Hammelburg
Militär

72-Stundenübung westlich von Verdun

Die I. Inspektion des Ausbildungszentrums Infanterie aus Hammelburg organisierte in Sissonne ein mehrtägiges Übungsszenario .
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In einem für sie völlig unbekannten Gelände in Frankreich übten die jungen Soldaten. Foto: Norman Möller
In einem für sie völlig unbekannten Gelände in Frankreich übten die jungen Soldaten. Foto: Norman Möller
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170 Kilometer westlich des französischen Verduns entfernt liegt Sissonne. Eine kleine verschlafene 2000-Seelen-Gemeinde, die eine der größten militärischen Übungsstädte ganz Europas beherbergt.
Die I. Inspektion des Ausbildungszentrums Infanterie aus Hammelburg organisierte hier ein mehrtägiges Übungsszenario im Rahmen der deutsch-französischen Führerausbildung. Hörsaalleiter Oberstleutnant Sascha André Zander hatte die Federführung für den diesjährigen Durchgang.


Ständig neue Herausforderungen

"Die deutsch-französische Ausbildung führt zurück bis in das Jahr 1990. Helmut Kohl und François Mitterrand vereinbarten eine zukünftig enge Zusammenarbeit im Rahmen bilaterale Übungen", erklärte Oberstleutnant Zander im Vorfeld.
Mehr als 100 deutsche und nahezu 100 französische zukünftige Zugführer der Infanterie fanden sich vier Tage und drei Nächte in einem gemeinsamen Auftrag wieder: Die Ortschaft Jeoffrécourt von feindlichen Kräften zu befreien und anschließend einen Gegenangriff abzuwehren.
Die taktische Übung verlief ohne Unterbrechung über einen Zeitraum von 72 Stunden. Handlungsfreiheit, Schwerpunktbildung und wirtschaftlicher Einsatz der Mittel stellten die jungen Soldaten vor ständig neue Herausforderungen im Angriff und in der Verteidigung. Ziel war es, beim Angriff die Initiative zu ergreifen und ständig die Kontrolle über das Einsatztempo zu behalten. Dazu kamen noch der ständige Informationsaustausch und die Auswertung der jeweiligen Gefechtsaufklärung gegenüber der Partnernation. Eine andere Sprache und zum Teil sehr unterschiedliche taktische Grundsätze setzten innere Ruhe und höchste Flexibilität voraus.
Den Offizieren beider Nationen wurden hier die nationenübergreifende Zusammenarbeit, die Kombination, sowie die Synchronisation der unterschiedlichen Wirkungsweisen an die Hand gegeben.


Gemeinsam bestehen

"Wir verfolgen zwei Ziele", erklärt Oberstleutnant Zander in einer der kurzen ruhigeren Gefechtsphasen. "Das erste Ziel ist die Koordination der Zusammenarbeit mit den französischen Teilen. Das bedeutet die taktischen Grundsätze der Partnernation kennenzulernen und in Verbindung mit den Eigenen so umzusetzen, dass man im Gefecht gemeinsam bestehen kann. Das zweite Ziel ist das Beüben der deutschen Lehrgangsteilnehmer des OL 3 zunächst als Gruppenführer, um das bisher taktisch erlernte real, in einer 72 Stundenübung umsetzen zu können. Aus Sicht der Ausbildung haben wir hier in Frankreich den Vorteil, dass es ein völlig unbekanntes Gelände für unsere Lehrgangsteilnehmer ist", so Zander. Alles in allem wurde hier im dritten Teil der Offiziersausbildung die unvorhersehbare Komplexität solcher Szenarien integriert, um in Zukunft das Verständnis und die ständige Übersicht in jeder Situation bewahren zu können.
"Ich hoffe, dass wir diese Übung weiterhin im jährlichen Wechsel, Hammelburg-Sissonne, durchführen können. Das bedeutet viel Arbeit und Aufwand in der Vorbereitung sowie der Durchführung. Ich bin aber überzeugt, dass sich dieser Aufwand aufgrund der gesammelten Erfahrung und den gemachten Quantensprüngen unserer Lehrgangsteilnehmer während der Gefechtsübung vollauf rentiert", erklärte Oberstleutnant André Zander noch schnell, bevor er dann wieder als Kompaniechef im Gefecht benötigt wurde. red

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