Hammelburg
Exkursion

Bei Ziege, Zauneidechse und Co.

Mädchen und Jungen der "Kinder-Kiste" erkundeten die faszinierende biologische Vielfalt des Hammelbergs.
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Katja Winter erklärte den Kindern den Lebensraum der geschützten Zauneidechse. Foto: Heide Gerlach-Hirt
Katja Winter erklärte den Kindern den Lebensraum der geschützten Zauneidechse. Foto: Heide Gerlach-Hirt
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Was es an den Hängen nicht alles zu entdecken gibt: Blauflügelige Ödlandschrecke, Märzenschnecke, Zauneidechse, Schlingnatter und viele verschiedene Wildbie nenarten. Naturführerin Katja Winter öffnete den Kindern die Augen. Das "Life+ Naturprojekt Main-Muschelkalk" machte es möglich, dass die Mäd chen und Jungen die heimische Tier- und Pflanzenwelt erforschen.
Katja Winter erklärte, was die Ziegen machen: "Sie beweiden den Hammelberg und halten die Hänge frei von aufwachsenden Büschen. So kommt ausreichend Licht und Wärme auf den Boden. Beides brauchen die Bewohner des trockenen Lebensraumes zum Überleben."
Als eine Naturschutzmaßnahme des "Life+ Naturprojekts" werden seit 2013 verschiedene Flächen im Projektgebiet mit Ziegen und Schafen beweidet. Die Ziegenherde, die in der hiesigen Region im Einsatz ist, beseitigt nicht nur fleißig die Büsche, sie ist auch ein lebendiges Biotop-Verbundsystem. "Denn viele Arten wie Märzen-schnecken und Heuschrecken nutzen Ziegen und Schafe, um von einem Magerrasen zum anderen zu kommen", erläuterte die Fachfrau.
Auch Pflanzensamen bleiben im Haarkleid der vorbeiziehenden Tiere hängen. So werden die Lebensräume quasi per "Ziegentaxi" miteinander vernetzt, was das Überleben vieler Arten sichert. Das wiederum ist wichtig für den Erhalt der biologischen Vielfalt in den Trockenlebensräumen und Kulturland schaftskomplexen des Projektgebiets. Das umfasst den Raum zwischen Bad Kissingen, Karlstadt und Würzburg.

Austausch der Arten

Im Weideverbund werden im hiesigen Landkreis von April bis Oktober Gebiete zwischen Sulzthal und dem Naturschutzgebiet "Ruine Homburg" im Landkreis Main-Spessart beweidet. "So ist ein intensiver Austausch an Arten von einem Lebensraum zum nächsten möglich", machte die Naturführerin deutlich.
Bei viel Licht, Wärme und Trockenheit fühlen sich nicht nur Wildbienen und Blauflügelige Ödlandschrecken wohl, sondern auch die lokalen "Mini drachen", gemeint sind die Zauneidechsen. "Die Zauneidechsen lieben trocken-warme, besonnte Stellen in der Landschaft, zum Beispiel offene Felsvorsprünge, Geröllhalden oder Weinbergsmauern", weiß Katja Winter.
Auf solchen "Sonnenbänken" erreichen die wechselwarmen Tiere die für die Jagd auf Insekten nötige "Betriebstemperatur". Wo Wärme und Sonne fehlen, da bleiben die Zauneidechsen also hungrig. Auch die Eier der Zauneidechse können nur an sonnigen, offenen Bodenstellen von der Sonne "ausgebrütet" werden.
Fortschreitende Beschattung durch Büsche macht den Tieren das Leben schwer. "Aber zum Glück gibt es ja Ziegen und Schafe als Landschaftspfleger", betont Winter. Sie schaffen wieder offene, besonnte Flächen für die Zauneidechsen, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie europaweit geschützt sind.
Damit die Zauneidechsen auch die kalte Jahreszeit gut überstehen, packten die Kinder gemeinsam mit ihren Betreuerinnen und der Naturführerin kräftig an und bauten den Echsen eine "Drachenburg" als Unterschlupf.
Um die logistische Organisation kümmerte sich Roland Lenhart von der Unteren Naturschutzbehörde, wofür er ein dickes Lob erhielt. Nun freuen sich die Kinder schon, die Zauneidechsen bald auf der "Drachenburg" neben dem geplanten Musterweinberg bewundern zu können.
Weitere Informationen zum Projekt finden Interessierte unter www.mainmuschelkalk.de im Internet.
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