Trimberg
Fortsetzung

Die "Nacht der Poesie" auf der Trimburg geht weiter

Die beliebte Veranstaltung "Nacht der Poesie" auf der Trimburg geht weiter. Ein Jahr nach dem Tod des Begründers Rudolf Herget übernimmt ein Theaterschauspielerpaar aus der Region die Rolle des Rezitators.
Artikel drucken Artikel einbetten
Peter Hub von der Theatergruppe der Disharmonie tritt an die Stelle von Rudolf Herget. Foto: Winfried Ehling
Peter Hub von der Theatergruppe der Disharmonie tritt an die Stelle von Rudolf Herget. Foto: Winfried Ehling
+1 Bild
Peter Hub und Christine Hadulla von der Schweinfurter Disharmonie sind vielen der rund 220 Besuchern durch die Theateraufführungen auf der Trimburg bekannt. Erst unlängst in drei Vorstellungen von Curt Götzes "Ingeborg" zu bewundern, nehmen sie die Stelle des verstorbenen "Erzählers der Nacht" ein. Die beiden haben im Gegensatz zu Herget kein Motto gewählt. Sie tragen ausgesuchte Texte vor.

Hub darf zu den Profis gezählt werden. "Ich lese und rezitiere seit zehn Jahren Texte an Schulen oder beispielsweise beim Bayernkolleg", erklärt er. Dies schlägt sich in der Phonetik nieder, die mit der Gestik eine Symbiose eingeht und die Routine des Erzählers und Schauspielers ausweist. "Gedichte und Prosa sind wie bemalte Fensterscheiben einer Kapelle. Kommt herein und begrüßt einmal die Kapelle im Lichte. Erbaut euch und ergötzt die Augen", empfiehlt Hub seinem Publikum in einem Vers.

Für Christine Hadulla hingegen ist der Auftritt auf der Burg eine Premiere als Rezitatorin. Es klappt gut. "Etwas Lampenfieber hat jeder auch vor einem Theaterauftritt", meint sie mit einem Lächeln. Selbstredend ist auch Disharmonie-Regisseur Bernd Lemmerich beim Auftritt seiner Akteure dabei.

"Großen Respekt vor denen, die in die Fußstapfen eines Rudolf Herget treten", sagt der Vize-Vorsitzende der "Freunde der Trimburg", Matthias Schiebl. Für den Fall, dass es regnet, hält er einen alternativen Ort für den Auftritt bereit: den Weinkeller der Burg.

Das trifft sich gut. Denn nach einer halben Stunde beginnt es zu regnen. Es ist ein leichter Landregen, der die Kleidung dennoch durchnässt und die Zuhörer unter Schirme, Planen und Kapuzen zwingt. Die Veranstalter nutzen die Pause, in das angebotene, trockene Revier umzuziehen.


Frivole Reime

Nicht wenige Zuhörer sind mit der Erwartung gekommen, einen Vergleich zwischen den beiden Theaterschauspielern und Rudolf Hergert ziehen zu können. Doch der bietet sich nicht an: Rezitatoren geben ihren Vorträgen eine individuelle Note - und das soll auch so sein. Während Rudolf Hergert seine Darbietungen der klassischen Literatur unter ein überspannendes Thema stellte, verzichten Hub und Hadulla darauf.

Zwar zitieren auch sie die Klassiker von Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller oder Matthias Claudius, doch tendieren sie ebenso zu den humorvollen, gelegentlich auch leicht frivolen Reimen eines Erich Kästner oder anderer Literaten der Neuzeit. Dies lockert die Veranstaltung auf und gibt ihr dann und wann ein verschmitzt-lächelndes Antlitz.

Auf die Frage, welcher der Vortragenden denn besser abschneide, fällt die Antwort unisono aus: "Die Rezitatoren kann man nicht vergleichen", sind Renate Strauß und Otmar Pfister von den "Freunden der Trimburg" sich einig. Dieser Aussage schließt sich ebenfalls ein großer Teil des Publikums an.

Ein seltener Gast bei dem besinnlich-erquickenden Abend ist der ehemalige Hammelburger Gemeindereferent Peter Herrlein, der inzwischen Peter Schott heißt und in Münnerstadt wirkt. Zum ersten Male bei dieser Veranstaltung anwesend, lässt er wissen, dass er sich auch als Autor betätige. "Mir hat dieser Abend gut gefallen, denn Buchstaben sind meine Leidenschaft", fügt er hinzu.



Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren