Oberthulba
Asyl

Die Unterstützung im Ort ist groß

In Hassenbach sind viele engagierte Helfer im Einsatz für die Flüchtlinge. In einer Informationsveranstaltung hatten Bürger Gelegenheit, Fragen zu stellen.
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Auch zur aktuellen Flüchtlingssituation gab es in der Veranstaltung Informationen. Foto: Nicolas Armer, dpa/Archiv
Auch zur aktuellen Flüchtlingssituation gab es in der Veranstaltung Informationen. Foto: Nicolas Armer, dpa/Archiv
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Seit Oktober 2015 haben Flüchtlinge aus Aghanistan und Syrien in Hassenbach und Hetzlos eine Bleibe gefunden. Jetzt hatten Bürgermeister Gotthard Schlereth (CSU / FW) und CSU-Ortsvorsitzender Mario Götz in den Pfarrsaal eingeladen, um nicht nur eine erste Bilanz zu ziehen, sondern auch um mit Hintergrundinformation Ängste und Vorurteile abzubauen sowie den engagierten Helfern zu danken. Der Saal war mit Bürgern aus dem gesamten Gemeindebereich des Marktes Oberthulba gut gefüllt.
"Für die Flüchtlinge ist es vor allem wichtig, die deutsche Sprache zu erlernen", sagte Schlereth. Denn erst mit der Möglichkeit der Verständigung könne man sich weiterbilden und nach einer qualitativen Arbeit Ausschau halten. Auch Pünktlichkeit zu lernen sei in Deutschland angesagt, so Schlereth. Zu einem vereinbarten Termin haben er und einige Mitarbeiter des Rathauses vergeblich auf die Flüchtlinge gewartet. Zumutbar seien drei Kilometer Anmarsch für den Einkauf im Supermarkt.


Viele Spenden

Die Betreuungsfunktion für die im ehemaligen Gasthaus Schmitt (Hassenbach) untergebrachten rund 60 Flüchtlinge hat Hausmeister Thomas Emmert. "Es klappt sehr gut in Hassenbach und die Spendenfreudigkeit der Anwohner ist hoch", bestätigt er der Zeitung. Klar, mit der Verständigung klappe es noch nicht immer. Manche sprächen Englisch. Gemeinsames Kochen aber sei schon im Programm gewesen und der Helferkreis kümmere sich um die Schulkinder beim Deutsch-Lernen. "Die Leute sind sehr motiviert und wollen lernen", sagt Emmert. Zum Teil seien die Großfamilien über mehrere Ortschaften aufgeteilt. Angenehme Erfahrungen hat auch die ehrenamtliche Helferin Karin Frank gesammelt. "Vor allem die Gastfreundschaft ist phänomenal", sagt sie. Von dem, was man gebe, komme auch viel zurück.
Zur aktuellen Flüchtlingssituation und die damit verbundene Herausforderung an die Bevölkerung nahm Stefan Seufert Stellung. Er ist der Integrationsbeauftragte des Landratsamtes Bad Kissingen und hat aktuelle Zahlen bei der Hand. Rund 60 Millionen Flüchtlinge weltweit, 1,5 Millionen deutschlandweit, etwa 230 000 bayernweit und rund 1200 bis 1300 Flüchtlinge im Landkreis meldete Seufert. Der Landkreis Bad Kissingen sei in den vergangenen beiden Jahrzehnten um etwa 10 Prozent geschrumpft und drohe in ein paar Jahren unter die 100 000-Einwohnermarke zu sinken, erläuterte er weiter.
Ja, diese Zuwanderungswelle bringe einen Veränderungsprozess in die deutsche Gesellschaft, bestätigte Seufert. Allerdings sei die Flüchtlingskrise auch eine Chance zur Entbürokratisierung. "Die erste Welle mit der Frage nach der Unterbringung haben wir im Griff. Jetzt kommt die zweite Welle mit der Integration", so Seufert. Das sei eine bewältigbare Herausforderung für beide Seiten, sowohl für die Flüchtlinge als auch für die Anwohner. "Die Bevölkerung hat ein Recht auf entsprechende Information", sagte Seufert. Integration umfasse aber mehr als Sprachkurse und Arbeit.


Wohnungssuche und Schulbesuch

Nach Anerkennung des Bleibe-Status stehe eine Wohnungssuche der Flüchtlinge an, die nicht ohne Hilfe der Einheimischen möglich sei. Weiterhin folgen für die Kinder je nach Alter Kindergarten und Schule. Auch der Aspekt der gemeinsamen Freizeitgestaltung (zum Beispiel Sport) sei wichtig. "Wann ist ein zugereister Deutscher in seinem neuen Dorf integriert?", gab Seufert im Gegenzug zu bedenken.
Die Zuhörer machten sich Gedanken über eventuelle Langzeit-Arbeitslosigkeit der Zugewanderten, über die Disziplin der Flüchtlingsjugend und über mögliche Kriminalität. "Die Flüchtlinge machen uns aber auch bewusst, wie schlecht die Infrastruktur in unseren Dörfern ist", stellte eine Zuhörerin fest. Besonders alte Menschen ohne Auto hätten ein Problem, zum Arzt oder in den Supermarkt zu kommen. "Die Flüchtlingskinder fühlen sich hier wohl und lernen schnell Deutsch", so ein anderer.
"Wir müssen einen gangbaren Weg finden", nahm Schlereth zu den Ängsten und Vorbehalten mancher Vermieter Stellung. Im Bereich Sicherheit sei alles im grünen Bereich, meldete Alfons Hausmann für den Landkreis Bad Kissingen. Der Chef der Polizeiinspektion Hammelburg ist zugleich Vorsitzender des Arbeitskreises Innere Sicherheit. "Es sind zu 90 Prozent arme Leute in Not", sagte Hausmann. Klar, wegen des Personalmangels gebe es bundesweit einen Stau der Antragsbearbeitung. Anders als zum Beispiel in Frankreich sei die Polizeiarbeit in Deutschland dezentrale Ländersache, was den Datenaustausch erschwere. Applaus erhielt ein Zuhörer, der sich für praktische Lösungen vor allem für die Flüchtlingskinder stark machte, statt endloser politischer Diskussionen.

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