Obereschenbach

Ausgleich für Biberschäden

Der Biber erhitzt die Gemüter in Obereschenbach und so war er auch Thema der Bürgerversammlung. Die Betroffenen sollen Schäden bei der Behörde melden.
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Der ehemalige Feuerwehrkommandant Benno Zellhan steht im Bett des Eschenbachs an einem Biberdamm. Er ist nur einer von mehreren Obereschenbachern, die mit dem aufgestauten Wasser durch Biberdämme zu kämpfen haben. Foto: Benedikt Borst/ Archiv
Der ehemalige Feuerwehrkommandant Benno Zellhan steht im Bett des Eschenbachs an einem Biberdamm. Er ist nur einer von mehreren Obereschenbachern, die mit dem aufgestauten Wasser durch Biberdämme zu kämpfen haben. Foto: Benedikt Borst/ Archiv
Einen Tag vor der Bürgerversammlung hatten sich Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde, des staatlichen Bauamtes, des Wasserwirtschaftsamtes und der Stadt zu einem Ortstermin am Eschenbach in Obereschenbach getroffen. Davon berichtete in der Bürgerversammlung Peter Kreß von der Stadtverwaltung. "Die Vernässung der Wiesen ist erheblich", fasste er den Sachstand zusammen. Da der Biber jedoch höchsten Schutz in Deutschland genießt, dürfen die Dämme nur in Ausnahmefällen - sprich wenn technische Bauwerke oder Straßen beeinträchtigt werden - und nur mit Genehmigung der Behörden beseitigt werden.
Doris Hupfer von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt habe die Betroffenen aufgefordert, sich direkt bei ihr zu melden. Sie könne Hilfestellung geben und bei ihr könnten auch Anträge auf Ausgleichszahlungen eingereicht werden. Bislang hätten sich jedoch keine betroffenen Bürger aus Ober- oder Untereschenbach bei ihr gemeldet. Eine weitere Möglichkeit sei der Grundstückstausch, falls Wiesen garnicht mehr benutzt werden könnten, informierte Ortsbeauftragter Thomas Reuter.


Termin im Frühjahr

Er war zudem erfreut, dass Martin Rottenberger vom Wasserwirtschaftsamt angeboten hat, im Frühjahr 2017 noch einmal einen Termin auszumachen. Dann würde er mit Interessierten den Bach ablaufen und Tipps geben, wie man vorgehen sollte.
Diese Auskunft genügte vielen offenbar nicht. Zwischenrufe wie "es muss wohl erst was passieren", machten den Unmut einiger der rund 90 Anwesenden deutlich. Raimund Altmann glaubte, es würde zum Beispiel in der Hundsfelder Straße schon reichen, wenn Bäche von Schlamm befreit würden. Kreß machte jedoch deutlich, dass der Bauhof allein unmöglich alle Gräben freihalten könne. Und für Bäche ist nun einmal die Stadt Hammelburg zuständig.
Bürgermeister Armin Warmuth ergänzte, dass es sich zudem stets um ein "riesen Dilemma" handele. "Die einen wollen dass gemäht wird, der Naturschutz nicht." In einer der nächsten Stadtratssitzung soll über die Erstellung eines Gewässerentwicklungsplanes für den Eschen- und den Klingenbach (Diebach) entschieden werden. Ob das der Weisheit letzter Schluss sei, wisse er allerdings auch nicht.


Betroffene frühzeitig melden

Doris Hupfer von der zuständigen Behörde im Landratsamt erläuterte auf Nachfrage, dass jedes Jahr Ausgleichszahlungen geleistet werden. Diese werden nach Quadratmeter und Ertragsausfall berechnet, müssten aber unbedingt frühzeitig - also direkt nach bekanntwerden des Schadens - gemeldet werden. Sie sammele die Anträge und reiche diese Ende des Jahres bei der Regierung von Unterfranken ein. Die Auszahlung erfolgt dann gewöhnlich Ende Januar/ Anfang Februar. Bayern ist übrigens das einzige Bundesland, das diese Entschädigung bezahlt, quasi als freiwillige Leistung.


