Hammelburg
Grössenunterschied

David und Goliath im Zwiegespräch

Orgel und Oboe trafen sich zum Konzertieren in der Stadtpfarrkirche.
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Norbert Düchtel und Andreas Strehler (von links) zeigten im Finale welche gute Akustik und welches bezauberndes Flair die Stadtpfarrkirche hat. Foto: Peter Klopf
Norbert Düchtel und Andreas Strehler (von links) zeigten im Finale welche gute Akustik und welches bezauberndes Flair die Stadtpfarrkirche hat. Foto: Peter Klopf
Es gibt Konzerte, die einen als Zuhörer so berühren, dass man auf dem Nachhauseweg die Musik nochmals in allen Feinheiten Revue passieren lässt. Das Kirchenkonzert für Oboe und Orgel in der Hammelburger Stadtpfarrkirche St. Johannes hat es geschafft, nachhaltig in Erinnerung zu bleiben. Die Musik, die Künstler, die Stimmung und die Beleuchtung - alles passte. Andreas Strehler (Oboe) und Norbert Düchtel (Orgel) gelang es, mit einer abwechslungsreichen Auswahl der Konzertliteratur die Zuhörer von Anfang an zu begeistern, dass sie mit stehenden Ovationen am Ende des Konzertes die Musiker bejubelten.

Schon das Entrée gelang mit "Fantasie in f für Oboe und Orgel à 2 Claviere è Pedale" von Johann Ludwig Krebs (1713 - 1780) hervorragend. Während Norbert Düchtel an der Orgel mit dem Präludium und Fuge d-moll op. 6/2 von Johann Georg Albrechtsberger (1736 - 1809) brillierte, nahm sich Andreas Strehler, Musiklehrer am Hammelburger Frobenius-Gymnasium, Benjamin Brittens (1913 - 1976) Metamorphosen nach Ovid op. 49 für Oboe solo vor, im speziellen die Stücke "Pan", "Niobe" und "Bacchus".


Hinweise des Komponisten

Die Metamorphosen des römischen Dichters Ovid sind jedem Gebildeten als Quelle der antiken Mythologie vertraut. Dennoch rechnete schon Britten nicht damit, dass alle sechs Episoden, die er ausgewählt hatte, ohne weiteres verständlich seien. Deshalb fügte er jedem Stück einen längeren Titel hinzu. Mit kurzen musikalischen Hinweisen versehen, mögen sie als Erläuterung der sechs Sätze hinreichen: "Pan, der auf dem Schilfrohr spielt, welches Syrinx, seine Angebetete, war. Solo in der pastoralen Tonart A-Dur und in impressionistischem Tonfall. Tonrepretitionen unterstreichen den Rohrblattklang der Oboe", wie es im Kammermusikführer "Villa Musica - Rheinland-Pfalz" heißt. Und weiter: "Niobe, die um ihre 14 Kinder trauerte und in einen Berg verwandelt wurde. Großer Klagegesang in opernhaftem Stil, an dessen Ende ein Arpeggio in Des-Dur die Metamorphose zeigt. Bacchus, bei dessen Festen man die Weiber tratschen und die Knaben jauchzen hört. Das Jauchzen der Knaben zeigt sich im plötzlichen Abreißen der Bewegung, das Tratschen der Frauen in kreisenden Figuren."


Wandlungsfähiges Instrument

Andreas Strehler gelang eine perfekte Interpretation. Die Klangqualität der Oboe ist sehr wandlungsfähig und reicht von den dicken Tönen in der Tiefe bis zu den dünnen und durchdringenden hohen Tönen. Die Übergänge zwischen aufeinander folgenden Registern haben laut Vienna Symphonic Library eine Breite von etwa einer kleinen Terz. Klar, hell, durchdringend, herb, scharf, beißend, rau, näselnd, nasal, kräftig, robust, voll, eindringlich - so wunderschön kann der Klang der Oboe sein.

Norbert Düchtel an der Orgel einfach Spitze. Brillant setzte er seine Solostücke und die Begleitung der anderen Stücke um. Einzigartig geriet ihm Josef Gabriel Rheinbergers (1839- 1901) Orgelsonate Nr.11. Die Sonate Nr.11 d-moll op.148 entstand im Jahre 1887. Beeindruckend hier das Agitato und das Allegro. Im Finale - mit Unterstützung von Wolfgang Kriener (Kontrabass) - erklang Alessandro Marcellos (1684 - 1750) Konzert d-moll für Oboe, Streicher und Basso continuo zum Abschluss. Langer Applaus und stehende Ovationen waren deshalb mehr als gerechtfertigt. Ein Konzert, das ideal in die Hammelburger Kirchenmusiktage passte.
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