht vom 6. auf den 7. April. Wie sich herausstellte standen die Amerikaner kurz davor, die Stadt massiv unter Beschuss zu nehmen.

Die amerikanische Armee beschlagnahmte mehrere Gebäude und quartierte sich in der Stadt ein. Die Gaststätte "Goldener Pflug" wurde das Lokal der amerikanischen Soldaten, wie sich Helmut Leidner erinnert. Damals habe er die ersten Worte englisch gelernt: "Give me chocolate - and cigarettes for my dad." Bis die Kaserne renoviert wurde, campierten die Soldaten auch auf den Saalewiesen, weiß noch Josef Kirchner. "Wir hatten bis Oktober schulfrei und verbrachten die Zeit bei den Amis."

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