Kindergarten wird saniert

Einen weiteren Ortstermin hatte es mit der Diözese im Obereschenbacher Kindergarten St. Georg gegeben. Der ist in die Jahre gekommen, aber "wir dürfen die demografische Entwicklung nicht außer Acht lassen", sagt Warmuth. Die Bevölkerungsstatistik zeigte: 519 Einwohner in 2014, 501 in 2015, null bzw. zwei Geburten, aber sechs bzw. zwei Sterbefälle. Der Stadtrat habe jedoch beschlossen, 100 000 Euro in die Sanierung des Kindergartens zu investieren, und auch die Diözese habe einen Zuschuss in der gleichen Höhe in Aussicht gestellt. Dafür sei er sehr dankbar, so das Stadtoberhaupt. "Das reicht nicht für alles, aber immerhin für dringend notwendige Sanierungsmaßnahmen", meinte der Bürgermeister.
Wie er machten auch Thomas Reuter und Stadtpfarrer Thomas Eschenbacher als 2. Vorsitzender des Kindergartenvereins deutlich, dass für die Arbeiten dringend freiwillige Helfer benötigt werden, um viel in Eigenleistung zu erledigen. Konkrete Pläne, wann die Sanierungsarbeiten beginnen, gibt es offenbar noch nicht. Warmuth: "Ich hoffe, dass bis September schon was passiert ist".


Neues Urnengrabfeld

Die gute Zusammenarbeit mit Diözese und Pfarrgemeinde hob Bürgermeister Warmuth auch bei der Sanierung des Kirchendachs hervor. Die Baulast liege komplett bei der Stadt, die Diözese wäre zu nichts verpflichtet gewesen, machte er deutlich. Umso mehr bedankte er sich für die Unterstützung der notwendigen Maßnahme. Auch die dringende Sanierung des Leichenhauses für 25 000 Euro sei abgeschlossen. Darüber hinaus seien im Friedhof, vor allem durch den enormen Einsatz des damaligen Leiter des Ordnungsamtes, August Brendan, auch ein neues Wasserbecken und ein Urnengrabfeld entstanden.


Kein Netz

Dringend notwendig ist in Obereschenbach der Internetausbau. Das erfuhr der Bürgermeister am eigenen Leib. "Ich habe auf dem Weg hierher noch telefoniert und plötzlich war die Verbindung weg", berichtete er. Kein Netz für D1. Und auch die Verbindung ins Internet ist langsam. "Wenn ich mal ein Bild verschicken will, kann ich derweil Kaffee trinken gehen", bestätigte Ortsbeauftragter Reuter.
Auf Initiative von Volker Sitzmann habe er im Pfarrblatt eine Umfrage gestartet. Es gab 15 bis 20 Rückmeldungen, die eine schlechte Verbindung bestätigten. Gemeinsam mit Armin Weidenthaler sei er am Montag bei Norbert Kühnl von den Stadtwerken gewesen, aber "die können uns nicht einfach eine Leitung hier raus ziehen".
Aber er habe geraten, dass sich die Bürger immer mal bei der Bundesnetzagentur einwählen und den Speed-Test machen, erläuterte Reuter, um Zahlen zu haben. Immerhin hat die Stadt einen Förderbescheid für Internetausbau in Höhe von 50 000 Euro bekommen. Das sei für die Planung, so der Bürgermeister, für den Ausbau gebe es weitere Fördermittel. Warmuth hatte eingangs abgeschlossene und laufende Projekt in der Stadt vorgestellt.


Zur Info:

Sachstand Deponie Die Untersuchung der ehemaligen Hausmülldeponie läuft derzeit. Erst danach kann entschieden werden, ob eine Stilllegung, regelmäßige Messungen oder eine Sanierung notwendig sind.

Leerstand im Ort Laut Innenentwicklungsportal gab es in Obereschenbach drei Leerstände, ein Anwesen ist inzwischen verkauft. Eine Förderung bis 10 000 Euro ist hier möglich.

Vorhaben Fest eingeplant sind für Obereschenbach in 2017 die Erneuerung der Kirchentreppe und die Befestigung des Containerplatzes. Außerdem soll im Naturschutzgebiet ein offizieller Wanderparkplatz entstehen und auch die Eschenbachstraße wolle man angehen, so Warmuth.

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