Pfaffenhausen
Gemarkungswanderung

Die Grenze war früher länger

Pfaffenhausen hat beim Bau des Truppenübungsplatzes um das Jahr 1900 riesige Ackerflächen abgeben müssen.
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Am Dreimärker Pfaffenhausen -Fuchsstadt -Hammelburg: Gerhard Fella (links) und Klaus Kippes (rechts) "stauchten" Stadtrat Detlef Heim. Foto: Winfried Ehling
Am Dreimärker Pfaffenhausen -Fuchsstadt -Hammelburg: Gerhard Fella (links) und Klaus Kippes (rechts) "stauchten" Stadtrat Detlef Heim. Foto: Winfried Ehling
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Der älteste Stadtteil Hammelburgs ist Pfaffenhausen, und durch den Bau des Truppenübungsplatzes hat er viel Areal eingebüßt. Seine Geschichte und seine Ortsgrenze zu erfahren, war Zweck einer Gemarkungswanderung mit Ortsbeauftragten Detlef Heim, der sich rund 50 Bürger angeschlossen hatten.

15 Kilometer lang

Die Teilnehmer, darunter Stadträte, die Feldgeschworenen-Obmänner aus Untereschenbach, Albrecht Leurer, Martin Reuter aus Obereschenbach, der Hammelburger Gerhard Fella und Lothar Pfülb aus Fuchsstadt sowie Kreis-Obmann Peter Hart, erschlossen sich die etwa 15 Kilometer Grenze Pfaffenhausens.

Rast am "Franzosenkreuz"

Auch Bürgermeister Armin Warmuth und seine Familie gingen ein Stück mit. Dabei dankte das Rathausoberhaupt den Organisatoren, den heimischen Feldgeschworenen mit Obmann Leo Hügel, den Jagdpächtern und den Kommunalpolitikern. "Grenzgänge sind Identität mit der Heimat. Sie zeigen zwar die Grenzen auf, über die man allerdings hinausschauen kann nach dem Zitat, wandle sie in Weite", sagte der Bürgermeister und erwies sich dabei als bibelfest.
Hans-Werner Schedel übernahm den informellen Teil der Wanderung, die zunächst zur "Alten Lagerstraße" führte, die um 1900 beim Bau des Truppenübungsplatzes angelegt worden war. Sie war für 30 Jahre Teil der offiziellen Verbindung nach Karlstadt und Würzburg. Von hier ging es in Richtung des "Saalecker Feld", auf dem die Äcker zunächst verkauft, später wieder zurückgekauft wurden.
Nächste Stationen waren das von Albert Galand im 1. Weltkrieg geschnitzte "Franzosenkreuz", das gerne beim Vieh-Auftrieb als Rastplatz genutzt wurde "denn hier waren die Kühe das erste Mal fertig", wie Schedel erklärte.

Probleme für Landwirtschaft

Durch die Flächen, die Pfaffenhausen für den Truppenübungsplatz abgeben musste - das Areal schmolz von einst 600 Hektar auf heute 230 Hektar - kam es im Dorf zu großen Problemen in der Landwirtschaft. Es wurden Überlegungen angestellt, wie man an Ackerflächen kommen könne. Zwei Jahre später rodete Pfaffenhausen ein Waldstück von gut vier Hektar, um Ackerflächen zu erschließen. Daraus datieren die so genannten "Gemeinderöther".
Zur Mittagsrast im rückwärtigen Teil des Park- und Festgeländes der Bundeswehr spielten die Pfaffenhausener Musikanten auf, eine kleine Mahlzeit und Getränke rüsteten die Teilnehmer für den Rückmarsch, zu dem sie in Richtung Fuchsstadt und entlang des Saaleufers aufbrach.Für die Kinder, die einen Grenzstein oder gar einen Dreimärker fanden, gab es ein Geldstück aus dem Säckchen, das Schedel mitführte.
An den Dreimärkern stauchten kräftige Männer die Ortspolitiker, um sie daran zu erinnern, wo genau ihr Geltungsbereich endet.
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