Untererthal
Brauchtum

Das alte Jahr weggepustet

Das Silvesterblasen hat in Untererthal eine lange Tradition. Auch junge Musiker sind mit Begeisterung dabei.
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Auch die Jugend begeistert sich für das Silvesterblasen: Kathrin mit dem Saxophon, Elena und Luisa mit der Trompete (von links). Fotos: Gerd Schaar
Auch die Jugend begeistert sich für das Silvesterblasen: Kathrin mit dem Saxophon, Elena und Luisa mit der Trompete (von links). Fotos: Gerd Schaar
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Mit Blasmusik kommen die Untererthaler ins neue Jahr. Über zwei Dutzend Musikanten aus dem Dorf spielen auch heuer wieder am Silvestertag vor vielen Höfen auf. Gegen die Kälte gibt es dann einen Schluck Heißgetränke von den Anwohnern.
"Es ist ein Stück Untererthal", heißt Anwohner Karl Heilmann die Musikanten in der Judengasse willkommen. "Da freue ich mich jedes Jahr wieder drauf", schätzt der ehemalige Ortssprecher den alten Brauch hoch ein. Um 11 Uhr geht es los, und die Blaskapelle wird von ihm mit Grog und alkoholfreiem Kinderpunsch erwartet.
Ehefrau Karoline Heilmann betont: "Ich möchte diese hundertjährige Tradition nicht mehr missen." Den Glühwein gießt sie aus der Thermoskanne in die bereit stehenden Gläser, damit die Musikanten sich aufwärmen können.

Mundstück in Manteltasche

Mit Begeisterung sind auch die Jungmusikanten Kathrin (Saxophon), Luisa und Elena (beide Trompete) seit zwei Jahren dabei. "Bei dieser Kälte tut mir der Punsch recht gut", freut sich auch Flügelhornspieler Heribert Gerlach über die Aufwärmpause. Das Mundstück seines Instruments hat er in die Manteltasche gesteckt, damit es beim nächsten Spielen auch noch funktioniert. "Ohne Silvesterblasen gibt es in Untererthal keinen g´scheiten Jahreswechsel", ist Gerlach überzeugt. Das sei ein Stück Heimat.
Unter der Leitung von Helmut Schäfer marschiert die Blaskapelle weiter zum Anwesen von Reiner Niebling. Hauptsächlich Märsche sind gefragt. Die Notenständer wandern ebenfalls mit zu den Spielstationen. "Ich habe selber jahrelang in dieser Kapelle die Trompete gespielt", verrät Anwohner Niebling, für den jetzt die Musik ertönt.
Das Silvesterblasen sei eine schöne Tradition im Ort. "Da hört und sieht man, dass unser Dorf zusammensteht", meint er. Seine Tochter Jennifer war heuer auf dem Hammelburger Weihnachtsmarkt schon als Engelchen unterwegs.

"Die Leute warten schon"

Klarinettist Tobias Popp, erster Vorsitzender des ansässigen Musikvereins, will nicht über die Kälte meckern: "Wir hatten schon sehr viel schlechteres Wetter, da sind uns auch mal die Instrumente eingefroren." Er bestätigt: "Seit undenklichen Zeiten gibt es hier unser Silvesterblasen". Wichtig sei das kameradschaftliche Erlebnis.
"Die Leute warten schon auf unsere Musik und haben sich darauf vorbereitet", weiß Popp. Gespielt wird laut Liste zumeist seit Jahren an den selben Stellen. Etwa 30 Stationen sind eingeplant. Die älteren Mitspieler, wie zum Beispiel Paul Desch, geben Auskunft, wo das ist.
Mit seinem Euphonium ist Hubert Koch unterwegs. In den Spielpausen muss er die Ventile seines Instruments nachölen. "Sonst würde ich nicht mehr einwandfrei in dieser Kälte spielen können", weiß er aus Erfahrung. Das Silvesterblasen gibt es bis zum Einbruch der Dunkelheit. Danach wird in diesem Kreise auch zusammen mit den Familienangehörigen im "Goldenen Kreuz" gefeiert. Dann kann auch in Untererthal das neue Jahr kommen.
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