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Hammelburg
Religion

Aktionstag zum Reformationsjubiläum

Die evangelischen Christen sind in Hammelburg in der Minderheit. Dennoch oder gerade deswegen erinnern sie mit einem Aktionstag an ihr Jubiläum.
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Luther schaut am Mittwoch, 12. Juli, mit drei Trucks der Landeskirche am Marktplatz vorbei.Foto: Arkadius Guzy
Luther schaut am Mittwoch, 12. Juli, mit drei Trucks der Landeskirche am Marktplatz vorbei.Foto: Arkadius Guzy
Nur relativ kurze Zeit konnte sich die Reformation in der Stadt entfalten. Heute ist Hammelburg evangelische Diaspora. Dennoch ist die Stadt der einzige Ort im ganzen Dekanat Lohr am Main, an dem die evangelisch-lutherische Landeskirche Bayern mit ihren drei "Wort.Transport"-Trucks zu Gast ist, um an das Reformationsjubiläum zu erinnern.

"Wenn wir schon so ein Ereignis haben, tut es gut, es auch zu feiern", sagt Martin Steinel. Als Mitglied des Kirchenvorstands ist er dafür verantwortlich, den Aktionstag am Mittwoch, 12. Juli, zu koordinieren. Zwar bringen die drei Trucks eine Bühne, eine mobile Kirche und weitere Attraktionen mit, und das Team von "Wort.Transport" kümmert sich um die Programminhalte, doch müssen die lokalen Gemeinden an den Stationen der Tour Verpflegung und Helfer organisieren - was für eine ganztägige Veranstaltung unter der Woche nicht ganz einfach ist.

Daher ist der Besuch von "Wort.Transport" der Schwerpunkt in diesem Jahr, wie Pfarrer Robert Augustin erklärt. Der Aktionstag ersetzt das jährliche Gemeindefest.

Am Vormittag nehmen die Grundschulen Hammelburg und Langendorf an dem Angebot der Landeskirche teil. Dann folgen die Konfirmanden. Der Abend richtet sich insbesondere an Erwachsene. Es gibt zum Beispiel eine Gesprächsrunde mit Pfarrer Robert Augustin, seinem katholischen Kollegen Thomas Eschenbacher, dem evangelischen Militärseelsorger Rüdiger Bernhardt und der stellvertretenden Bürgermeisterin Rita Schaupp.

Gedanken zu Glaubens- und Lebensfragen sollen zu Diskussionen anregen. Die Runde ist bewusst ökumenisch gestaltet. "Bei allem evangelischen Selbstbewusstsein ist es wichtig, nicht im eigenen Saft zu schmoren", sagt Steinel. So ist das Angebot von "Wort.Transport" den ganzen Tag über offen für alle. Jeder, der will, kann bei den Trucks am Marktplatz vorbeischauen. Sie informieren nicht nur über Luther und die Reformation, sondern schlagen den Bogen weiter, vor allem zu Gutenbergs Druckkunst.

In Hammelburg war ab 1603 mit der Reformation Schluss. Der Fürstabt von Fulda setzte die Rekatholisierung in Gang. Wer sich nicht beugen wollte, musste gehen. Nach verbreiteter Auffassung sollen etwa 120 lutherisch geprägte Familien Hammelburg verlassen haben.

"Das Große vollständige Universal-Lexicon aller Wissenschafften und Künste" von Johann Heinrich Zedler, ein mehrbändiges biografisch-enzyklopädisches Werk aus dem 18. Jahrhundert, erwähnt zum Beispiel Anna Margarethe Eßmer. Sie wurde 1590 in Hammelburg geboren "von wannen sie mit ihren Eltern der Religion halber vertrieben war".

Die meisten fanden zunächst Zuflucht in der freien und protestantischen Reichsstadt Schweinfurt. Die Spuren von Anna Margarethe Eßmer tauchen einige Jahre später in Coburg auf. Dorthin hatte es auch M. Johannes Dresser, einen weiteren protestantischen Glaubensflüchtling verschlagen. Er wurde in Coburg Lehrer und Rektor an der Ratsschule.

Seit etwa 100 Jahren gibt es wieder eine evangelische Gemeinde in Hammelburg, wie Pfarrer Augustin erwähnt. Denn ungefähr so alt sei der erste evangelische Betsaal. Die Mitglieder der evangelischen Gemeinde Hammelburg wohnen zerstreut auf die Nachbarorte. Unter diesen Bedingungen ist es schwierig eine konzentrierte Gemeindearbeit zu machen, sagt Augustin. Doch der Zusammenhalt sei groß, meint Steinel.


Die drei Trucks von "Wort.Transport" machen am Mittwoch, 12. Juli, auf dem Hammelburger Marktplatz Halt. Von 9.30 bis 21 Uhr können alle Interessierten vorbeischauen. Es gibt eine mobile Kirche, eine Ausstellung, eine Druckerpresse und weitere Attraktionen. Der Vormittag richtet sich insbesondere an Schulklassen. "Die Lutherin", Katharina von Bora, erzählt ab 17 Uhr aus ihrer Zeit. Ab 19.30 Uhr will "Luthers Biergarten" alle Besucher zu Gesprächen einladen. Es gibt ein Rahmenprogramm und eine kleine Diskussionsrunde mit Vertretern der beiden Kirchen und der Stadt.

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